Frage an den blauen Doc Meinungen Titel — 27 Dezember 2012
Frage an den Blauen Doc: Ist Fördern seliger denn Forschen?

Nicht ganz dasselbe
(Bild: duxschulz / pixelio.de; Quelle: pixelio.de; Rechte und Original: siehe Link)

Von guten Argumenten kann man nie genug haben. Gerade im Zusammenhang mit der gerne so genannten Energiewende tauchen neben den eindringlichen Mahnungen zum Ausmaß möglicher Gefahren immer wieder überraschende Fakten und scheinbare solche auf, die auch grundsätzliche Energierealisten in ihrer Ablehnung der überstürzten Wende straucheln lassen.

213 Milliarden Euro an öffentlichen Geldern wurden, so beziffert es das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft e.V. in einer Studie für Greenpeace und den Bundesverband WindEnergie e.V., seit 1970 an staatlichen Fördermitteln in die Kernenergie investiert. Bei solchen Angaben wird auch die freiheitliche Presse – hier ef – verunsichert und wirkt in ihrer Kritik an Verlauf und Folgen der „Energiewende“ beinahe zurückhaltend.

Dabei sind solche Zahlen auf den ersten Blick wirklich ein schlagendes Argument dafür, dass die angeblich so preisgünstige Kernenergie diesen Vorteil nur durch massive staatliche Förderung erhalten hat, woraus dann gefolgert wird, dass die gerne so genannten Erneuerbaren dieselbe Chance verdienen würden. Selbst wenn man die Zahlen bereinigt und einige als Förderung gewertete Beiträge herausnimmt, etwa

- die Nichtfälligkeit bestimmter Steuerarten,
- die Beseitigung von Wiedervereinigungsaltlasten sowie
- die von den Autoren bestrittene Tatsache, dass Rückstellungen als Kostenpositionen steuerfrei sind,

so bleibt doch ein erheblicher Betrag von mehr als 50 Milliarden Euro seit 1970 bestehen. Zum Vergleich: im Jahre 2012 liegt der EEG-Umlagebetrag bei ca. 14,1 Milliarden Euro, für 2013 wird mit 20,4 Milliarden gerechnet. Für 2017 lautet die Prognose ca. 25 Milliarden – pro Jahr!

Es ist richtig, dass die Entwicklung der Kernenergie von öffentlichen Förderungen profitiert hat. Noch heute werden erkleckliche Summen in die Kernenergie gesteckt. Doch wie so oft hört man mit dem Argumentieren an der Stelle auf, da die eigene Sichtweise für den Moment in einem guten Licht erscheint, und hier wird ein wichtiger Punkt ausgeblendet: Bei der Kernenergieförderung handelt es sich im wesentlichen um Forschungsausgaben.

Die Milliarden, die heute dank dem „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) verteilt werden, dienen aber keinesfalls der Vermehrung des Wissens. Anstatt in die Wissenschaft fließen die Umverteilungsmilliarden heute in die Taschen von Eigentümern geeigneter Dächer und Grundstücke, damit sie entsprechende Anlagen installieren. Geldgeschenke verhalten sich zu Forschungsprojekten wie Äpfel zu Birnen.

Nun mag man einwenden, es wäre dann endlich höchste Zeit, die EEG-Beträge anderweitig einzusetzen, nämlich in der Forschung zu Wind- und Sonnenenergie. Hier stößt man dann aber auf den zweiten Unterschied zwischen Apfel und Birne. Zunächst einmal gefiele es den Solarbauern überhaupt nicht, wenn ihre Ertragsgarantien im Sinne des Gemeinnutzes umgeleitet würden. Sie bestünden dann auf „Vertrauensschutz“, denn wenn man heute noch auf eine Sache vertrauen kann, dann doch wohl darauf, dass eine Deutsche Regierung einen einmal eingeschlagenen Holzweg auch weitergeht.

Hinzu kommt, dass auch mit Milliardeneinsätzen bei den „Erneuerbaren“ kaum mit sprunghaften Forschungsfortschritten zu rechnen ist. Eine Windkraftanlage mit einem bestimmten Rotordurchmesser hat einen theoretischen Maximalertrag, der auch durch noch so raffinierte Verfahren nicht mehr übertroffen werden kann. Auch der Ertrag von Solarzellen lässt sich nicht ins Beliebige erhöhen. Die Sonne liefert pro Quadratmeter in unseren Breiten bis zu ca. einem Kilowatt pro Quadratmeter. Silizium-basierte Zellen erreichen heute etwa 20 Prozent Wirkungsgrad, theoretisch sind bis zu 29 Prozent möglich, Mehrfachzellen aus verschiedenen Materialien können bis zu ca. 50 Prozent erreichen.

Genau genommen ist man hier bereits sehr nah an den möglichen Grenzen, die auch bei teuerster Forschung nicht umgestoßen werden können. Eine wahrhaft aktuelle Entwicklung stellt ironischerweise die „Windstromsperre“ dar, mit der nun die polnischen Stromnetze vor deutschem Windstrom geschützt werden. „Mehrfach hatten sich Vertreter der polnischen und tschechischen Regierung in Berlin und Brüssel über den rasanten deutschen Ökostromausbau beschwert.“, so die FAZ.

Wie man es auch dreht und wendet: die sagenhaften Kernenergiemilliarden fließen heute bereits in die Erneuerbaren und verschaffen dort Grundstücks- und Immobilieneigentümern ein Zubrot. Leitete man sie um in die Forschung, so käme man den physikalischen Limits nur etwas schneller als ohnehin näher. Also wird man die Vorgehensweise beibehalten, sich die Solarbauern bei Laune halten, die Öko-Anhänger durch den Verweis auf das enorme finanzielle Engagement an sich binden und die gelegentlichen Zweifel der Bürger mit Zahlentricks wie den hier beschriebenen zerstreuen.

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Thomas Frieling

Für den Physiker ist klar: Demokratie ist keine exakte Wissenschaft, und Politik ist es ebensowenig. Tagesaktuelle Themen und solche, die immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen, stellt er - in blu-News als der Blaue Doc - aus unüblichen Blickwinkeln dar, manchmal eher nüchtern, manchmal satirisch aber niemals nur aus Spaß.

(3) Readers Comments

  1. Toller Artikel.

  2. P.S.

    Es bliebe vielleicht noch zu erwähnen, dass sich die Investition in die Forschung gelohnt hat. Der volkswirtschaftliche Gewinn durch die preiswerte und saubere Kernenergie übersteigt die Forschungsgelder hundert- oder tausendfach.

  3. Ein von Generationen aufgebautes Energiesystem wird einfach auf den Müll geworfen ohne eine realistische Alternative bereitzuhalten! Dann wir ein völlig ineffizientes und viel schlimmer, unzuverlässiges Energieerzeugungssystem nicht kostendeckend installiert zu Gunsten einiger weniger Investoren ! Die perfekte sozialistige planwirtschaftliche Umverteilung zu Lasten der Stromverbraucher. Ich würde gerne wissen mit welchen Anteilen unsere Politiker und “Eliten” da finanziell engagiert sind!

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