Frank-Furter Schnauze Meinungen Titel — 17 Dezember 2012

Frank-Furter Schnauze: Sozialismus hat nichts mit Sozialismus zu tun!

Hatte nichts mit Sozialismus zu tun: Die so genannte “DDR”! (Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1989-1007-402 / Franke, Klaus / CC-BY-SA)

Es hat sich zur gern gepflegten Routine in dieser Kolumne entwickelt, regelmäßig die geistigen Ergüsse des Spiegel-Kolumnisten Jakob Augstein in ihre übel stinkenden Einzelteile zu zerlegen. Nie war das einfacher als dieses Mal! Jakob Augstein meint: Sozialismus hat nichts mit Sozialismus zu tun. Chapeau!

In einem aktuellen Meinungsbeitrag auf Spiegel-Online befasst sich Verleger-Sohn Jakob Augstein mit der Krise bei der Deutschen Bank. Dass es in Deutschlands größter Bank zahlreiche Verfehlungen gab und gibt, steht gänzlich außer Frage. Jene dieser Verfehlungen, die strafrechtlich relevant sind, gehören umgehend aufgeklärt, die Täter vor Gericht gestellt. Und der Staat hat jüngst deutlich zu verstehen geben, dass er Willens ist, genau das durchzusetzen. Das ist gut so. Augstein jedoch reicht das nicht. Er fordert, die Deutsche Bank zu zerschlagen.

„Mit Sozialismus nicht viel zu tun“

Bemerkenswerter als das ist, was Augstein seine Leser quasi beiläufig wissen lässt: Dass die untergegangenen real-sozialistischen Staaten in Osteuropa „mit Sozialismus nicht viel zu tun“ gehabt hätten. Das ist so grenzenslos dämlich, dass es gar keiner weiteren Analyse mehr bedarf. Besser kann man die idoelogische Verblendung Jakob Augsteins nicht auf den Punkt bringen, als es Jakob Augstein nun höchst selbst gelungen ist. Glückwunsch dazu.

Wahrscheinlich bekommt der geneigte Leser der „im Zweifel linken“ Kolumne demnächst noch erklärt, dass „der Kapitalismus“ am Untergang des Sowjet-Imperiums schuld sei. Schließlich scheint es in Augsteins Augen ja auch das Wesen der Marktwirtschaft zu sein, Pleitebanken und Pleitestaaten mit staatlich gedrucktem Papiergeld vor der überfälligen Insolvenz zu retten. Und freilich hat für Augstein und seinesgleichen – wie man schon oft lesen durfte – auch der Nationalsozialismus „nichts mit dem Sozialismus zu tun“. So wie islamischer Terror selbstredend „nichts mit dem Islam zu tun“ hat. Offenbar gehört es heutzutage schon zum guten Ton eines so genannten Qualitätsjournalisten, die Realität möglichst drastisch in ihr genaues Gegenteil zu verkehren.

Was dann der wahre Sozialismus ist? Das müssen Sie schon Augstein selber fragen. Aus der Ferne betrachtet hat es mutmaßlich irgendetwas mit Milch und Honig in Bächen zu tun. Oder einigen wir uns doch darauf: Wenn die Welt dereinst endlich super-friedlich ist und es allen Menschen super-gut geht, dann nennen wir das Sozialismus. Ist es Ihnen so recht, Herr Augstein? Dürfen wir das so sagen?

Mehr als jede Bank der Welt…

Es hat sich zur gern gepflegten Routine in dieser Kolumne entwickelt, regelmäßig die geistigen Ergüsse des Spiegel-Kolumnisten in ihre übel stinkenden Einzelteile zu zerlegen. Nie war das einfacher als dieses Mal! Es ist der endgültige Offenbarungseid der politischen und ökonomischen Missbildung des Spiegel-Erben. Noch einmal, weil es so schön war, und einfach nicht aufhören will, lustig zu sein! Jakob Augstein meint: Der real-existierende Sozialismus hatte nichts mit dem Sozialismus zu tun. Chapeau!

Was bleibt, wenn sich das Gelächter legt? Die traurige Erkenntnis, dass man Unfug wie diesen heutzutage in Deutschlands größtem Internetportal lesen muss. Und zwar noch mit dem Anspruch, Ernst gemeint zu sein. Mehr als jede Bank der Welt gehört Augsteins Spiegel-Kolumne zerschlagen.

