Meinungen Münchner Freiheit Titel — 18 Dezember 2012

Münchner Freiheit: Die Sünde, die Lust am Untergang – und was beides mit der Rentenkasse und Multikulti zu tun hat

Die Vorstellung von der Sünde ist für die westliche Kultur prägend (Bild: Cornelis Cornelisz. van Haarlem (1562–1638); Quelle: Wikipedia; Rechte: gemeinfrei; Original: Siehe Link)

Ist es typisch deutsch, sich für schuldig zu halten? Ist tatsächlich kein anderes Volk so sehr darauf fixiert, in sich die Sünde, das Übel, den Gottseibeiuns, sprich den ewigen Hitler zu entdecken? Unsinn meint die Münchner Freiheit. Typisch deutsch ist lediglich, die Lust an dem ewigen Verdacht, das Böse in sich zu tragen.

Zunächst entsteht der Eindruck des besonderen Sünderstolzes schon deshalb, weil derjenige, der diesen gewinnt, nicht willens oder nicht fähig ist, über die Grenzen seines eigenen Landes und Sprachraumes hinaus zu sehen. Freilich nur deshalb, weil den meisten ein gewisser Adolf Hitler den Weg und die Sicht auf den Rest des Westens versperrt und der auf das Germanische fixierte in diesem die Sünde und den Anlass zu Schulddruck sieht.

Freilich wird jeder feststellen können, der über Kontakte, Informationsmöglichkeiten, Verwandte oder Freunde in anderen westlichen Ländern verfügt, dass die Probleme, die Einstellungen und die gesellschaftlichen Schlussfolgerungen die gleichen sind; dass der Sündenstolz ein gesamtwestliches Phänomen ist.

Dies einmal festgestellt, wird es schwer zu behaupten, „die Schuld der Deutschen“ würde seitens irgendwelcher dunklen Mächte, die für manche germanisch fixierten Kreise immer in den USA und in Israel zu finden sind, als ewige Waffe verwandt. Eine Waffe, die uns Deutsche so gefügig machte, dass wir tun, was andere wollten. Doch was hier lediglich als Instrument benutzt wird, ist nicht die Ursache. Diese liegt weit tiefer als das Dritte Reich.

Um den Westen zu verstehen, muss man zumindest Rudimentäres vom Christentum begriffen haben und dies unabhängig davon, ob man wie ich je nach Tagesform zwischen Agnostik und Atheismus schwankt, oder tatsächlich selbst Christ ist.

Sünde und Vergebung

Der Glaube an Jesus beinhaltet die Botschaft, dieser habe die Sünden seiner Gefolgsleute durch und mit seinem Tod auf sich genommen. Die Sünde wohnt dem Gläubigen seit Adam inne, doch durch Jesu Tod konnte sich der Sünder als Feind Gottes (Römerbrief 5:10) mit diesem aussöhnen. Aber Gleichwohl bleibt der Christ immer Sünder, wenn er auch – durch den Glauben – Gnade vor Gott findet.

Doch wie in jeder Disziplin so gibt es auch in der Religion Wettbewerb. So wurde aus Sicht so mancher der zum besseren Christ, der sich als besonders großer Sünder, als besonders bußfertig und besonders eifrig im Kasteien seiner selbst gibt. Von da ist es nur ein kleiner Schritt zum Sündenstolz.

Doch wenn nun in der weitgehend säkularisierten Gesellschaft Gott und damit Jesus, wie Friedrich Nietzsche schon feststellte, tot ist, wer übernimmt dann die Sünde? Denn dieser Tod Gottes ist einer, der den Glauben an die Übernahme der Sünde durch die Kreuzigung abschafft, da mit diesem sozialen Tod Gottes auch die Funktion als Versöhnung mit der Sünde weg fällt.

Zwar lässt die Prägung des Abendlandes Gott sterben, aber nicht den Sünder und damit auch nicht die Sünde. Sündenlust und Sündenstolz und die damit einhergehende Bigotterie führen in der säkularisierten Gesellschaft zu solchen Dingen wie dem Einkauf im Bioladen. Ein Einkauf der nicht selten mit dem Sport- oder Geländewagen mit 5-Liter-Maschine erledigt wird. Der Sündenstolz führt auch zu dem Versuch, die seit Milliarden von Jahren stattfindenden Klimawandel dem eigenen sündigen Tun zuzuschreiben. Sündenlust führt ebenfalls dazu, die Probleme und die schlechten Lebensumstände von mehreren Milliarden Menschen dadurch lösen zu wollen, diese alle nach Deutschland und in das hiesige Sozialamt holen zu wollen. Doch trotz heißen Bemühens – das im Übrigen regelmäßigen Dritten auferlegt wird: Die Sünde bleibt!

