Münchner Freiheit: Der Begriff der Freiheit und seine Bedeutungsinhalte

blu-New Freiheit ist negativ

Sowohl Rechte, Linke als auch Libertäre nutzen den Begriff der Freiheit. Die Frage, wie die Begriffe zu unterscheiden sind, hängt von dem Vorzeichen ab. Dieses ist entweder positiv oder negativ; aber nicht im Sinne von gut oder böse. Doch meist leiden sogenannte oder vorgebliche Freiheitliche an einem unzureichend ideologischen Fundament. Der libertäre Begriff von Freiheit ist ein negativer und das ist gut so. Doch viele nichtlinke angeblichen Verfechter des freien Menschen sind tatsächlich Sozialdemokraten oder noch weiter links stehend.

Die Freiheit von, oder die Freiheit zu, das ist hier die Frage.

Ein Linker definiert als Freiheit die Befreiung von der Last derer er sich mittels des Staates und somit durch die Leistung anderer befreit wissen möchte. Die Sorge um Wohnung, Arbeit, das tägliche Brot und soziale Sicherheit sind ihm eine Last, die zu tragen ein anderer sich weit besser eignet. Wer das Päckchen zu tragen und wer die Früchte zum Genuss erhält, ist danach Sache des sozialistischen Politikers, der von den vorgeblich bösen Reichen nimmt und den Armen und gibt und ob dieser Anstrengung in den gemachten Betten der ehemals Reichen schläft. Das Kollektiv, dem man günstigerweise vorstehen sollte, entscheidet, gibt und nimmt. Er sieht die Freiheit als positvives Instrument, um etwas für sich von anderen zu verlangen. Sein Recht auf Schutz der Wohnung legt er so weit aus, dass er glaubt den Anspruch erheben zu können, andere seien verpflichtet, ihm eine solche zur Verfügung stellen.

Der Libertäre hingegen verbietet sich die Einmischung des Staates in seine und daher in so gut wie jede Angelegenheit und möchte seine Wohnung dort nehmen und von dem mieten oder kaufen wie es ihm beliebt. Er erhebt keinen Anspruch an den Staat außer den, für innere und äußere Sicherheit zu sorgen. Das Individuum ist unabhängig von äußeren Einflüssen sowie Zwang und verbietet sich schon den Versuch ihm etwas aufzuzwingen. Er weist das Kollektiv aus seinem Leben und nutzt daher die Freiheit negativ, so wie man dankend ein vergiftetes Stück Kuchen ablehnt.

Dieses sind die beiden Bäume, die ihre jeweiligen Früchte tragen. Im ersten Fall, bei dem niemand den Baum hegt, aber alle auf die Ernte warten, sind sie verdorrt. Im zweiten Fall hegen alle ihren jeweiligen Baum und tauschen ihre selbstverdienten Früchte frei und ungezwungen untereinander. Auch ideologisch ist der jeweilige Baum der, der bis in die Verästelung hinein das Denken und damit den Bedeutungsinhalt von Freiheit bestimmt.

So mancher freiheitliche Vogel aber sitzt auf einem Ast und zwitschert von dort aus frei jeder Textsicherheit das Lied der Freiheit. Zwar ist das Konzert auf die Ablehnung meist einer einzigen Form der Unterdrückung gerichtet, doch fehlt es dem Ast, auf dem der wild mit den Flügel schlagenden Vogel sein Konzert gibt, an dem gesunden Baum, der seinen Sitzplatz trägt und erst recht verfügt der Baum über keine tragfähigen, tiefen Wurzeln.

Mit so manchem, mit dem man sich in der Abwehr einer Spielart der Freiheitsberaubung einig ist, wähnt sich der Libertäre jedoch nur in Gesellschaft von frei Denkenden. Denn kaum wird das Feld des vordergründigen Kampfes für die Freiheit verlassen, zeigt der Vogel sein nicht vorhandenes Gesangsreportaire, das nur ein einzig Lied von der Freiheit kennt.

Und so findet unser vorgeblicher Freiheitsfreund, der Staat müsse sich der Familie annehmen, das Staatsfernsehen sei dank vereinzelter sehr guter Sendungen ein Segen für die Gesellschaft, oder auch das Kollektiv. “Soziale Gerechtigkeit” und Gleichheit – im Ergebnis – seien nicht das schlechteste. Dass weder Straßen oder Busse noch die Bahn sich aufgrund eines Naturgesetzes in der Hand des Kollektivs befinden müssen, übersteigt die Flughöhe des Vögleins. Die Vorstellung eines nicht staatlich kontrollierten Geldmarktes macht den Libertären in den Augen des Singvogels zum endgültig Verrückten.

Freilich, so meint der Wurzellose, dürften die Ansprüche an den Staat, die ja von irgendjemand erarbeitet werden müssen, nicht unendlich sein. Deshalb schließt er messerscharf, dürften “soziale Gerechtigkeit” nur den eigenen (Lands-) Leuten zustehen. Sozusagen ein Sozialismus auf nationaler Basis. Letztlich unterscheidet er sich nur bei der Bestimmung des Empfängerkreises von dem – internationalen – linken Vogel.

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Christian Jung

In seiner Kolumne Münchner Freiheit kommentiert Christian Jung den alltäglichen Wahnsinn in Bayern und dem Rest der Welt. Alle Artikel...

(1) Reader Comment

  1. “Das Kollektiv, dem man günstigerweise vorstehen sollte, entscheidet, gibt und nimmt.”

    Im Kontext des Artikels (m.E.) der entscheidende Satz. Auch in der UDSSR, China, DDR, Nordkorea, Kuba und jetzt auch in der EUDSSR gab es und gibt es wohlhabende Genossen. Fett schwimmt immer oben.

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