Share

About Author

Marco Pino

(6) Readers Comments

  1. als geschulter Marxist ist man versucht zu unterstellen, dass ‘Augstein’ sozusagen als billiger Schmierenkommödiant im Sold des kapitalistischen Klassenfeindes steht, dessen Aufgabe es ist, effektiv linkes Denken zu diskreditieren.

    So wie der Marxismus insgesamt einem realistischen Begriff von Wirtschaft und Gesellschaft im Wege steht, so, irrt er auch in diesem Fall, denn ‘Augstein’ ist nichts anderes, als ein geradezu idealtypisches Vorzeigeobjekt für die zeitgenössische sogenannte ‘Linke': eine auffallend geistige Beschränktheit, gepaart mit massivem nicht-wissen-wollen auf der Grundlage des typisch linken totalen Willens zu Macht. Allein um letzteres geht es den ‘Linken’, angefangen mit dem rassistisch-antisemitischen sogenannten französischen Sozialisten, über Engels und Marx und den Vollendern des wesenhaften Willens zur totalitären Macht gefährlicher geistiger und psychologischer Krüppel, Lenin, Mussolini, Stalin, Mao, Hitler, Pol Pot und wie sie alle genannt wurden. Der späte Michel Foucault nannte den Sozialismus einen Diskurs der Macht, nachdem er selbst an einigen dieser totalitären Diskurse teilgenommen hatte. Er wusste folglich, von was er sprach. Leider, ausgesprochen leider machte AIDS seinem ehrenwerten Anliegen, noch eine Kritik des Sozialismus zu erarbeiten, ein Ende.

    ‘Augstein’, dem man eine Nähe zur totalitären SED nachsagt, hat absolut keine blassen Schimmer vom Diskurs der Macht, den er vertritt. Während Joschka Fischer im Angesicht des Schwanengesangs des Marxismus und bevor er leider zu den Grünen wechselte, immerhin noch begriff, dass er ein Typ wie ‘Stalin’ ist, der für Millionenfachen Massenmord an Andersdenkenden verantwortlich war, besitzen die ‘Augstein’s’, der Ex(?)-Alkoholiker Martin Schulz, die Nahles, der Israelhasser Gabriel, nebst den Roth’s, Trittin’s, Ströbele’s, Gysi’s, Wagenknecht’s und ihr alter Klepper Lafontaine nicht die geringste Fähigkeit zur selbstkritischen Reflexion besitzen, von IM Erika und den restlichen Blockflöten in der sogenannten CDU gar nicht zu reden.

    Das sind die Gestalten, die über unser Schicksal entscheiden. Allesamt haben sie miteinander gemein, dass sie nicht wissen, wer sie sind, was sie wollen und welche Gefahr sie für das ehemals funktionierende pluralistische Gemeinwesen der BRD vor der deutschen Einheit darstellen.

  2. Ja, Augsteins Ergüsse sind schon bemerkenswert. Leider Gottes verfügt SPON über sehr viele Leser; jedoch die Leserantworten sind alles Andere als zustimmend. Was Augstein jun. da so die liebe lange Woche so treibt, bleibt sein Geheimnis. Als Salon Sozialist wahrscheinlich zwischen Spiegel-Headquarter und Gleichgesinnten, netten Bars (sei ihm ja gegönnt), als Welterklärer in seinem maroden Verlag und natürlich als gern gesehener “sehr kritischer” Gast und “Intellektueller” in den aktuellen Talkshows von DDR 1 und DDR 2. Da fühlt der Mann sich pudelwohl.

    Der Spiegelartikel heute war natürlich absolut Wahlkampf pro Steinbrück und Trittin. Die Ausführung zum Sozialismus (flankiert von “Analysen” eines “namhaften” Sozialwissenschaftlern ) tollkühn und jenseits von Gut und Böse, wie oben treffend und angriffslustig beschrieben. Am Besten gleich noch den kläglichen Rest an Marktwirtschaft, den wir noch haben, verstaatlichen und dann öffnen sich die Tore zum linken Paradies.

    Meiner Erfahrung nach kennen Leute, wie Augstein, den Sozialismus aus eigener Anschauung nicht mehr. Sie waren nicht zu Besuch in der alten DDR, geschweige denn an anderen Orten jenseits des Eisernen Vorhangs. Geschweige denn in der wirklich spannenden Transformationszeit nach 1990 in Osteuropa. Da waren die Herrschaften lieber woanders auf der weiten Welt. Und wenn diese Boys und Girls aus der Habermasära Erinnerungen an diese Zeit haben, dann ist sie verklärt positiv. Die haben den Mauerfall für nicht möglich gehalten und die Mehrheit der Grünen, aber auch der SPD und CDU Leute den Niedergang des Sozialismus mehr als bedauert, wenn man noch Aussagen von Gas Gerd, Hans Eichel, Geissler, Rau, Fischer und Co heute liest.