Um diese loszuwerden, muss mangels eines Gottes und damit eines Mechanismus des Vergebens nun der Sünder selbst verschwinden und damit sterben. Der Tod wird aber nicht durch das Ableben des Einzelnen erreicht. Vielmehr wird der Sünder kollektiv verstanden und in der Folge auch gleich abgeschafft. Wer tötet, was den Sünder ausmacht oder den Sünder selbst sterben lässt, überwindet die Sünde ohne eines verzeihenden Gottes zu bedürfen. Daher muss alles gekappt werden, was den Sünder prägt, was ihn definiert, was ihn von anderen unterscheidet. Denn wenn sich der Sünder aufgelöst hat, geht die Sünde mit ihm. Was daher sterben muss ist des Sünders Kultur und seine Traditionen, die durch andere zu ersetzen sind. Was überwunden werden muss, ist die Verbundenheit zu einer Wertegemeinschaft, die insgesamt im Westen liegt und kleinteiliger aber nicht minder wichtig, sondern vielmehr bedeutsamer: Die Sünde liegt in der Nation, dem Bezugsrahmen in dem die Werte geprägt wurden. In der Nation verbirgt sich das gemeinsame kulturelle Vorverständnis, sprich die kulturelle Prägung, schlicht die Staatsidee.

Keine Heimat in der Beliebigkeit

Deshalb darf es auch keine Heimat geben, die das Fundament der Nation ist. Deshalb muss auch der Begriff der Heimat entkernt, ausgehöhlt und in der Folge wertlos gemacht werden. Wie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im bayerischen Landtag, Margarete Bause, im Rahmen der Nymphenburger Gespräche es definierte, ist Heimat nach dieser Sichtweise der Ort, an dem einem nicht gleichgültig ist, was mit den Menschen ist. Das könnte auch der Urlaubsort, der Wohnort von Freunden oder – gerade im Falle eines grünen Gutmenschen – jeder beliebige Ort auf der Welt sein. Nur eines darf es nicht sein: Ein Ort, der durch seine Kultur, Sprache und tradierter Prägung einzigartig ist. Nur wenn die örtliche und kulturelle Herkunft und Prägung sich in einer Beliebigkeit auflöst, kann die dahinter stehende Gesellschaft ebenfalls aufgelöst werden.

Somit ist jede Weigerung, sich seiner eigenen Wurzeln beschneiden zu lassen, seine eigene Kultur mit Tracht, Sprache, Dialekt, Festen, Vereinen, Spielen, Büchern, Währungen, regionalen Prägungen erhalten zu wollen, weniger bußfertig. Wer zu diesen Wurzeln steht und sie als der Erhaltung oder gar der Verteidigung wert erachtet, der gilt aus dieser Sicht heraus als weniger bußfertig. Doch heißt er nicht mehr Sünder, sondern alles was mit Nation zu tun hat, wird als „rechts“ gebrandmarkt und der Träger dieses Kainsmals wird zum Ausgestoßenen, zum Unberührbaren.

In der Quasireligion der säkulären Sündenüberwindung gilt nicht die Regel, dass der den ersten Stein werfen solle, der ohne die Sünde sei. Vielmehr gilt in diesem Religionsersatz, dass der zu steinigen sei, der der kollektiven Abschaffung der Sünde durch Kultur- und Nationentod nicht als Lemming folgen möchte. Wie in einer engstirnig geprägten Dorfgemeinschaft, in der der Muff des geistigen Stillstands eingezogen ist, steht man hinter dem Vorhang und belauert diejenigen, die nicht den Kirchgang in das Gotteshaus des Supranationalen und die Abschaffung seiner selbst antreten wollen.

Mit großem Eifer wird in der vermufften, vermieften Gesellschaft der kulturellen Auflösung denunziert. Wer hingegen am schnellsten die Abschaffung der eigenen Nation, des eigenen Landes, der eigenen Kultur das Wort redet, der kann sich voller Sündenstolz darauf berufen, der größte Selbstkasteier unter all den Gottlosen zu sein, die doch tatsächlich so etwas wie das nationale Interesse im sündigen Munde führen.

Die Demographie bestimmt die Stimmung und den Zustand der Gesellschaft

Doch dieser Effekt kann nicht ohne den zweiten wichtigen Aspekt, oder noch vielmehr Voraussetzung für diesen, gedacht werden: Die Demographie!

