Europolitik News — 20 Dezember 2012

Auf in die nächste Runde der Eurokrise

 „Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als in Griechenland.”  (Bild: Wikipedia ; Quelle: Wikipedia; Rechte: gemeinfrei; Original: Siehe Link)

Der griechische Finanzminister sieht den Euroaustritt Griechenlands immer noch für möglich an. Griechenlands drittgrößte Bank macht 1,1 Milliarden Euro Verlust. Zypern steht am Abgrund.

Vor einigen Tagen zitierten die Finanz Nachrichten den Chef des Euro-Rettungsschirms (ESM) Klaus Regling mit den Worten, dass die Euro-Krise in drei Jahren beendet sein werde. Die Hälfte der Arbeit sei getan. Die neusten Meldungen aus Griechenland und Zypern sprechen jedoch eine andere Sprache.

 Schicksalsjahr der Griechen

Der griechische Finanzminister Yannis Stournaras ist bemüht, sich mit IWF-Chefin Lagarde und der EU gut zu stellen. Dazu hat er auch allen Grund, da Griechenland ein gewaltiges Refomprogramm vor sich herschiebt. Ob diese Reformen überhaupt tauglich sind, die drohende Insolvenz der Griechen abzuwenden, wird von führenden Ökonomen bezweifelt. Die Jubellaune der EU-Regierungschefs und EU-Präsidenten dämpfte Stournaras mittlerweile, indem er erklärte, dass Griechenland trotz der letzten Milliarden-Überweisung (34,2 Milliarden Euro ) sich im Bereich eines möglichen Absturzes befände. Das Refomprogramm könne man schaffen, wenn man an den Vorgaben der EU und des IWF festhalte. Gefährlich werde es, so Stournaras, wenn man vom Sparkurs aufgrund von sozialen Unruhen abweichen würde. Dann wäre der Austritt aus dem Euro unvermeidlich. Das Jahr 2013, so Finanzen 100, könnten laut Stournaras zum Schicksalsjahr der Griechen werden.

Griechenlands drittgrößte Bank, die Eurobank, teilte heute mit, dass in den ersten neun Monaten ein Verlust in Höhe von 1,1 Milliarden Euro aufgelaufen sei. Wie Focus Online berichtet, sei der Verlust der Eurobank doppelt so hoch wie im letzen Jahr. Im Zuge der Staatschuldenkrise habe die Eurobank sechs Milliarden abschreiben müssen. Von der Europäischen Union (EU) und dem Internationalen Währungsfond (IWF) erhalte die Bank im Zuge des Hilfsprogramms 5,8 Milliarden Euro. Schlussendlich wird dies die EU bezahlen müssen.

Zypern läutet neue Runde im Eurowahnsinn ein

Wie blu-News berichtete, hatte Zypern bereits Mitte diesen Jahres wegen seiner ausufernden Bankenkrise um Gelder aus dem europäischen Rettungspott ESM angefragt. Damals stand die Summe von 10 Milliarden Euro im Raum – aktuell wurde die benötigte Summe auf 17,5 Milliarden erhöht. Aktuell steht Zypern vor der Zahlungsunfähigkeit und der Ruf nach einem Schuldenschnitt für Zypern wird immer lauter. Somit war die Freude über das angebliche Abflauen der Eurokrise verfrüht. Es sieht nun danach aus, dass Zypern dem bisherigen Katastrophenkadidaten Griechenland den Rang im Euro-Katastrophenranking ablaufen könnte.

Das drittkleinste Euroland wird immer wieder mit Geldwäsche in Verbindung gebracht, da der Inselstaat mit extrem niedrigen Unternehmenssteuern bislang viel Kapital maßgeblich aus Russland anzog.

Nun steht die Frage eines Schuldenschnitts im Raum. Der IWF will diesen als Voraussetzung für die Beteiligung am Hilfspaket für Zypern. Die Eurostaaten jedoch hatten nach dem Schuldenschnitt für Griechenland eine solche Maßnahme für weitere Eurostaaten ausgeschlossen, da dies angeblich eine einmalige Maßnahme war. Führe man den Schuldenschnitt durch, so die Deutsche Welle, bricht man schon wieder geltendes Recht und verliert noch mehr Vertrauen an den Finanzmärkten. Deutschland wiederum will ohne die Beteiligung des IWF kein Hilfspaket schnüren. Gegner des Schuldenschnitts warnen, dass dadurch die Krise erneut eskalieren könne. Die Süddeutsche Zeitung zitiert einen “ranghohen Beamten” der Europäischen Union mit den Worten: „Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als in Griechenland”. (BS)

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