Gesellschaft News — 10 Juli 2012

Kloster Mor Gabriel verliert Rechtsstreit und Klosterbesitz

Türme des Klosters Mor Gabriel (Bild: Gerry Lynch; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Das 1.600 Jahre alte Kloster Mor Gabriel im Südosten der Türkei erfährt eine Landenteigung und verliert gegen den Türkischen Staat.

Wie blu-NEWS bereits berichtete, streitet das syrisch-orthodoxe Kloster Mor Gabriel seit Jahren um ihre Besitzrechte. Das Berufungsgericht in Ankara hat nun gegen das Kloster entschieden.

Streitigkeit entstand durch Vorgaben der EU

In dem Prozess geht es um circa 28 Hektar Land in der Umgebung des Klosters. In der ersten Instanz wurde zu Gunsten des Kloster entschieden, da das Kloster seine Besitzansprüche auf das Land aufgrund von jahrzentelanger Steuerzahlung nachweisen konnte.

In der Revision vor dem Berufungsgericht in Ankara wurden die entsprechenden Steuerbelege allerdings nicht berücksichtigt – angeblich waren die Dokumente verlorengegangen. Trotzdem das Kloster erneut die Belege bei Gericht einreichte, unterlag es vor der Großen Kammer des Berufungsgerichts in Ankara. Das Land wurde dem türkischen Staat zugesprochen. Die Streitigkeiten entstanden durch Landvermessungen zur Erstellung von Grundbüchern nach den Vorgaben der Europäischen Union im Jahr 2008.

Anrufung des Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte möglich

Das im vierten Jahrhundert gegründete Kloster Mor Gabriel wird sich gegen das Enteigungsverfahren notfalls auch international wehren. Es werde das schriftliche Urteil noch abwarten. Der Vorsitzende der Klosterstiftung, Kuryakos Ergün, schließt laut den Katholischen Nachrichten nicht aus, den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anzurufen.

Rückschritt für die Religionsfreiheit

Rückendeckung erhält das Kloster durch den Gesetzesentwurf “Return of Churches” – “Aufruf an die Türkische Republik zum Schutz des christlichen Erbes und der Rückgabe der Kirchen”, unter anderem durch den republikanische US-Senator Scott Brown. Wie blu-NEWS berichtete, fordert diese Resolution unter anderem die US-Außenministerin Hillary Clinton auf, bei offiziellen Gelegenheiten die Regierung der Türkei verstärkt darauf zu drängen, endlich für religiöse Gleichberechtigung zu sorgen.

Auch deutsche Politiker kritisieren das Urteil. Der Menschenrechtsexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Pascal Kober sieht durch das Urteil die Existenz des 1.600 Jahre alten Klosters gefährdet. Zugleich sei auch die Religion und Kultur der gesamten syrisch-orthodoxen Minderheit in der Türkei in Frage gestellt. Erika Steinbach, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Menschenrechte und Humanitäre Hilfe der CDU/CSU-Bundestagsfraktion fragt sich, ob das Urteil nicht politisch motiviert sein könnte um sich bewusst gegen die christliche Minderheit in der Türkei zu richtet.

Christliche Kirchenvertreten sind untätig

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm (Bild: Pressefoto Evangelisch-Lutherische Kirche Bayern Homepage)

Die Türkei unter Erdogan entwickelt sich zunehmen zu einem intoleranten Staat, auch wenn die Türkei offiziell als säkularer Staat dargestellt wird. In den letzten Jahren erfolgte durch das Betreiben des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan eine klare Ausrichtung hin zum Islam.

Den unterdrückten Christen, nicht nur jene in der Türkei, benötigen zunehmend Unterstützung von kirchlicher Seite, da die weltweite Verfolgung und Unterdrückung von Christen, maßgeblich in muslimischen Ländern, eklatant zugenommen hat.

Kirchenvertreter, wie der evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sind aber viel mehr damit beschäftigt, den Islam in Schutz zu nehmen und Schulterschlüsse zu initieren (blu-NEWS berichtete), als sich endlich seiner fundamentalen Aufgabe als Hirte, Fürsprecher und Beschützer seiner ihm anvertrauten Gläubigen zu widmen. (BS)

Artikelbild: Türme des Klosters Mor Gabriel (Bild: Gerry Lynch; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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blu-NEWS

(4) Readers Comments

  1. Ist der deutsche Staat blind oder sieht der Staat mit Absicht nicht?
    Christen wurden 1915 aus ihrer eigenen Heimat vertrieben und umgebracht (siehe seyfo 1915) und jetzt lässt der türkische Staat nicht mal dieses Kloster in ruhe. Für mich heißt es ganz klar dass der türkische Staat radikal gegen Christen ist und diese Minderheit auch noch verdrängen will.
    Unsere deutschen Politiker können sehr viel dagegen tun, aber Frau Merkel tut ja nichts außer darstehen und doof Grinsen… Echt eine frechheit von der Türkischen Regierung
    Warum ist der deutsche Staat tolerant dem islam Gegenüber aber den syrisch-orthodoxen Christen nicht ?

  2. So jetzt ist es so weit, das die Christen in der Türkei nicht einmal als Menschen gesehen werden. Unser Herz und Seele Mor Gabiel sollte enteignet werden? Nur wenn wir als Syrisch Orthodoxen nicht mehr Leben! Also nur über unsere Leichen. Die Europäer sollen endlich sehen, was für eine Radikale Staat der Türkei ist. Auch wenn wir Mor Gabriel zurück erobern, bedeutet es nicht das die Turkei uns Christen lieb hat im Gegenteil!

  3. Die deutschen sind einfach nur erbärmlich und angsthasen obwohl die was dagegen tun können sind es angsthasen !!!es wird bald eskalieren aber richtig, wenn man nicht rechtzeitig dagegen angeht …nur ein freier mensch kann in ruhe leben..und gerade die syrisch orth. sind einer der ältesten völker..traurig was hier läuft!!!

  4. Pingback: Erdogan – Worst Of | tumasewitsch

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