Gunnar Heinsohn hat unter anderem in seinem dünnen und unsagbar wichtigen Buch „Söhne und Weltmacht“ die Bedeutung des Bevölkerungswachstums und des sogenannten Youthbulges für die Grundstimmung in einer Gesellschaft aufgezeigt. Es ist daher zunächst wichtig, sich kurz mit einer expansiven Stimmung und ihren Voraussetzungen zu beschäftigen, um kontrahierende Gesellschaften wie die westliche zu verstehen.

Von einem Youthbulge spricht man, wenn eine Generation von jungen Männern wie etwa die der 15- bis 30-Jährigen um 30 Prozent zahlreicher ist als die Generation der Vorgänger. Das Nachwachsen in die gesellschaftlichen Positionen, die das Erobern einer Sexualpartnerin und Ernähren einer Familie ermöglicht, ist durch die Überzahl an jungen Männern nicht möglich. Eine Integration der jungen Generation ist daher nicht möglich, so dass diese Generation und letztlich auch die gesamte Gesellschaft expansiv (Auswanderung, Kolonisierung) reagiert. So dieses nicht möglich ist, blutet die Nachwuchsblase in gesellschaftsinternen Kämpfen ab.

Allerdings gehen solche Kämpfe nicht ohne Opfer ab, so dass die jungen Männer sich mit alten Büchern und Lehren beschäftigen und dort die Legitimation für ihren Kampf, die Verdrängung der Alten, das Versklaven der Einheimischen, das Unterwerfen, Vertreiben und Töten der Ungläubigen finden. Das eigene Tun muss einen scheinlegalen Anstrich bekommen. Dieser muss die Verantwortung der Untaten von einer anderen Instanz als dem jungen, ungestümen und auf Versorgungsmöglichkeiten erpichten Jüngling übernommen werden. Auch das wird von Heinsohn gerne aufgezeigt. Er verweist darauf, dass es etwa im Koran sinngemäß heißt: Nicht du hast ihn getötet, sondern Allah tat es.

Kein Versprechen im Tod

Für die Expansion ist daher viel bedeutender einen Träger zu haben, als denn eine Ideologie. Wobei die Träger sich vor allem durch ihre Anzahl und damit durch die Größe ihrer Generation als Träger eines Totalitarismus eignen als durch irgendeine besondere Qualität. Doch ist dies kein Streit um Henne oder Ei. Vielmehr wird jeder Totalitarismus seine Machtbegierden auf die Gebärmütter richten, um eine Expansion überhaupt erst zu ermöglichen. Der Mutterorden lässt grüßen.

Anders die durch Alterung schrumpfende Gesellschaft. Diese sucht nicht die Ideologie zum Kampf, sondern wird nun ihrerseits die gesellschaftliche Grundstimmung der demographischen Wirklichkeit anpassen. Oder lässt vielmehr eine solche zu, da eine schrumpfende Gesellschaft keinen Kampf um Aufstieg, keine Expansion zur Verhinderung interner Kriege anstreben wird.

Ein friedliches Dahinscheiden ist allerdings nicht der einzige Weg oder die einzige Konsequenz. Vielmehr werden die Lücken, die durch das Schrumpfen entstehen, durch die Expansion einer anderen Gesellschaft mehr als ausgeglichen. Jedoch wird die expandierende Gesellschaft die Freiräume nicht deshalb auffüllen, um die letzten Nachkommen der sterbenden Gesellschaft zu versorgen, sondern um der eigenen Expansion willen.

Ziel von „Multikulti“

Der Glaube an die Versorgung durch den Staat, der den Rückgriff auf die unterstützende Familie überflüssig zu machen scheint, ist damit das Einfallstor zur Überwindung der Gesellschaft. Denn am Ende wird so die wichtigste Voraussetzung für die Erfüllung dieses Versprechens abgeschafft: Die Existenz der eigenen Gesellschaft und damit des Versprechenden!

