Allgemein Gesellschaft News — 23 November 2012

Re-Start des „Arabischen Frühlings“ durch eine Facebook – Kampagne?

Facebook Aktion “Aufstand der Frauen in der arabischen Welt” (Bild: Facebook; Original: Siehe Link)

Auch wenn sich der eine oder andere Kulturrelativist wehrhaft sträubt, den Tatsachen Tribut zu zollen: Der „Arabische Frühling“ ist längst zum eisigen islamischen Winter erstarrt. Seit eineinhalb Jahren verschiebt sich das Machtgefüge immer weiter in Richtung islamistischer Herrschaftsansprüche. Das Jubelgeschrei des Westens, dass nach den arabischen Despoten nun Demokratie, Menschenrechte und Meinungsfreiheit einziehen, ist längst verstummt. Der „Arabische Frühling“ hat sich als großangelegter Irrtum erwiesen.

Zu dieser tragischen Erkenntnis sind auch die Frauen der Aktion „Aufstand der Frauen in der arabischen Welt“ gelangt. Bereits seit einem Jahr machen sich Frauen stark für ihr Recht in islamischen Gesellschaften. So richtig Fahrt nimmt diese Aktion aber erst seit Anfang Oktober auf, als fünf mutige arabische Frauen ihre „Cyperrevolution“ auf Facebook und Twitter starteten.

Frauen sind gut für Revolutionen, aber Revolutionen sind nicht gut für Frauen

Soha aus dem Jemen: “Ich bin für den Aufstand der Frauen in der arabischen Welt”, weil ich nicht das Feld für die Launenhaftigkeit eines Mannes bin, der all seine Probleme im Namen der Religion und Gesellschaft an mir auslässt,”

Immer mehr Frauen in der arabischen Welt wurde und wird bewusst, dass zwar die bisherigen autokratischen Herrscher vertrieben wurden, aber stehenden Fußes neue, islamische Führer Einzug erhalten haben, oder, wie durch das Emirat Katar, installiert wurden. Frauen verloren in so gut wie allen betroffenen Ländern, über die der„Arabischen Frühling“ hinwegzog, deutlich an Freiheit, Gerechtigkeit und Würde, insofern sie dies vorher überhaupt im Ansatz besessen hatten.

In Ägypten wurde das Heiratsalter für junge Frauen auf neun Jahre herabgesetzt, weibliche Beschneidung legalisiert. Frauen haben sich im staatlichen Fernsehen ein Kopftuch aufzusetzen oder sind ganz verschleiert. Sexuelle Übergriffe nehmen sprunghaft zu. So gipfelt in Tunesien das islamische Verständnis von Frauenrechten darin, dass die Opfer von Vergewaltigungen eine Strafe wegen Schamlosigkeit zahlen müssen. Die Scharia bestimmt immer mehr, was Frauen dürfen und was nicht.

Als große Hoffung auf ein besseres Leben gestartet, zerschlägt sich der „Arabische Frühling“ nun und ist einer großen Enttäuschung gewichen. So beschreibt Diala Haidar, eine der Mitinitiatorinnen der Aktion „Aufstand der Frauen in der arabischen Welt“, die momentane Stimmung. Wie Welt-Online berichtet , haben die Libanesin Yalda Younes, die Pakistanerin Farah Barqawi und die Ägypterin Sally Zohney den Weg über Facebook gewählt um ihre Sicht der Dinge darzulegen und für ihre Rechte zu streiten.

„I am with the uprising of women in the Arab world”

Mira aus dem Libanon: Ich bin für den”Aufstand der Frauen in der arabischen Welt”, weil er alle Menschen mit Lust und Ehrgeiz erfüllt (Bild: facebook)

Die Gründerinnen fordern auf Facebook ihre Unterstützer auf, einen einfachen Satz aufzuschreiben: „I am with the uprising of women in the Arab world“ (deutsch: ich unterstütze den Aufstand der Frauen in der Arabischen Welt), davon mit sich zusammen ein Bild zu erstellen und auf der Facebookseite zu veröffentlichen.

Der Zuspruch, geboren auch dem Leidensdruck, gerade aus der arabischen Welt, ist überwältigend. Seit dem Beginn im Oktober bekennen sich fast 70.000 „Freunde“ zu dieser Aktion. Die größte Anzahl von „Likes“ rekrutiert sich aus dem Libanon. Massenhaft Unterstützung kommt nun mittlerweile auch von arabischen Männern und von Menschen aus der westlichen Welt.

Wie entrechtet und machtlos die Frauen ihr Dasein empfinden, zeigt sich in den veröfftentlichten Erklärungen. „Mein Körper soll endlich mir gehören“, „Nein zu Kinderehen“, „Nein zur Vergewaltigung in der Ehe“ oder aber einfach die Einforderung von Menschenrechten wie die menschliche Würde und die private Freiheit.

Keineswegs geht es hier nicht nur um hehren Ziele wie der Erlangung von Gleichberechtigung. Die Facebook-Revolte wird durchaus zu antiwestlichen Statements genützt. Es erklingen keineswegs nur säkulare Töne, wenn eine Teilnehmerin vor dem „Abgleiten“ auf den westlichen Weg warnt oder die Frauen zum Kampf gegen Israel aufgerufen werden.

Facebook torpediert die Aktion

Facebook löschte das Selbstporträt einer Syrerin namens Dana Bakdounis ohne Angabe von Gründen und sperrte vorübergehend den Zugang zur Seite. Wie die BBC berichtet, ist auf dem Foto die junge Frau unverschleiert, mit kurz geschnittenen Haaren und herausforderndem Blick zu sehen.

Dana Bakdounis: “Das erste was ich fühlte, als ich meine Schleier auszog war der Wind in meinen Haaren und auf meinem Körper, den ich 20 Jahre nicht mehr gespürt habe.” (Bild: Facebook)

Sie hält dabei ihren geöffneten Pass vor sich hin. Auf dem Passbild ist sie verschleiert abgebildet. Facebook begründete das Löschen des Bildes damit, dass mit einem Status-Update gegen Regeln vorstoßen worden sei und Facebook erst prüfen musste, ob auf dem eingestellten Bild tatsächlich Dana Bakdounis gezeigt wurde. Wahrscheinlicher aber ist es, dass Facebook Anstoß am zeitgleichen Aufruf zur Unterstützung auf dem Konkurrenzmedium „Twitter“ nahm.

Tapfere Mädchen

Dana ist eine jener mutigen, jungen arabischen Frauen, die sich mit der Geschlechterrolle in ihrer islamisch geprägten Welt nicht mehr abfinden wollen. Trotz Morddrohungen und Einschüchterungsversuchen von Seiten ihrer Familie gibt sie ihre Weg nicht auf. Alles habe sich für sie verändert, seit sie ihren Schleier abgenommen hat. Seit der Veröffentlichung ihres Bildes habe sie viel Zustimmung und Unterstützung erfahren. Sogar alte Frauen haben ihr Nachrichten übersandt, ihr, dem tapferen Mädchen.

Vielleicht wird der „Aufstand der Frauen in der arabischen Welt“ eine wirkliche Revolution, eine, die diesen Namen tatsächlich verdient. Mutige, arabische Frauen werden sich dann den Orden „Arabischer Frühling“ an die stolzgeschwellte, weibliche Brust heftet. (BS)

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blu-News

(1) Reader Comment

  1. Nicht nur in der arabischen Welt, siehe http://freeminds.blogsport.eu/ aus Münster.

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