Francesco Güssow: Der Rote Terror Teil II – Das Morden geht weiter

Das Ergebnis linken Denkens: Der reine Terror (Bild: RAF-Logo und Terrace Club, Frankfurt 1972; Quelle: Wikipedia; Rechte: Beide Bilder gemeinfrei: Siehe Link)

Vor einigen Wochen erschien hier auf blu-News der erste Teil einer insgesamt vierteiligen Dokumentation über den Terror der linksradikalen Terrorgruppe „Rote Armee Fraktion“. Es wurde gezeigt, wie sich die Studenten in Folge der 68er Bewegung  immer weiter radikalisierten und wie ein kleiner aber besonders radikaler Haufen zum offenen Terror überging, wie er in den Untergrund ging und das Land von da an in Angst und Schrecken hielt. Als Auslöser der Gewalt gilt gemeinhin die Erschießung von Benno Ohnesorg durch den Polizisten Karl-Heinz Kurras. Von Letzterem ist mittlerweile bekannt, dass er als informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit der so genannten „DDR“ fungierte. Aber auch das vermeintliche Opfer war nicht so unschuldig wie es heute gemeinhin dargestellt wird. Es handelte sich eben mitnichten um einen harmlosen (vor allem unpolitischen) Studenten, sondern um einen linken Sektierer, welcher im Vorfeld seiner Erschießung oft in der „DDR“ an Treffen der FDJ und ähnlichem teilnahm.

Bahman Nirumand schreibt für die Heinrich-Böll-Stiftung und ist Vater der Journalistin Mariam Lau (Bild: Hans Weingartz; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz; Original: Siehe Link)

Auch die Anti-Schah Proteste, welche zur Radikalisierung der Studenten beitrugen, waren kein Ergebnis von Zufall, sondern wurden bewusst gestreut. Der Hauptkronzeuge wider den Schah der westdeutschen Studenten war Bahman Nirumand, ein persischer Student des linken Lagers, welcher in Deutschland studiert hatte und mit seiner kommunistischen Hetze den Studenten alles sagte, was sie über das westlich geprägte Schah Regime in Teheran wissen wollten. Er gründete die Conföderation iranischer Studenten – National Union (CISNU), welche wiederum der kommunistischen Tudeh Partei in Teheran nahe stand. Nirumand prägte das Iranbild der westlichen Studenten durch eine Ansammlung von Lügen, Verzerrungen und Falschdarstellungen. So behauptete er wider besseren Wissens, dass im Iran 80 Prozent der Bevölkerung hungern würden, dass der Schah sein Geld maßgeblich mit dem Handel von Opium verdiene, dass Gefängnisinsassen mit in Säure getränkten Knüppeln gefoltert würden und manches mehr. Man könnte dieses Thema noch weiter auffächern, aber entscheidend bleibt festzuhalten, dass der Protest und die entstehende RAF von der kommunistischen Internationalen auf verschiedenstem Wege unterstützt wurde. Der Ostblock und namentlich die Sowjetunion hatte natürlich ein maßgebliches Interesse daran, dass ein westlich geprägter, mit den USA eng verbündeter Staat wie damals der Iran massiv diskreditiert wurde.

Wie die zweite Generation der RAF entstand

Das Bild der ersten Generation der RAF wurde maßgeblich von Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof geprägt. Diese drei und weitere Mitglieder wurden bis 1972 nach und nach alle verhaftet. Dies führte schon bei dem ein oder anderen Repräsentanten der Bonner Republik zu der fahrlässigen Einschätzung, der Terror sei nun vorbei. Doch dem war mitnichten so. Ständige Propaganda aus dem Gefängnis heraus von den Gefangenen selbst und Propaganda der ausnahmlos gleichgesinnten Anwälte (insbesondere Siegfried Haag und Klaus Croissant, die später selber in den Terror gingen spielten hier eine herausragende Rolle) und wohlwollende bis unterstützende Berichterstattung nicht unerheblicher Teile der westdeutschen Publizistik führten zu stetigem Zuwachs an neuen Terroristen.

