Außenpolitik News — 15 August 2012

Analverkehr ist im Libanon eine Straftat. Nun kam es zu ersten Protesten gegen entsprechende Kontrolluntersuchungen.

Libanesiches Parlament blu-News

Hier werden Gesetze zur Bestrafung von ungewünschten Sexualpraktiken verabschiedet: Das Libanesische Parlament (Bild: Heretiq; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Laut einem Bericht des libanesischen Daily Star hat sich eine kleine Gruppe von Demonstranten gegen Untersuchungen des Anus von „Verdächtigen” ausgesprochen. Da Sexualpraktiken, die „gegen das Gesetz der Natur“ verstoßen, gemäß Artikel 534 des Strafgesetzbuches unter Strafe stehen, ordnet die Polizei Untersuchungen des Afters an.

Männer, die in den Verdacht geraten, homosexuell zu sein, werden einer solchen Prozedur unterzogen, um sie auf diese Weise des verbotenen Sexualverkehrs zu überführen. Dabei lassen sich die Ordnungshüter auch nicht von Aussagen von Ärzten abhalten, die wegen der wissenschaftlich nicht zuverlässigen Untersuchungen auf die Untauglichkeit zum Nachweis von Analverkehr verweisen.

Untersuchungsgebühr zahlt der „Verdächtige“

Die Organisation HELEM, die sich im Libanon für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transsexuellen einsetzt, hat daher zu einer Demonstration gegen diese Polizeipraxis aufgerufen. HELEM nahm dabei eine Polizei-Razzia Ende Juli zum Anlass, bei der 36 Männer verhaftet und zu einer Untersuchung ihres Anus gezwungen wurden, um ihre sexuelle Präferenzen herauszufinden.

In dem Land, das laut dem „World Justice Project“ in der Region in Bezug auf Bürgerrechte auf dem ersten Platz rangiert, haben die Verdächtigen die Kosten der Untersuchung in Höhe von 125.000 libanesische Pfund (etwa 68 €) selbst zu tragen. Inwieweit das „World Justice Project“ wiederum glaubwürdig ist, darf man insgesamt sicherlich auch infrage stellen, wenn nach dessen Ranking die USA sechs Plätze hinter den den Vereinten Arabischen Emiraten landen und wenn man zudem noch die Zusammensetzung des Vorstandes studiert. Die Ranfolge innerhalb der arabischen Welt wirkt allerdings nicht vollkommen willkürlich.

Solidarität mit untersuchten Frauen

Dass die Demonstration mit einigen Dutzend Teilnehmern eher übersichtlich war, dürfte auch mit dem gesellschaftlichen Tabu zu tun haben, die Protestbewegungen üblicherweise klein halten. Dabei hatte HELEM unter dem Motto „Wehrt Euch gegen die Tests der Scham – ob anal oder vaginal“ zur Demonstration aufgerufen. Damit wollte die Organisation auch gegen die Jungfräulichkeitstests opponieren und sich mit den Frauen solidarisch erklären, die einer solchen von der Obrigkeit angeordneten Untersuchung unterzogen werden.

„Wir sind hier, um dem Justizminister Shakib Qortabawi klar zu machen, dass solch ein derartiger Test nicht nur komplett abgeschafft, sondern dessen Durchführung unter Strafe gestellt werden sollte”, meinte der Demonstrationsteilnehmer George Azzi. Shakabi ist ein muslimischer Name, dessen ursprüngliche Bedeutung „Geduld“ ist. Doch wird es angesichts solcher Forderungen und der Entwicklung in der arabischen Welt wohl eher an George Azzi und seinen Mitstreitern sein, Geduld zu zeigen. (CJ)

Artikelbild: Hier werden Gesetze zur Bestrafung von ungewünschten Sexualpraktiken verabschiedet: Das Libanesische Parlament (Bild: Heretiq; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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