Gesellschaft News Titel — 21 Dezember 2012

Leitartikel: Widerstand lohnt sich!

Wenn diese Meldung auf Youtube kommt, dann war die mächtige GEMA am Werk! (Bild: gemeinfrei)

Eine Protestbewegung vornehmlich junger Menschen gegen den mächtigen Rechteverwerter GEMA feiert einen Etappensieg: Die geplante Erhöhung der Tarife für Clubs und Diskotheken wurde vorerst ausgesetzt. Ein Fall, der zeigt: Wiederstand lohnt sich, wenn er groß genug wird.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) ist eine mächtige Organisation. Sie vertritt die Rechte von Musikern. Der eine hält sie für Teufelswerk, da sie beliebig Tarife erhebt, der andere für einen institutionalisierten Robin Hood, da sie für die Rechte von Musikern kämpft. Manche profitieren von ihr, manche zahlen drauf. Und wenn auf Youtube bei einem Musikvideo die Meldung kommt, es könne nicht abgespielt werden, weil es ein Problem mit den Rechten gibt, hatte freilich die GEMA ihre Finger im Spiel.

Zahlen, von denen Islam- und Eurokritiker nur träumen können

Der Sitz der GEMA in München (Bild: O DM; Quelle: Wikipedia: Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Im Jahr 2012 stand die Organisation mit Sitz in Berlin und München mehr denn je im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der Grund: Die GEMA hatte angekündigt, die Gebühren für Betreiber von Clubs und Diskotheken zu erhöhen. Es folgte ein Sturm der Entrüstung: “Party-machen” würde drastisch teurer werden, Clubs und Diskotheken müssten schließen, wenn die GEMA ihre Tariferhöhungen durchsetzt, so der Tenor. Erst auf Facebook und anderswo im “Web2.0″, dann auf den Straßen zahlreicher Metropolen.

Alleine in Frankfurt demonstrierten im September 7.000 Menschen gegen die Tariferhöhungen, in Berlin sollen es sogar 10.000 gewesen sein, in München versammelten sich immerhin rund 2.000 Menschen vor der GEMA-Zentrale. Organisiert wurde der Protest von den renommiertesten Clubs der jeweiligen Stadt. Derweil wurde eine Online-Petition in kürzester Zeit über 60.000-mal gezeichnet und erreichte damit das notwendige Quorum. Zahlen, von denen Islam- und Eurokritiker nur träumen können.

Widerstand lohnt sich!

Nun hat die GEMA kurz vor Jahresende mitgeteilt, ihre Tarfiferhöhungen für 2013 zumindest vorrübergehend auszusetzen. Und zwar, ohne dass sie politisch dazu gezwungen gewesen wäre. Ähnlich wie die GEZ erfreut sich die GEMA einer Beinahe-Allmacht, gegen die nur schwer anzukommen ist. Und in den Parteien hielt sich das Interesse für das Anliegen der besorgten Nachtschwärmer in überschaubaren Grenzen.

Der zweite Sitz der GEMA in Berlin (Bild: Wikimedia-User Jivee Blau; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Einer, der gegen die politischen Windmühlen des Rechteverwerters kämpft, ist Ernst Fischer, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Musikveranstalter. Notfalls will seine Organisation gegen die Tariferhöhung klagen, so dass die Gerichte feststellen, ob die neuen Abgaben angemessen sind. Zu erst einmal wird im April 2013 eine einberufene Schiedsstelle über den Fall entscheiden und den beiden Parteien die Möglichkeit geben, die Tarife für 2014 neu zu verhandeln.

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, dass eine Schiedsstelle einberufen und die Tariferhöhung ausgesetzt wurden, haben die Musikveranstalter vornehmlich den zahlreichen Protesten zu verdanken. Der Fall zeigt: Widerstand lohnt sich! Zumindest, wenn er groß genug wird.

Versäumnis der Euro-Kritiker?

Bezeichnend ist aber auch, dass mehr junge Menschen in Deutschland politisch aktiv werden, wenn es um eine Verteurung des Nachtlebens geht, als beispielsweise im Fall der Euro-Rettung, wo es um Aufgabe von nationalen Hoheiten und massiven Verlust von Wohlstand geht.

Vielleicht haben es die Euro-Kritiker im Jahr 2012 einfach versäumt, den jungen Menschen zu vermitteln, dass mit EZB-Bazooka und ESM mittelfristig alles teurer werden muss, also auch das Nachtleben. (MP)

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(1) Reader Comment

  1. Widerstand lohnt sich in Deutschland nicht generell. Gegen freiheitsfreindliche Ideologien wie Kommunismus oder den Islam lohnt er sich nicht. Gegen den Bau von Kernkraftwerken, Autobahnen, Flughäfen und Bahnhöfen ist er erfolgreich. Und wer in Deutschland gegen das Eigentum anderer mobil macht, hat am meisten Sympathisanten. Die GEMA ist eine Organisation, die Urheber vertritt und hat die Aufgabe möglichst viel Gewinn für ihre Mitglieder zu generieren. Es steht Diskotheken und Musikkonsumenten nicht zu, gegen GEMA-Gebühren auf die Straße zu gehen. Den geforderten Preis für ein Produkt können sie gerne ablehnen. Aber nur dadurch, dass sie es nicht kaufen. Das Recht, Produzenten den Preis vorzuschreiben, haben sie nicht.

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