Insbesondere der Spiegel, aber auch der Stern, die Zeit, die Süddeutsche taten sich hier wenig ruhmreich hervor. Es gehörte zur guten Tradition der Hamburger Linkspresse, die Taten und Handlungen führender Mitglieder als verzweifelten Akt Unterdrückter darzustellen. Für den Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein beispielsweise waren die Terroristen „keine gemeinen Verbrecher. Hier handelt es sich um Leute, die sich einer großen gemeinsamen Menschheitssache verpflichtet fühlen, der Menschheitsgeschichte schlechthin. Darum fehlt es diesen Revolutionären nicht an Gewissen, sie selbst sind das Gewissen“.  Soweit Augstein im Spiegel.

Als weiteres, sehr erfolgreiches Instrumentarium zur Neugewinnung linker Terroristen diente die Inszenierung von Hungerstreiks der Inhaftierten und die Darstellung angeblich unmenschlicher Haftbedingungen. Nun, die Haftbedingungen waren vermutlich so unmenschlich, dass es zu der grotesken Situation kam, dass in den 70er Jahren mehrere Anwälte von „normalen“ Häftlingen Klage einreichten, um für ihre Mandaten dieselben Haftbedigungen zu erreichen. Die einsitzenden RAF Häftlinge hatten nämlich:
-    Ständig Zugang zu unbehinderten Telefongesprächen
-    Farbfernseher
-    Plattenspieler
-    Radios
-    Bibiliotheken
-    Ein Dutzend Zeitungen und Zeitschriften
-    Konnten ihre Anwälte und Angehörigen fast pausenlos empfangen und sprechen
-    Und oft tausende Briefe im Jahr empfangen und schreiben
-    Hatten einen eigenen Fitnessraum
-    Eigene Kochnischen und Kühlschränke und bekamen auch Taschengeld
-    Jeder von ihnen hatte eine 14 Quadratmeter große Doppelzelle
Normale Häftlinge hingegen hatten nur Anspruch auf eine sieben Quadratmeter Zelle, von dem anderen genannten Luxus ganz zu schweigen. Soviel zu den „grausamen“ Haftbedingungen der RAF.

Terrorrekrutierung im Kinderheim

Eine weitere Rekrutierungsmasche waren die so genannten Heimzöglinge. Hierzu sei erwähnt, dass Andreas Baader und Gurdrun Ensslin in der Zeit nach ihrer ersten Haft als Teil der Haftauflagen angewiesen wurden, sich „im Sozialen“ zu engagieren, was die Terroristen als Freibrief nahmen, sich um „Jugenliche in Heimen“ zu kümmern, also auf gut Deutsch sie für den bewaffneten Kampf aufzustacheln. Einer der Zöglinge war der spätere führende RAF-Kopf und Schleyer Entführer Peter Jürgen Boock.

Wie dem auch sei, jedenfalls war die Praopagandamaschine sehr erfolgreich und es gelang innerhalb kürzester Zeit neue Gruppen aufzubauen und dafür zu sorgen, dass der Terror der RAF nicht aufhörte, sondern sogar in seiner Brutalität noch gesteigert wurde.

Im Frühjahr 1975, wenige Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl, wurde der Spitzenkandidat der CDU, Peter Lorentz, von Mitgliedern der linken Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ entführt.  Ziel war es, inhaftierte Terroristen freizupressen. Und tatsächlich: Die Politik gab nach und ließ einen Teil der geforderten Personen auf freien Fuß, was die RAF Mitglieder im Untergrund dazu veranlasste, ihre Politik auch in die Richtung zu verändern, dass das Hauptziel die Freilassung der inhaftierten ersten Generation sein sollte.

Am 24.04.1975 kam es in diesem Zusammenhang zu der Botschaftsbesetzung in Stockholm, bei der zwei Botschaftsangehörige erschossen wurden, beide hinterließen Frau und Kinder.

Es war die Zeit, in der Brigitte Mohnhaupt die Führung der RAF übernahm, eine besonders fanatische Kommunistin, welche sich für eine besonders harte Vorgehensweise gegen den „faschistischen Bullenstaat“ aussprach. Sie war kurz zuvor erst aus der Haft entlassen worden.

