Titel — 07 August 2012

Francesco Güssow: Über das permanente wiederholen dummer Parolen…

Wurde auch als “Rechter” bezeichnet: Friedrich August von Hayek (Bild: LSE Library; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Gerade in unseren freiheitlichen Kreisen wird immer wieder über die völlige Begriffsvertauschung- und verfälschung durch linke Kreise seit 1968 lamentiert. Und in der Tat: Bei kaum einem anderen Begriff ist ihr das so gut gelungen wie bei der politischen Begriffsverortung „rechts“. Im Grunde war das aber auch damals schon nichts neues, denn es war schon Stalin, der an seine Propagandaabteilung die Losung ausgab, im Zusammenhang von Deutschland immer nur von Faschismus zu sprechen und unter keinen Umständen von NationalSOZIALISMUS um eben die Ähnlichkeit der beiden Terrorideologien zu verschleiern. Fakt war und ist, dass sich das System des nationalen Sozialismus und des internationalen Sozialismus zum Verwechseln ähnlich sind. Sehr anschaulich dargestellt wird dies in der Dokumentation „Sowjet Story“.

Die Übereinstimmungen reichten hin bis zu zum Verwechseln ähnlichen Wahlplakaten. Für unser Thema hier bleibt aber vor allem festzuhalten: Der nationale Sozialismus hat nicht das geringste mit „rechts“ zu tun. Im Gegenteil! Hitler selbst war es, der in einer Rede vor nationalsozialistischen Führern immer wieder darauf hinwies, sein größter Fehler sei es gewesen, den entscheidenden Schlag gegen rechts NICHT geführt zu haben. Rechts im Zusammenhang der Nazizeit kann man am ehesten noch den aristrokratischen Widerstand aus dem Offizierskorps der Wehrmacht um Graf Stauffenberg bezeichnen.

Und damit sind wir schon bei einem Grundproblem der ganzen Thematik: Die völlige Geschichtsvergessenheit der selbsternannten Nicht-Linken. Und damit meine ich gar nicht das tumbe Mitmarschieren der ehemals konservativen Volksparteien der Union gegen Rechts, Arm in Arm mit den Nachfolgern der SED und damit dem internationalen Flügel des Sozialismus.

Tatsächlich ist die Union nicht zuletzt deshalb nur noch eine Karikatur einer konservativen Partei. In ihren Grundüberzeugungen bis zur Unkenntlichkeit entstellt ist es unnötig geworden, sich mit ihr zu beschäftigen.

Nein, es geht an dieser Stelle um die moderne APO, die Kräfte also, die im vor(partei) politischen Raum oder in den Reihen der neuen selbstbezeichneten nicht- linken Parteien, wie etwa innerhalb der PdV. Man kann es auch dort sehr schön beobachten, dass man viel riskieren will, aber auf gar keinen Fall öffentlich als „rechts“ bezeichnet werden möchte. Schließlich ist nach deutscher Denke rechts = Nazi = der Teufel. Das die Linken immer bewusst mit “rechts” das gesamte nicht-linke Lager meinten, wurde erst verdrängt, später, als die Aussagen wie etwa der Autonomen diesbezüglich immer klarer wurden, achselzuckend zur Kenntnis genommen und schließlich sogar selbst übernommen. Eines der Beispiele, die deutlich machen, dass der herrscht, der Begriffe und damit die Sprache prägt.

Die klarste Definition, was rechts wirklich war und ist, stammt von dem großen Erik von Kuehnelt-Leddihn (1909 – 1999), der sich selbst als rechtsradikalen Liberalen bezeichnete. Demnach ist rechts unter anderem: die eigene Nation bejahend, eintreten für die Marktwirtschaft, tiefes Gottvertrauen, das Einstehen für die klassische Familie als Keimzelle jeder freien Gesellschaft. Oder noch einfacher gesagt: die kompromisslose und doktrinäre Ablehnung so genannter linker „Werte“ wie Multikulturalismus, Befeuerung des Neides und der Gleichschaltung, Verherrlichung des Durchschnitts und damit die Ablehnung individueller Freiheiten sowie das Voranstellen des Kollektives. Denn schließlich gilt aus linker Sicht: „Du bist nichts, Dein Volk oder wahlweise die Arbeiterklasse ist alles.”