Die Verheißung auf die sorgenlose Altersversorgung ist daher in doppelter Hinsicht ein zutiefst rot-grünes Kind. Angeblich um das Versprechen einhalten zu können, verlangt der sonst dem Ökonomischen so abholde Multikulturalist die Zuwanderung zur Rettung der Rentenkasse. Zugleich ist die Migration zugleich Anlass für Forderung nach Berücksichtigung fremder, ja entgegenstehender Werturteile. Kulturelle Kompetenz wird in diesem Zusammenhang von linker Seite als die Bereitschaft verstanden, andere Wertvorstellungen über die eigenen zu erheben. Die Verweigerung von derartigen Zugeständnissen wird als Fremdenangst und Ausländerhass gebrandmarkt. Dadurch wird das Klima erzeugt, das die Abschaffung der eigenen Kultur befördert. Mit dieser stirbt dann auch die Sünde – jedenfalls aus linker Sicht. Wenn man sich auch nicht vorstellen darf, dass dies bewusste und durchdachte Prozesse sind, sondern sich hier die Feindschaft gegenüber den westlichen freiheitlichen Werten vor einer christlichen Prägung  linker Kulturabschaffer abspielt.

Wer sich also wundert, warum rot-grüne Politiker voller Hingabe und Bewunderung Kulturfesten diverser Zuwanderergruppen begeistert beiwohnen, die eigene – westliche – Kultur aber der Lächerlichkeit preisgeben, als nicht existent betrachten, deutsche Traditionen als „Deutschtümelei“ denunzieren, eine Debatte um die Leitkultur wie das Weihwasser scheuen und zum kräftigen Schwung mit der Nazikeule ausholen, der hat nicht begriffen, dass linke Politik, dass Multikulturalismus nicht auf ein Nebeneinander von Kulturen abzielt. Es geht um die Abschaffung der eigenen Kultur. Das kann man geschehen lassen, oder sich dagegen wehren. Freilich muss man dazu die Angst vor der Nazikeule ablegen.

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Christian Jung

In seiner Kolumne Münchner Freiheit kommentiert Christian Jung den alltäglichen Wahnsinn in Bayern und dem Rest der Welt. Alle Artikel...

(5) Readers Comments

  1. “Doch wenn nun in der weitgehend säkularisierten Gesellschaft Gott und damit Jesus, wie Friedrich Nietzsche schon feststellte, tot ist, […]”

    Festgestellt hat er das? Behauptet allenfalls. Feststehend ist allenfalls, dass Herr Nietzsche tot ist.

    Spaß beiseite.

    Insgesamt ein (be-)merkenswerter Artikel.

    Die Abschaffung der eigenen Wurzeln bis hin zum vollständigen Verschwinden aller Kulturbeweise als Ausdruck des Erkennens, dass die Abschaffung einzelner Sünder keine Erlösung bringt. Erst dann gibt es Erlösung, wenn die Frage berechtigt ist, ob es “uns” tatsächlich jemals gab und niemand mehr die Antwort weiß.

    Interessanter Ansatz allemal. Leichte Gänsehaut inklusive.

  2. Nun, Nietzsche hat wohl damit gemeint, dass Gott als gesellschaftliche Größe tot ist und weniger in dem Sinne, dass es ein Dahinscheiden gab. Es war also kein Feststellen, in dessen Rahmen jd. mit dem Elfenbeinhämmerchen an der Stirn anklopft und nach dem Wachzustand fragt. Es war das Postulieren eines gesellschaftlichen Zustands. Das ist auch der Grund, warum ich an einer anderen Stelle vom “sozialen” Tod spreche.

    Man mag sich darüber streiten, ob man in diesem Zusammenhang davon sprechen kann, Nietzsche (den ich übrigens vor Ewigkeiten gelesen habe), habe etwas “festgestellt”. Mir ging es auf jeden Fall mehr darum, aufzuzeigen, dass die Säkularisierung der (westlichen) Gesellschaft kein vollkommen neues Phänomen ist. Das ist jedenfalls meine “Feststellung”! ;-)

  3. Schöner Artikel und prima geschrieben. In den USA gibt es ein vitales Christentum. Ist mir wieder durch diesen Vortrag bewusst geworden:

    http://www.pi-news.net/2012/12/video-referat-uber-islam-als-totalitare-ideologie/

    Diese Frau hat ein geschlossenes christliches Weltbild, so etwas gibts es hier in Europa gar nicht mehr. Das Christentum in den USA ist wohl eine “Familienreligion”, die sich in erster Linie an die Männer richtet: Kümmert euch um eure Frauen und Kinder, geht nicht fremd (und werdet nicht schwul, lol!). Da gehts um die Zivilisierung des Rabauken. Etwas vergleichbares ist mir hierzulande nie untergekommen. (Liegt vermutlich am besseren Sozialstaat, da möchte man nicht mit den Amis tauschen)