    Heute eben nicht mehr so spießig auftreten als Arbeiter und Bauer wie Erich H. (danke für da nette Foto vom berühmten 40. Jahrestag der “Deutschen Demokratischen Republik).

    Heute in feinem Zwirn oder schrill bunt in Redaktionsstuben oder dem Staatsfernsehen wie Augstein und Konsorten. Eine neuer Sozialismus muss für diese Leute her, natürlich wieder mit einem “Neuen Menschen”. Da waren und sind sie sich alle gleich, ob Lenin/Stalin, Hitler, Mao und die heutige aktuelle Variante. Nur weg bom Arbeiter rein zum Intellektueln. Auch das funktioniert in der Realität zwar nicht- bringt aber Not und Elend und viele, viele Tote und Unterdrückung.

    Soll er, es besteht ja Meinungsfreiheit (zumindest für diese Art von Denkrichtungen). Nur leider gilt das für die Gegenmeinungen kaum noch (immerhin SPON hat Fleischauer). Jedenfalls wird Augstein das Niveau von Leuten wie Enzensberger, Ederer, auch Broder oder Baader nie erreichen. Er ist eben ein Teil des “großen Spiels”, von dem wir umgeben sind.

    Ob die Bürger bis 2020 jedoch noch die Füße still halten werden…Ich habe da doch so meine Zweifel. Bei den geburtenstarken Jahrgängen gibt es genug Leute mit klarem Verstand und bei den Jungen bin ich auch nicht so hoffnungslos.

    Bis bald und best

    Peter

  3. Hallo Herr Pino,

    wäre schön, wenn Ihre Beiträge so viel Leser erreichen würde, wie die von diesem unsäglichem demagogischen und antisemitischen Herrn Augstein. Ich würde es Ihren Beiträgen sehr wünschen. Inhaltlich habe Sie wieder einmal auf einen seiner Artikel wunderbar reagiert, so kann ich nun meinen Emotionen freien Lauf lassen. Sachlich kann und möchte ich auf Herrn Augsteins Müll nicht reagieren müssen: Allein schon seine Artikelüberschriften widern und ekeln mich an. Widerwillig fang ich dann an zu lesen und muss mich regelmäßig fast übergeben. Glücklicherweise gibt es auf SPON ja noch Herrn Fleischhauers wohltuende Kolumne, die ich erfrischend lustig und pointiert finde.

    Ihnen alles Gute
    M. Stirner

  4. Sorry, ist komplett OT (man könnte zwar Verbindungen zu Neusprech und sozialistischer Volkserziehung herstellen, aber gut…):
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article112098115/Schroeder-zensiert-beim-Lesen-den-Negerkoenig.html

    Das ist einfach so klasse, dass ich es hier nicht fehlen lassen wollte… :-D

  5. So wenig ich diesen Kerl ausstehen kann, muss ich ihm als überzeugter Kapitalist doch in dieser einen Forderung Recht geben: Die Deutsche Bank gehört, wie ALLE systemrelevanten Unternehmen zerschlagen. Erst dann nämlich, wenn kein Unternehmen mehr seine Verluste sozialisieren kann, weil man es, ohne große Verwerfungen befürchten zu müssen, pleite gehen lassen kann, haben wir wirklich funktionierende Märkte. Zwar sitzen dann auch die Kredite bei den Banken nicht mehr so locker, dafür gibt es aber auch weniger Blasen und eine natürliche Schuldenbremse für alle Marktteilnehmer, inklusive Staaten.

    http://www.facebook.com/GrossbankenZerschlagen

  6. Zur Person Augsteins sei folgende Polemik von taz.de zu empfehlen: Haben Sie vom Nahostkonflikt keine Ahnung, aber eine Meinung zu bieten? Wollten Sie schon immer mal für mutig gehalten werden, weil Sie etwas aussprechen, was sowieso alle denken? Dann schreiben Sie doch einfach einen israelkritischen Text! Im Folgenden präsentiert Ihnen die Wahrheit eine kleine Handreichung, wie solch ein Text aussehen könnte, sowie ein paar – nennen wir sie: Stolpersteine, die Sie unbedingt beachten sollten, damit Ihre Publikation auch tatsächlich als israelkritisch wahrgenommen wird und nicht etwa als … na, Sie wissen schon.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>