Frankfurt Regional Titel — 19 Juli 2012

Frankfurt: Unhaltbare Zustände im Occupy-Camp

blu-News

“Game Over” heißt es wohl bald für das Occupy-Camp in Frankfurt (Bild: Blogotron; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz, siehe unten)

Bereits mehrfach berichtete blu-News über die unhaltbaren Zustände im Frankfurter Occupy-Camp. Nun scheint eine erneute Eskalationsstufe erreicht. Der Protest in der Stadt nimmt zu. Nur die schwarz-grüne Römerkoalition schaut weiter weg und lässt sich von den vermeintlichen “Kapitalismus-Kritikern” an der Nase herum führen.

“Ekel-Alarm: Ratten besetzen Coccupy-Camp”, titelte Bild-Frankfurt am Dienstag dieser Woche. Hunderte Ratten sollen mittlerweile in Erdhöhlen unter den Zelten leben, angelockt vom Müll der Bewohner. “Die ganze Nacht hören wir das Schreien der Viecher, wenn sie ihre Rattenkämpfe zwischen unseren Zelten austragen”, zitierte Bild-Frankfurt Camp-Bewohner Timothy Pauli. Der Müll türmt sich am Occupy-Camp mitunter zwei Meter hoch.

Nur noch fünf Aktivisten

Und nicht nur Ratten fühlen sich von dem genauso rechtsfreien wie verwahrlosten Raum angezogen. “Aus dem Bankenkritiker-Camp ist ein Bettler-Lager geworden”, schrieb Bild-Frankfurt einen Tag später. Nur noch fünf Aktivisten würden dort mittlerweile wohnen, dazu kämen derweil 60 Rumänen, 10 Alkoholkranke, 5 Junkies und 10 geistig Verwirrte. Angesichts dessen dürfte es selbst den Frankfurter Grünen immer schwerer fallen, das absurde Treiben noch allen Ernstes als politischen Protest darzustellen.

Kein Wunder also, dass in der Stadt der Protest gegen das Camp stetig zunimmt. Besitzer angrenzender Geschäfte fürchten, dass sich die Rattenepidemie auch auf ihre Immobilien ausweiten könnte. Umsatzeinbußen sind schon jetzt die Folge. Das Camp stinkt, die Bewohner belästigen Passanten.

“Kapitalismuskritiker” überfallen Bild-Frankfurt

Als einzige Römerfraktion sprechen sich seit Monaten die Frankfurter Freien Wähler für die umgehende Schließung des Camps aus. In einer aktuellen Pressemitteilung erneuert der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Hübner seine Forderung: “Nach den jüngsten Entwicklungen, die am Donnerstag in einer Hausfriedensbruch-Aktion gegen eine Zeitung wegen deren kritischer Berichterstattung gipfelte, ist es höchste Zeit, die schon viel zu lange tolerierte Besetzung und Verwahrlosung eines öffentlichen Grüngeländes mitten in Frankfurt zu beenden.” Tatsächlich fielen “Kapitalismuskritiker” am Donnerstag in die Zentrale von Bild-Frankfurt ein, stellten dort Müllsäcke ab und hängten Transparente auf.

Die Bild-Zeitung wiederum verzichtet zwar gutmütig auf eine Anzeige, konterte den Überfall am Freitag jedoch auf ihre Weise: “Occupy ist pleite… und ihren Müll schleppen sie zu Bild“, titelt die Zeitung auf ihrer Internetseite. Und enthüllte weitere unangenehme Fakten über das Gebaren der Occupyler: “Finanzkrise bei den Bankenkritikern! Das Occupy-Camp hat 22.000 Euro Schulden. Bezahlt seit Monaten die Rechnungen für Strom, Wasser, Müll nicht mehr.”

“Wir sind am Ende!”

Alleine 10.500 Euro seien bei dem Frankfurter Abfallentsorger FES offen, weswegen das Unternehmen den Müll nicht mehr abholen würde. Auf Strom und Wasser entfielen weitere 11.000 Euro. Besonders die aufgenommenen Rumänen hätten im Winter “die Energie großzügig verheizt”. Dementsprechend verzweifelt seien die Aktivisten, von denen einer gegenüber Bild-Frankfurt zugab: “Wir sind am Ende! Wir kriegen seit Monaten kaum noch Spenden.”

