Die Meinung der Anderen Meinungen — 19 Dezember 2012

Birgit Stöger: Internationaler Tag des Migranten – und keiner jubelt

Migration, wörtlich “Wanderung” (Bild: Jacob Lawrence, U.S. National Archives and Records Administration; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Im Dezember 2000 hat die UNO den 18. Dezember als den Internationalen Tag der Migranten ausgerufen. Heute war es nun zum 12. Mal wieder so weit! International Migrants Day!

Anlässlich dieses Jubeltages haben sich Bundeswirtschaftsminister Phillip Rösler und SPD-Chef Sigmar Gabriel in Hannover für eine „neue Willkommenskultur“ ausgesprochen. Gabriel machte sich erneut für die doppelte Staatsbürgerschaft stark, da niemand, der zu uns komme, gezwungen werden dürfe, seine Wurzeln zu kappen, indem er auf seine bisherige Staatsbürgerschaft verzichte. Ähnlichkeiten mit der Rede des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan 2011 zu seinen türkischen Staatsbürgern, dass Assimilation ein Verbrechen sei, ist rein zufälliger Natur. Rösler möchte die Visa-Vergabe an Migranten erleichtert sehen, da Deutschland auf die Zuwanderung von qualifizierten Migranten angewiesen sei. Der Chef der Sozialdemokraten erteilte der „Leitkultur“ eine Absage und stellte fest, dass es immer noch viele Defizite im Umgang mit Zuwanderern gebe. Denn spätestes, wenn gut ausgebildete Türken Deutschland verlassen, weil sie sich in Deutschland nicht wohl fühlen, sollten unser aller „Alarmglocken“ schrillen. Wirklich erst spätestens hier?

Auf eventuell fehlenden Integrationswillen von Seiten bestimmter Migranten ging der Politiker nicht ein. Ebenso fragte er nicht nach den Gründen, weshalb die aufnehmende Gesellschaft bestimmten Migrantengruppen skeptisch gegenüber steht.

Bunt gedeckter Gabentisch

Wenn man sich den Migranten-Gaben-Tisch Deutschlands ansieht, fällt es schwer, Gründe zu finden, weshalb sich die zirka 10,7 Millionen Migranten aus 194 Ländern in den letzen 60 Jahren nicht willkommen geheißen fühlen sollten. Geschätzt eine Billion Integrations-Euro wurden seither von der deutschen Bevölkerung gestemmt, um dieser Willkommenskultur die finanzielle Unterfütterung zu geben. Aktuell wurde in Hessen der bekenntnisorientierte Islamunterricht an staatlichen Grundschulen eingeführt, die Ahmadiyya-Gemeindschaft, angeblich eine islamische Reformgemeinde, deren Fernziel allerdings die Errichtung eines Kalifats ist, eröffnet die erste Imamschule in Deutschland, die religiöse Beschneidung von Kindern ist gesetzlich abgesegnet und die Polizei ist angehalten, vermehrt männliche Migranten einzustellen. Begünstigungen nicht-muslimischer Migranten, so zum Beispiel die Gruppe der spanischen, chinesischen oder indischen Migranten, dürften bedeutend geringer ausfallen, da diese, zumindest medial nicht auftoben, sich selbstständig integrieren und somit so gut wie keine Rolle spielen.

Dass ein wachsender Teil der deutschen Bevölkerung nicht von feierlichen Gefühlen am heutigen Tag erfasst wurde, mag daran liegen, dass diese Menschen die Folgen der fehlgesteuerten Zuwanderung vergangener Jahrzehnte sehen und im täglichen Leben spüren. Ein Großteil der Einwanderung, die nach dem Anwerbestopp von 1973 erfolgte, ging in die Sozialsysteme. Das ist eine Tatsache, die in der Statistik belegt ist: Die Zahl der Ausländer in Deutschland ist von damals drei Millionen auf etwa 7,5 Millionen gestiegen, doch die Zahl der erwerbstätigen Ausländer stagnierte bei zwei Millionen. Das heißt: Ein Großteil der Zuwanderung erfolgte zulasten der Sozialsysteme. Wohl kein hinreichender Grund zum Jubeln!