Das Jahr 1976 war geprägt durch den Selbstmord von Ulrike Meinhof. Dieser Selbstmord wurde von der linken Presse und den anderen inhaftierten RAF Mitgliedern dahingehend vermarktet, dass die Justizangestellten Ulrike Meinhof umgebracht hätten. In Wahrheit war es Selbstmord. Meinhof wurde von ihren Mitgefangenen durch ständige Schikanen in selbigen getrieben. Insbesondere Gudrun Ensslin tat sich hierbei hervor. Nichtsdestotrotz, von der linken Presse wurde es als Mord verkauft, was die Unterstützerzahlen für die RAF in die Höhe schnellen ließ. Ebenso wie der geplante Selbstmord durch Hungerstreik von Holger Meins 1974.

Der Terror auf dem Höhepunkt – Das Jahr 1977

1977 dann war das Schlüsseljahr der RAF. Angefangen mit der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seiner zwei Begleiter am 07.04.1977 in Karlsruhe. Besonders perfide war der Mordanschlag auf Jürgen Ponto am 30. Juli 1977 in Oberursel bei Frankfurt. Die RAF erschlich sich das Vertrauen Pontos durch Susanne Albrecht, welche mit dem Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank befreundet war. Er hatte eine Tochter in ihrem Alter. An dieser Verbindung lässt sich nebenbei bemerkt auch schön illustrieren, dass die RAF eben nicht aus der Arbeiterklasse kam, sondern aus besten Kreisen und demnach auch alle Möglichkeiten in einem freiheitlich-demokratischen Sinne gehabt hätte.

Von den Linken gehasst und ermordet: Hanns-Martin Schleyer (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F041440-0014 / Reineke, Engelbert / CC-BY-SA; Original: Siehe Link)

Unter einem Vorwand besuchte Albrecht ihren „Onkel Jürgen“ mit zwei Komplizen. Bei diesen Besuch wurde dieser hinterrücks vor den Augen der geschockten Ehefrau erschossen.

Kurz danach erhöhten die inhaftierten Insassen der ersten RAF-Generation den Druck auf ihre Komplizen in Freiheit gemäß dem Motto:  „Wenn ihr nicht endlich etwas Wirksames tut um uns freizupressen, werden wir unser Schicksal selbst in die Hand nehmen, dass heißt uns umbringen.“ Diese Botschaften waren derart eindeutig, dass die Genossen in Freiheit sich zu ihrem bis dato größten „Coup“ entschieden, nämlich den aus Funk und Fernsehen der breiten Öffentlichkeit bekannten Arbeitergeberfunktionär Hanns-Martin Schleyer zu entführen. Da dieser aufgrund diverser Drohungen als besonders geschützt galt, entschied man sich dazu, ihn zu entführen, aber die vier Begleiter (einen Fahrer und drei Polizisten) zu erschießen (der jüngste, der Polizist Roland Pieler war gerade Anfang 20).

Ziel war es nun ultimativ die Gefangenen freizupressen. Parallel wurde kurze Zeit später eine vollbesetzte Passagiermaschine der Lufthansa, die „Landshut“, von palästinensischen Terroristen entführt. Doch die westdeutsche Regierung ließ sich weder von dem einen, noch von dem anderen Verbrechen beeindrucken. Sie gab den Erpressungen nicht nach und am 18. 10.1977 wurde die Lufthansamaschine gewaltsam von GSG 9 Beamten gestürmt. Es gab keine Verletzten auf Seiten der Passagiere, einige Terroristen hingegen wurden erschossen. Diese wiederum hatten bereits im Vorfeld den Piloten Jürgen Schumann hingerichtet.

Als die RAF-Gefangenen in Stuttgart Stammheim hiervon erfuhren begingen sie kollektiven Selbstmord. Jan Carl Raspe und Andreas Baader erschossen sich, Gudrun Ensslin erhängte sich. Dies war das endgültige Todesurteil für den Arbeitgeberpräsidenten. Am 19.10.1977 wurde er in einem Waldstück in Mühlhausen im Elsass erschossen.

Lesen Sie in Kürze im dritten Teil über die dritte Generation der RAF und wie das Morden weiterging. Im abschließenden vierten Teil ein Spezial über die Opfer der RAF und deren Geschichte.