Doch trotz dieser unglaublichen Zustände weigert sich Frankfurts schwarz-grüne Römerkoalition bis dato standhaft, das Occupy-Camp zu schließen. Zwar hatte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) bereits vor Monaten Warnungen ausgesprochen und Besserung angemahnt, doch zeigten sich die Besetzer davon wenig beeindruckt. Gegenüber der Bild-Zeitung sagte Frank nun:  “Vor 2 Wochen hat uns Occupy zugesagt, einen Schädlingsbekämpfer zu beauftragen. Der war wohl schon öfter im Camp. Für Sauberkeit und ordentliche Zustände muss eben der Veranstalter sorgen.” Die Beseitigung des Mülls hatte Occupy auf Mahnungen des Ordnungsamts bereits mehrfach zugesagt. Geschehen ist das Gegenteil. Ordnungsdezernent Frank dürfte mit seiner Nachgiebigkeit mittlerweile auch außerhalb des Camps erheblich an Glauwürdigkeit eingebüßt haben.

“Gesetze und Auflagen beliebig gebrochen, verhöhnt, ignoriert”

Wolfgang Hübner von den Freien Wählern stellt derweil fest: “Der in dieser Frage uneinige schwarz-grüne Magistrat und Ordnungsdezernent Frank (CDU) verschleppen die fällige Entscheidung immer weiter. Das wäre wohl kaum der Fall, wenn es sich bei dem Occupy-Camp um bürgerlichen oder gar rechtsgerichteten Protest handeln würde. Doch linke und linksextreme Kräfte genießen in Frankfurt nach wie vor Sonderstatus, das zeigen auch die teilweise grotesken Vorgänge um das seit Jahren besetzte ehemalige Universitäts-Institut in Westend.” Sowohl im Occupy-Camp, als auch im “Institut für vergleichende Irrelevanz”, einem illegal besetzten Gebäude im Westend, würden “Gesetze und Auflagen beliebig gebrochen, verhöhnt, ignoriert.” Immerhin würden diese Verhaltensweisen einen “interessanten Aufschluss” darüber geben, wie es in einer Gesellschaft zuginge, die ganz nach dem Geschmack der “Kapitalismuskritiker” gestaltet wäre: “Unorganisierte Verantwortungslosigkeit pur”, so Hübner.

Unterstützung bekommen die Freien Wähler mittlerweile immerhin von der Frankfurter FDP. Auch deren Kreisvorsitzender Christoph Schnurr forderte nun die endgültige Schließung des Camps: “Die Zustände auf der Grünfläche vor der EZB sind schon seit längerem katastrophal”, sagte er am Donnerstag gegenüber der Frankfurter Neuen Presse (FNP). “Daher ist die schnellstmögliche Räumung des Zeltlagers dringend notwendig”, so Schnurr weiter. Eine Einschätzung, zu der man auch schon eher hätte kommen können.

Von den Rumänen überstimmt

Tatsächlich scheinen auch unter den wenigen verbliebenen Camp-Aktivisten die Zweifel längst zu überwiegen. “Die echten Occupy-Aktivisten haben selbst keine Lust mehr auf Sozialcamp”, berichtete Bild-Frankfurt am vergangenen Mittwoch. Daher wollten die Aktivisten das Camp freiwillig verkleinern. Gescheitert ist das Vorhaben jedoch an den basisdemokratischen Strukturen der Occupyler. Über die Verkleinerung wurde abgestimmt. Die Aktivisten unterlagen, sie wurden – wen wunderts? – von den Rumänen überstimmt. (MP)

Kommentar zum Thema: Besetzte Besetzer

Mehr zum Thema auf blu-News:

Artikelbild: Occupy-Demo vor der Zentrale der Deutschen Bank (Bild: Blogotron; Quelle: Wikipedia; Rechte: CC-Lizenz, siehe Link)

Share

About Author

blu-News

(15) Readers Comments

  1. hahahahahaha.
    Sorry, mehr fällt mir dazu nicht mehr ein. Insbesondere, was den Schluss des Artikels angeht. Man könnte denken, das läuft unter Satire… LOL
    :D

  2. Na wenn das die BILD sagt, kommentiert von einem Stammleser, dann MUSS es ja wahr sein.
    BILDung mal anders.

    Der Frankfurter im hat auch schon besseres abgelassen….
    Anscheinend wird es dünn im Themenfeld.