Die doktrinäre Ablehnung der Unterdückung des freien Individuums zugunsten des Kollektivs ist in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen, denn eines der Hauptprobleme des nicht-linken Lagers ist die ständige Kompromisslerei und damit zugleich eine der Hauptursachen unseres ständiges Zurückweichens vor linken Glaubenssätzen.

Denn es ist so wie Thomas Paine geschrieben hat: „Mäßigung im Temperament ist immer eine Tugend, aber Mäßigung bei Prinzipien ist immer ein Laster.” Friedrich A. von Hayek hat in “Die Ursachen der ständigen Gefährdung der Freiheit”, den eindringliche Satz geprägt: “Die Freiheit [kann] nur erhalten werden [...], wenn sie nicht bloß aus Gründen der erkennbaren Nützlichkeit im Einzelfalle, sondern als Grundprinzip verteidigt wird, das der Erreichung bestimmter Zwecke halber nicht durchbrochen werden darf […]. Eine wirksame Verteidigung der Freiheit muss [...] notwendig unbeugsam, dogmatisch und doktrinär sein und darf keine Zugeständnisse an Zweckmäßigkeitserwägungen machen.”

Es wird deutlich, es ist unabdingbar eine Ideologie zu verfolgen, denn um mit einem Zitat eines Vordenkers des modernen Konservatismus in den USA, Irving Kristol, zu schließen: „Es ist unmöglich eine Ideologie mit Nichtideologie zu bekämpfen!“.

Quellen:

  • Totgedacht – Roland Baader, 2002, Resch Verlag, Gräfelfing
  • Konservative Weltsicht als Chance – Entlarvung von Mythen und Klischees , Erik von Kuehnelt-Leddihn (Original Titel Die recht gestellten Weichen, 1989) , MM Verlag Aachen, 2010
  • “Die Ursachen der ständigen Gefährdung der Freiheit”, Friedrich A. von Hayek Ordo, Band 12, S. 106).
  • Irving Kristol im Wall Street Journal am 17.09.1980

Artikelbild: Friedrich August von Hayek  (Bild: LSE Library; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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Francesco Güssow

Seit Mitte Juni 2013 ist Francesco Güssow aus dem blu-Autorenteam ausgeschieden.

(3) Readers Comments

  1. Gerade wenn es darum geht, den politischen Gegner mit den niederträchtigsten Mitteln fertigzumachen bzw. auszulöschen, stellen nationaler und internationaler Sozialismus unter Beweis, aus einem Holz geschnitzt zu sein:

    Gestapo / Stasi, KGB, NKWD usw.
    SA / Rotfront
    Völkischer Beobachter und Der Stürmer / Rote Fahne, Prawda usw.
    Konzentrationslager / Gulag
    Führerprinzip / “Demokratischer” Zentralismus
    “Tausendjähriges” Reich / Kommunistische “Glückseligkeit”
    “Untermensch” / “Klassenfeind”, “Volksfeind”, “Konterrevolutionär”, “Reaktionär” usw.

    Die Liste ließe sich beliebig lang fortführen.

  2. Toller Artikel!
    Die Begriffsverfälschung setzt sich aktuell fort, durch die Dreistigkeit, mit der die braun-sozialistische NPD als “rechts” deklariert wird.
    Die NPD ist antiamerikanisch, antikapitalistisch, antiisraelisch, gegen Atomkraftwerke, gegen Gentechnologie, gegen Globalisierung und für die Einführung von Mindestlöhnen.
    Tatsache ist, dass all diese Positionen auch von roten Sozialisten mehrheitlich verfochten werden.

  3. Es ist unglaublich, wie wenig man über die Verflechtungen von Hitler und Stalin informiert wird. Die Dokumentation ist schwer zu verdauen aber ebenso informativ. Danke für den tollen Artikel!

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