Lesen Sie auch:

Quellen:

Das Standardwerk zur RAF ohne linke Beschönigungsversuche stammt vom Journalisten Butz Peters:
Tödlicher Irrtum – Die Geschichte der RAF, Butz Peters 4. Auflage von 2008, Fischer Taschenbuch Verlag

Über die Verstrickung der östlichen Geheimdienste in die 68er Bewegung:
Die inszenierte Revolte: Hinter den Kulissen von 68, Peter Horvath , 2010 , Herbig Verlag

Eine sehr lesenswerte Aufsatzsammlung des langjährigen Präsidenten der konservativen Deutschland-Stiftung:
Wider den Zeitgeist. Die Demokratie auf dem Prüfstand – von Kurt Ziesel, 1992, Busse Seewald Verlag

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Francesco Güssow

Seit Mitte Juni 2013 ist Francesco Güssow aus dem blu-Autorenteam ausgeschieden.

(2) Readers Comments

  1. Eigentlich ein sehr verdienstvoller Beitrag, Nur eine kleine, aber wichtige Anmerkung zum Thema Stasi-IM. “IM” heißt nicht – wie so oft falsch dargestellt – “informeller Mitarbeiter” (also “spitzelnder” Mitarbeiter”), sondern “inoffizieller Mitarbeiter.” Vor allem im “Operationsgebiet” des MfS, also der Bundesrepublik, sollten die “IM” eben nicht nur Informationen erspitzeln, sondern im Auftrag des “Organs” vor allem im Bereich der Poiltik und der Medien, aber auch in der Verwaltung (Polizei) faktisch als Einflussagenten zersetzend (schießend?) aktiv zu werden. Das “MfS” war eben kein Geheimdienst wie etwa der Verfassungsschutz, der nur Informationen zu beschaffen hatte, sondern im Auftrag eines Mischa Wolf gesellschaftlich oder poltisch “wirksam” zu werden. Auch nach über zwei Jahrzehnten Gauck-Behörde ist dieser zeitgeschichtliche Aspekt dieser hoch effizienten DDR-Gestapo im Westen nur in Ansätzen aufgearbeitet worden. Die Verantwortung dafür trägt vor allem ein begandeter Schwätzer, der heute Bundespräsident ist.
    Es gitbt ehemalige Mitarbeiter/Forscher Gaucks – denen Maulkörbe verpasst wurden – die nicht nur hinter vorgehaltener Hand behaupten, wenn alle Erfolge eines Mischa Wolf umfassend aufgedeckt worden wären, müsste fast die ganze Geschichte der BRD-Nachkriegszeit umgeschrieben werden. Offenkundig bewußt nicht ausgeforscht ist bis heute die “intensive Aktionseinheit” zwischen MfS und “linken Kreisen in der SPD”, die schon Mitte der Sechziger Jahre begründet worden war. Beispiel: das von Mischa Wolf nicht nur erkaufte Scheitern des Mißtrauensvotum Barzel gegen Willy Brandt. Da war in der HV A-Chefetage des Mischa Wolf der Krimsekt in Strömen geflossen. Und es gab SPD-Parteitage bei denen mehr als die Hälfte der Anträge von der HV A getextet worden waren, wie mir ein hoher Mischa-Wolf-Offizier nach der Wende noch immer ganz stolz berichtet hatte..

    Ohne den Todesschuß des Ohnesorg-Mörders und “Inoffiziellen” Stasi-Mitarbeiters” Kurras wäre die ganze 68er Generation nicht derart radikalisiert worden, dass eine RAF entstehen konnte und ein Taxi-Fahrer und ftraßenschläger namens Joschka Fischer stellvertretender Bundeskanzler werden konnte. Joschka selbst hatte später bekannt, es sei der Pistole von Kurras zu verdanken, dass er radikalisiert worden sei. Allerdings war da noch nicht bekannt geworden, dass Kurras mit hoher Wahrscheinlichkeit im Auftrag der Stasi gefeutert hatte. Die Folgen dieses Schusses sind noch heute in der Politik virulent.

  2. selbst linke Autoren, die ursprünglich von einer westlichen “Strategie der Spannung” ausgegangen waren, kommen sobald sie ernsthaft zum Recherchieren beginnen darauf, dass jene Strategie in der Realität vornehmlich von östlichen Gehmdiensten betrieben worden war:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/08/07/terrorismus-lugen/

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