    Mein Hauptproblem mit dem Christentum ist, das dort die Trennung von Körper und Geist gelehrt wird (früher sicher viel stärker als heute), wobei der Körper prinzipiell als schmutzig gilt. Das ist für sich genommen schon schlimm genug, aber wenn Menschen diesen Dreck verinnerlicht haben, und später mal Kinder bekommen, ist die K… am dampfen. Dazu könnte man jetzt viel schreiben, ich tus nicht…
    Interessanter weise scheint das im Protestantismus stärker der Fall zu sein, als im Katholizismus (Paradebeispiel wären die Preußischen Protestanten mit ihrer Leibfeindlichkeit und Verkopftheit, brr). Die Katholiken sind sehr viel sinnenfroher, trotz Papst! (Beispiele: Die gemütlichen Bayern, die jecken Kölner..) Ich behaupte mal, daß die Menschen so ihr Bauchgefühl verlieren. Man sagt ja auch über die Deutschen, das sie nicht zwischen Freund und Feind unterscheiden können. Die Protestanten haben Hitler gewählt, die Katholiken nicht. Ob die Linken heute sich tendenziell aus dem evangelischen Umfeld rekrutieren? Diese Gnadenlosigkeit und der Dogmatismus der Ökos und Gutmenschen, diese völlige Abwesenheit von Selbstreflexion und Selbstironie, schön ist das jedenfalls nicht und es hat etwas protestantisches mMn.

    (Lässt sich das auf das Fehlen der Beichte zurückführen? Die Beichte ist an sich ein bizarrer Vorgang, der aber vielleicht auch menschlich ist. Keine Ahnung. Der Protestantismus ist vermutlich schlimmer als die Kath. weil es weder Erlösung noch Transformation gibt. Damit komplett überflüssig und im gleichen Ausmaß verheuchelt, aber ich war schon lange nicht mehr im Gottesdienst und sollte also nichts dazu schreiben)

  4. Njaa, weiß ich doch… ich schrub deswegen ja:
    “Spaß beiseite”.

  5. Internationalisierung.

    “Gott ist tot” ist bei Nietzsche die Metapher für den “kopernikanischen Skandal”, d.h. das Ende/die Zerstörung der narzisstischen, geozentrischen Weltsicht, die noch immer, 450 Jahre später, nicht verarbeitet ist. Oder erneut grausig Fuß fasst. Siehe Islamisierung.

    Der deutsche Schuldfetisch hat m.E. drei Triebfedern.
    Da ist zunächst die Schuldumkehr, die im Laufe ihrer zeitgeschichtlichen Entwicklung zu einem schlagkräftigen Instrument der sozialistischen Dialektik heranreifte. Ganz ruhig und gemütlich, bis zum Fall der Mauer und dem Ende der Ost-West Konfrontation.

    Die darauf folgende Latenzphase wurde ab ca. Mitte der 90-er Jahre abgelöst von der “neoliberalen Wende”. In diese Zeit fällt auch das “Wiedererwachen des Islam”.

    Seit Anfang der Nullerjahre mündete die flächendeckend eingepeitschte neoliberale Wende in ihr vorläufiges Ziel: Dem absoluten Markt. ‘Absolut’ bedeutet: ‘auf nichts mehr bezogen’.

    Jetzt beginnen diese drei maximal gegensätzlichen Entwicklungen
    – sozialistische Schulddialektik
    – Islamisierung
    – absoluter Markt
    die Verheerung ihrer einzigen gemeinsamen Schnittmenge zu entfalten, die da lautet: Internationalisierung.

    Die sozialistische Internationale Made in Germany, ist als DDR 2.0 mediale deutsche Wirklichkeit geworden.

    Die Islamisierung, deren Endsieg das globale Kalifat einleitet, trachtet seit je her nach der Überwindung des Nationalstaats.

    Die Globalisierung, die kein Parlament hat außer der Börse, kennt keine Politik und Menschen mehr, sondern ausschließlich Märkte und Konsumenten. Unter ihrer absoluten Herrschaft ist alles willkommen, was der Internationalisierung dient.

    ” Deshalb darf es auch keine Heimat geben, die das Fundament der Nation ist. Deshalb muss auch der Begriff der Heimat entkernt, ausgehöhlt und in der Folge wertlos gemacht werden.”

    Will heißen, alles, was unterhalb der absoluten, globalen Kapital-Herrschaftsebene geschieht, spielt solange keine Rolle, wie es dem Abverkauf von Produkten/dem Konsum nicht im Wege steht.

    Nur ein Beispiel:
    Die “One World” Anti-Rassismus Kampagne der FIFA/UEFA hat ihre Ursache ja nicht, wie sie triefend glauben machen will, im Gutmenschentum.

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