Frank-Furter Schnauze Meinungen Titel — 23 November 2012

Frank-Furter Schnauze: Erst, wenn der Westen sein schärfstes Schwert wieder schleift…

Ägypten stehen erneut unruhige Zeiten bevor (Bild: en:User:Hajor; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Die meisten deutschen Medien sangen während des Arabischen Frühlings das immerselbe Lied vom Siegeszug der Demokratie im Nahen Osten. Mittlerweile zeigt sich, dass die kritische Haltung, die auch auf blu-News vorherrschte, weitaus realistischer war. Die Aktivisten am Nil gehen wieder auf die Straße, weil sie vom Regen in die Traufe kamen. Nun geht es gegen die Islamisten. Und die Freiheitskämpfer werden wohl erneut scheitern. Erst, wenn der Westen sein schärfstes Schwert wieder schleift, haben auch die Menschen im Nahen Osten eine echte Chance auf Demokratie. Bis dahin könnte es noch häufiger heißen: Arabellion Reloaded.

Frühzeitig, noch während des arabischen Frühlings, deutete sich an, was das wahre Ergebnis der Umbrüche in Ägypten, Tunesien und andernorts sein würde: Ein Siegeszug der Islamisten. Und so kam es auch. Die meisten deutschen Medien sangen dennoch weiterhin das immerselbe Lied, das sie auch schon während der Proteste gesungen hatten: Das Lied vom Siegeszug der Demokratie im Nahen Osten. Freilich wäre das so großartig und so wünschenswert gewesen. Einzig, realistisch war es nicht. Es war Wunschdenken, gewachsen auf dem weltbildlichen Misthaufen der politischen Korrektheit.

„Pharao vom Nil“

Längst zeigt sich, dass die kritische Haltung, die auch auf blu-News vorherrschte, weitaus realistischer war. Jetzt gehen die Aktivisten am Nil wieder auf die Straße, weil sie vom Regen in die Traufe kamen. Nun geht es gegen die Islamisten. Ein Konflikt, der sich abgezeichnet hat. Jüngst gab Ägyptens Präsident Mohammed Mursi noch den Vermittler zwischen Hamas und Israel. Kurz darauf erklärte er, mutmaßlich noch freudentrunken ob seiner Intervention im Gazastreifen und des Zuspruchs aus aller Welt, dass er sich bei der Entwicklung einer neuen ägyptischen Verfassung über alle Instanzen hinwegzusetzen gedenkt. So nützlich das Demokratieprinzip auf dem Weg an die Macht gewesen ist, so störend erscheint es Mursi und den Muslimbrüdern nun offenbar beim nächsten Schritt auf dem Weg in einen islamischen Gottestaat. Als „neuen Pharao am Nil“ bezeichnete Mohammed ElBaradei, ein politischer Widersacher Mursis, den Präsidenten daraufhin höchst trefflich. Ein Titel, der als Headline um den Globus ging.

Die Muslimbruderschaft ist eine Gruppe radikaler Islamisten, deren Ziel mitnichten die Errichtung einer säkularen Demokratie, einer pluralistischen Gesellschaft ist. Man musste kein Orientexperte sein, um das vorher zu sehen. Es genügte ein Blick auf die Dinge, die sich in Ägypten ereigneten (ein Blick, den führende Medien in Deutschland nur all zu oft gescheut haben). Die Aussagen Mursis im Wahlkampf, die Stellungnahmen anderer Islamisten-Führer in den Ländern des „arabischen Frühlings“, die Unterstützung durch fundamental-religiöse Kräfte aus Saudi-Arabien, der Rückhalt durch Al Jazeera, das arabischsprachige Fernsehimperium des wahhabitischen Scheichs von Katar.