    Ach ja. Wen interessiert was die Freien Wähler wollen?
    Vor allem wenn sie die BILDleser repräsentieren.

  3. Sie machen Ihrem Nicname echt alle Ehre! Dann fahren Sie doch zur EZB und machen sich selbst ein BILD! :D

  4. http://www.heise.de/tp/artikel/36/36725/1.html

    Das ist wie für Sie geschrieben.
    Dieser Beitrag oben ist ja wie eine Kirsche da drauf.

  5. Warum sollte ich da hin?
    Sie sagten doch selbst, dass das kein Occupy Camp mehr ist.

  6. Wer die Bild kritisert, sollte nicht die NeoBild der Generation Web2.0 (=heise) zitieren. Abseits dessen war und bin ich kein Konservativer. Man muss auch nicht “konservativ” sein, um das Treiben am Occupy-Camp für bescheuert zu halten, sondern einfach nur gebildet und vernünftig. Wenn das heuer schon als konservatriv gilt, dann bitte schön, bin ich eben doch konservativ.
    Andererseits, wenn man auf den Wortlaut der Studie achtet, verkehrt es sich schnell ins Gegenteil: “Flüchtiges, anstrengungsloses Denken führt zu einer politisch konservativen Einstellung”.. Chapeau! Ist Links-Sein nicht längst “konservativ” in diesem Land? Wo seit Jahren linke Medien dominieren? Trifft nicht genau das auf die politische Linke zu? Anstrengungsloses Denken! Ach, ist das einfach. Sei links dann bist Du cool. Streng doch bloß nicht beim Denken an, sei lieber schön brav politisch korrekt, und Dir stehen alle Türen offen.

    Ja, Ihr Link ist echt gut. Auch wenn es heise ist, aber…. wie bei der Bildzeitung, selbst das dümmste Medium hat recht, wenn es die Wahrheit sagt.

    ;)

  7. Hä? Was war das den für ein Textrülpser?
    Natürlich sind Sie nicht nur konservativ sondern rechtskoservativ.
    Natürlich gibt es auch Linkskonservative.
    Sie fischen in der Gosse des niveaulosesten Erzeugnisses eines rechtskonservativen Verlags in Deutschland.
    Sie können natürlich versuchen das zu überspielen mit ihren Verschwörungstheorien und Propaganda. Es wird sich aber an der Tatsache nichts ändern.
    Das mit heise zu vergleichen erfordert schon eine ziemlich verdrehte Weltsicht.
    Passt dann aber ebenfalls wunderbar zum Beitrag oben.

  8. @Idiocracy: Schon klar, dass das ihre intellektuelle Aufnahmefähigkeit überstieg. Aber belassen wirs dabei.

    Heise ist ein gutes Medium, wenn’s um IT geht. Ungleich flacher ist es in Sachen Politik, und wenn man dann in das hauseigene Verschwörungsmedium Telepolis schaut, unterbietet es vom Niveau her sogar die Bildzeitung.

    Was Occupy angeht, sind die Zustände dort wohlbekannt und auch in anderen Medien dokumentiert (siehe stellvertretend: http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kommentar-occupys-eigene-finanzkrise-11826001.html; aber das ist für Sie ja sicher auch nur ein pöhses, rechtskonservatives Medium… lol). Und jeder kann sich selbst vor Ort ein Bild machen.

    Ich finde es aber schon bemerkenswert, dass kaum, das wir was über Occupy schreiben, jmd wie Sie daher gekrochen kommt und versucht, das alles im Kommentarbereich als Falschmeldung darzustellen. Und weil Sie keine Argumente haben und die Faktenlage gegen Sie spricht, bedienen Sie sich des Stereotyps: Es stand in der Bild, also stimmt es nicht.

    Im vorliegenden Fall haben ihre Glaubensbrüder ihren (geistigen und materiellen) Müll nun einmal in der Bild-FFM-Zentrale abgeladen, nicht bei der FAZ oder der FNP (und schon gar nicht bei Ihren Freunden bei der FR, wobei die ja auch genügend eigenen Müll produzieren). Daher baut dieser Artikel freilich auf den Bild-Artikeln auf, weil das nun mal zur Ereigniskette gehört.