Toleranz –  eine Geste der Großzügigkeit

Sigmar Gabriel sprach heute davon, dass es den Deutschen nach wie vor an Toleranz im Alltag mangle. Wie kaum eine andere Tugend steht der Begriff „Toleranz“ hoch im Kurs. Auch dieses Jahr wurden Dutzende von Toleranz-Preisen verliehen. Toleranz bedeutet wörtlich „dulden“ oder auch „gewähren lassen“. Toleranz ist im Allgemeinen positiv besetzt – beinhaltet aber per se keinen Anspruch auf Einlösung. Toleranz ist eine Geste der Großzügigkeit derjenigen Person oder Gesellschaft, die sie gewährt. Sie kann nicht eingeklagt oder verlangt werden. Toleranz gegenüber Kulturen und Ideologien, die ihrerseits nichts von Toleranz halten, ist die Anleitung zum kollektiven Selbstmord. Die Frage, wieviel Toleranz sich unsere Gesellschaft leisten kann, ohne den endgültigen Bankrott zu riskieren, stellt sich spätestens nach der Beantwortung der Frage, wie hoch der Stellenwert der Freiheit gegenüber der Gleichheit geschätzt wird. Darüber, Herr Gabriel wäre es endlich wert zu sprechen! Tolerant sind wir seit Jahren! (BS)

Share

About Author

Birgit Stöger

(4) Readers Comments

  1. Gut auf den Punkt gebracht, dem gibt es von meiner Seite aus nichts hinzuzufügen.

  2. Migrant = Muslimischer Einwanderer = Türken … das ist die ebenso einfache wie schlicht falsche Formel, die in den Köpfen unserer Eliten offenbar fest verbaut ist. Wie sollte es auch anders sein? Die Lobbygruppen der vietnamesischen, brasilianischen, japanischen, schwedischen, guatemaltekischen der sonst-ischen Einwanderergruppen maulen, quengeln, jammern, fordern nicht, drängen nicht ständig ins Rampenlicht.

    Ich kenne ein gutes Dutzend Vietnamesen, einige Polen, Israelis, Russen, Spanier, Iraner und (immerhin!) eine Dänin. Ich habe von denen noch nie Gejammer über eine fehlende Willkommenskultur gehört. Noch nie auch nur ein Wort darüber. Kein einziges.

    Kenne ich jetzt die falschen Menschen (nicht die falschen Einwanderer, sondern die falschen Menschen) oder woran liegt es, dass die o.G. hier leben, arbeiten, die Gesetze (so gut es eben geht) einhalten und nicht für jede kleine Missliebigkeit die Gesellschaft als Ganzes oder mich als Deutschen schuldig sprechen?

    Kann mir das mal einer erklären, bitte?

  3. “der sonst-ischen” = “oder sonst-ischen”

  4. Die Einwanderung geht nicht ja nur in die Sozialsysteme, sondern über den “Familiennachzug” (so hübsches Wort, nicht?) direkt in die …

    “Verwandtenheirat

    In islamischen Kulturkreisen ist eine Ehe zwischen entfernteren Blutsverwandten, also beispielsweise zwischen Cousin und Cousine, stark verbreitet. Diese Sitte wurde vielfach von den muslimischen Migranten beibehalten bzw. kommt in Deutschland durch die begrenzte Auswahl heiratsfähiger Muslime gleicher ethnischer Herkunft verhältnismäßig häufiger vor. So ist nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) etwa jede vierte türkischstämmige Frau in Deutschland mit einem Verwandten verheiratet.[73] Ehen zwischen Verwandten sind im Koran oft beschrieben und prägen die zeitgenössischen Darstellungen Mohammeds.[74]”

    http://de.wikipedia.org/wiki/Islam_in_Deutschland#Verwandtenheirat

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>