Parallelen zu der Entwicklung hierzulande

Das Gebaren der Islamisten, insbesondere der Wahhabiten, ist so durchschaubar, wie das ihrer Vasallen hierzulande. Funktionäre wie Aiman Mazyek zum Beispiel, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, in dem auch der deutsche Arm der Muslimbruderschaft, die verfassungsfeindliche Islamische Gemeinschaft Deutschlands, vertreten ist. Oder Imam Bajrambejamin Idriz aus Penzberg, der wie so viele Imame am Geldhahn saudi-arabischer Scheichs hängt, zu dessen zweifelhaften Bildungsweg ein Fernstudium an einer Islamisten-Uni zählt und der in München nicht weniger als ein ganzes Zentrum für den Islam in Europa plant.

Die Deutschen täten gut daran, aus den Folgen der Arabellion ihre Schlüsse zu ziehen. Denn tatsächlich gibt es Parallelen zu der Entwicklung hierzulande: So wie in Ägypten die Islamisten die Demokratie als willkommene Gelegenheit sahen, nach der Macht zu greifen, um mittelfristig ihren innigsten Wunsch nach einem theokratischen Staatssystem zu erfüllen, so schmücken sich auch hiesige islamistische Kräfte mit holen Phrasen von Freiheit und Gerechtigkeit, geben sich nach außen moderat und weltoffen, arbeiten aber in Wahrheit wohl für ganz andere Ziele. Und werden fürchterlich wütend, schmeißen mit schlimmsten Vorwürfen um sich, wenn jemand ihr trügerisches Spiel entlarvt.

Arabellion Reloaded

Die Arabellion hat gezeigt, was freilich keine neue Erkenntnisse war: Dass es durchaus relativ viele Menschen in der islamischen Welt gibt, freilich auch Muslime, die sich wirklich eine freiheitlich-demokratische Gesellschaftsordnung wünschen. Die Islamisten aber stehen dem entgegen und sind weit mächtiger in der islamischen Welt. Der Verdacht liegt nahe, dass die Kräfteverhältnisse unter hier lebenden Muslimen ähnlich sind. Zumindest scheint der Drang, politisch Einfluss zu nehmen, unter Fundamentalisten ungleich stärker ausgeprägt zu sein.

Derweil heißt es in Nordafrika möglicherweise schon bald: Arabellion Reloaded. Und das könnte es sogar noch häufiger heißen. Denn es zeichnet sich auch dieser Tage ab, dass die Freiheitskämpfer am Nil und andernorts erneut scheitern werden. Zu stark, zu mächtig und zu zahlreich sind die Islamisten. Demokratie setzt Aufklärung voraus. Der Islam steht diesem notwendigen Schritt zur Modernisierung eines ganzen Kulturkreises nach wie vor flächendeckend im Wege. Gesellschaftlich, politisch, kulturell. Und das nicht zufällig, sondern folgerichtig. Denn mit jedem Quäntchen Aufklärung schwindet die Macht derer, die im Islam ihre poltische Daseinsberechtigung sehen, denen er die unangefochtene Herrschaft über die Massen verspricht.

Das schärfste aller Schwerter des Westens

So zeigt sich letztlich, und auch das ist keine neue Erkenntnis, sondern nur die Bestätigung für längst Gesagtes, dass die Werte für Freiheit und Demokratie in der Welt nur erfolgreich sein können, wenn sich ihre westlichen Schöpfer endlich wieder zu ihnen bekennen, offensiv für sie werben und kompromisslos zu verstehen geben, dass weltbildliche Aufklärung die notwendige Voraussetzung für politischen Fortschritt und gesellschaftliche Modernisierung ist.

Die Aufklärung, dieses schärfste aller Schwerter des Westens, gilt es, endlich wieder zu schleifen, und gegen die Feinde der Aufklärung einzusetzen. Freilich zu aller erst hierzulande, denn nur dann kann dieses scharfe Schwert auch den Menschen im Nahen Osten die Freiheit bringen. Damit sie dort irgendwann wirklich sagen können, im Sinne von Martin Luther King: We are free. Free at last. (Wir sind frei, endlich frei.)

Mehr zum Thema auf blu-News:

Share

About Author

Marco Pino

(0) Readers Comments

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>