    Dass Sie von daher meinen, einen Schwachpunkt ausgemacht zu haben und glauben, Sie könnten uns als Bild-Leser brandmarken und uns somit das dortige, zweifelsohne dürftige Niveau überstülpen, zeigt nur, dass Sie in der Sache selbst nichts zu erwidern haben.

    Ähnlich wie dem Occupy-Camp geht Ihnen wohl die Luft aus. Das Geplärre hier erscheint daher eher putzig. Wie das letzte Zucken einer tot-kranken Bewegung, die – ich schrieb es schon in meinem Kommentar – an ihrer eigenen Dummheit erstickt ist.

    Wenn Sie derweil in Sachen FInanzkrise etwas qualitatives beizutragen haben, gerne auch mit einer anderen als der hier üblichen Perspektive, steht es Ihnen frei, einen Gastbeitrag einzureichen. Sollten Sie es schaffen, in selbigem ihr Niveau aus der Gosse heraus zu hieven, verspreche ich Ihnen hiermit die Veröffentlichung.

    Ich bin gespannt. Andernfalls, und da gehe ich von aus, sehe ich Ihren weiteren inhaltlosen Vorwürfen hier im Kommentarberiech entgegen.

    Grüsse.

  9. PS: Jetzt steht es sogar in der “ultra-rechtskonservativen” Frankfurter Rundschau. http://www.fr-online.de/blockupy-frankfurt/occupy-frankfurt-raeumung-occupy-camp-muss-bis-ende-juli-weichen,15402798,16669442.html

    So ein Mist aber auch. Besser, Sie posten schnell irgendeinen top-seriösen Heise-Link, der uns alle von Bild über blu bis FAZ und FR der bösen, rechtspopulistischen Lüge überführt…

    :D

  10. lol ich hab aufgehört zu lesen als die Verschwörungstheorien kamen.
    Das war auch eigentlich alles was ich sehen wollte
    .
    Es ist ja nicht so als hätte ich gesagt, irgend etwas an dem Camp wäre gut oder, dass die BILD sich das vom Daumen ablutschen würde.
    Darum ging es gar nicht.
    Dennoch sind bei Ihnen anscheinend alle Reflexe angesprungen.
    Welch ein Text.
    Alles vollkommender Schwachsin und am Thema vorbei :D
    lol

  11. *gähn* und worum geht es Ihnen jetzt ? Haben Sie keinen Hund der sie fordert ?

  12. @Idiocracy: Quod erat demonstrandum.
    Zuuuu lustig! You made my day! Danke dafür! :D

  13. Sie freuen sich jetzt auch noch, dass ich Sie als niveaulosen Pavlov-Hund hingestellt habe?
    Das wird ja immer absurder.
    Ist der Laden tatsächlich so tot hier?

  14. Lieber Pino,

    ich verfolge hier die Diskussion und ich gratuliere Ihnen, was Sie hier abliefern ist alle erste Sahne. Ja, die Idiokracy, wie treffend, muss man mit allen Mitteln entgegentreten und verhindern. Obwohl, wenn ich mal nachdenke, in welchem Zustand muss ein Land sein, wo Piraten ohne Programm 8% der Stimmen bekommen.

    Sie haben recht:

    “Wie das letzte Zucken einer tot-kranken Bewegung, die an ihrer eigenen Dummheit erstickt ist”

    Die dummen Leute schämen sich nicht mehr für Ihre Dummheit. Es wagt keine mehr, denen ihre Dummheit vor Augen halten. Dann sind sie beleidigt und rennen zum Kadi. Es wird noch lange andauern, bis die Gesellschaft an ihrer Dummheit erstickt ist. Und wir ersticken gleich mit. Wir sind in einer unpassenden Zeit geboren.

    Liebe Grüße

  15. Ach, nun seien Sie mal nicht ungerecht. ;-)

    Michelle/Walt/taz-Redakteur hat sich ne ganze Zeit zurückgehalten… und ist jetzt halt unter dem vierten Nick zurückgekommen. Leider hat sie die Zeit nicht für einen Deutsch-Aufbaukurs genutzt, so dass man sie immer noch an ihren Fehlern bestens erkennt.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>