Birgit Stöger: Es gibt kein religiöses Recht auf Körperverletzung

Dem einen oder anderen männlichen Mitmenschen dürfte es bei dem Gedanken daran den Unterleib zusammen ziehen – Beschneidung!

Seit dem ein Kölner Landesgericht diese Woche die religiöse Beschneidung eines unmündigen Jungen als Körperverletzung einstufte, ist Bewegung ins Thema gekommen. Das Stückchen fehlende Haut, so oft verharmlosend dargestellt, ist schon länger Stein des Anstoßes und wird durchaus immer wieder gern von Anti-Beschneidungsdemonstrationen flankiert. Aber bislang verpuffte dieses Engagement größtenteils.

Dieses Mal scheint es jedoch anders zu laufen. Auch die Urteilsbegründung der Richter war, philosophisch betrachtet, irgendwie menschlich. Die mit der Beschneidung einhergehende körperliche Veränderung des Kindes, so befanden die Richter, laufe dessen Interesse zuwider.

Was für ein Interesse könnte das nun sein?

Könnte es sein, dass es eigentlich nicht in Ordnung ist, einem kleinen, wehrlosen Jungen, mit oder ohne Narkose, einfach ein Stück seiner Vorhaut wegzuschnippeln? Was weg ist, ist weg. Ohne Zustimmung ist dieser kleine Mensch einer Religion zugeordnet der er, und dafür gibt es gute Gründe,  eventuell in späteren Jahren entsagen will und auch das Zeichen dieser Religion nicht mehr tragen möchte. Genau das sahen die Richter auch so. Denn, so weiter in der Urteilsbegründung, laufe die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwider, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden.

Dieses Gericht, und dafür verdient es höchste Anerkennung, hat sich – anders als viele unserer Politiker – nicht von der Sorge abschrecken lassen, als antisemitisch und religionsfeindlich kritisiert zu werden. Dieses sagte Holm Putzke, Strafrechtler von der Universität Passau der Financial Times Deutschland. Und Recht hat er.

Wer bereit ist, seinen Sohn zu opfern, der schneidet auch

Eines ist den Wüstenreligionen, ob Judentum oder Islam, gemein. Sie verhaften ihre männlichen Nachkommen im unmündigen Kindesalter und schaffen unrevidierbare Tatsachen – sie schneiden.

Die Juden tun dies am 8. Tag nach der Geburt mit ihren männlichen Nachfahren. Der Knabe wird in den Bund Gottes aufgenommen – ohne Vorhaut. Den Juden gilt die Beschneidung als wichtigstes aller Gebote und geht auf den Stammvater Abraham zurück. Dieser hat, Alterssenilität kann hier nicht ausgeschlossen werden, im Alter von achtzig Jahren seine eigene Beschneidung selbst vollzogen. Dazu bediente er sich, Entschuldigung an alle männlichen Leser, einer Axt.

Die Muslime trennen die Vorhaut des männlichen Glieds, und bitte mindestens die Hälfte davon, mit der Begründung ab, dem Propheten Abraham und Mohammed nacheifern zu wollen. Für die Beschneidung setzt der Islam kein bestimmtes Datum fest. Aber auf keinen Fall am achten Tag nach der Geburt schnippeln, da schneiden die Juden ja schon und eine gewisse Authentizität muss schon gewahrt bleiben! Entweder am siebten Tag nach der Entbindung oder im Alter von etwa sieben Jahren wird der junge Muslim um die Hälfte seines Praeputium gebracht.

Mann könnte fast annehmen, dass beide, Jahwe wie Allah, sich bei der Schaffung der Vorhaut getäuscht haben und diesen Fauxpas durch die Beschneidung korrigiert lassen.

Die Christen indessen schneiden nicht, was die Muslime als unglückliche Richtung ansehen und den Juden anscheinend egal ist. Den Christen reicht die Säuberung des Herzens, es muss nicht weiter unten geschnitten werden.

Die Entrüstung eint sie

Und nun? Ein lautes Geschrei von allen Seiten, gerade so, als ob den jeweiligen Verteidigern des religiösen Rechts ohne Narkose die Vorhaut abgetrennt worden sei. Der Zentralrat der Muslime, der Zentralrat der Juden, sogar Bischöfe und der EKD echauffieren sich ob der Entscheidung des Gerichts, die die Unversehrtheit des menschlichen Körpers schützen soll.

Beispielloser, dramatischer Eingriff in die Rechte der Religionsgemeinschaft, jammert der Zentralrat der Juden.

„Eklatanten und unzulässigen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften und in das Elternrecht”, klagt der Zentralrat der Muslime.

Am perfidesten der Einwand aus Richtung des EDK (Evangelischen Kirche in Deutschland), vom Präsident des Kirchenamtes Hans Ulrich Anke: „Die Religionsfreiheit und das elterliche Erziehungsrecht seien unzureichend gegen das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit abgewogen worden”.

Worum geht es hier nun wirklich?

Es geht um Rechte. Erwachsenenrechte. Religionsrechte. Elternrechte. Erziehungsrechte. Um die Bewahrung von uralten Traditionen. Um Abgrenzung zu anderen Religionen.

Darf man darüber hinweg sehen? Dürfen diese angeblichen Rechte angetastet werden? Gerade Vereinigungen von nicht-religiösen Menschen und humanistische Vereinigungen wie der Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) haben hier die einzige richtige Antwort gefunden:
„Es wurde Zeit, dass die Beschneidung als das gesehen wird, was sie ist: Ein strafbarer Eingriff in die körperliche Unversehrtheit von wehrlosen und ihren Eltern ausgelieferten Jungen. Es ist dabei irrelevant, ob diese irreversiblen Verstümmelungen aus religiösen oder anderen ideologischen Gründen durchgeführt werden. Eine Beschneidung ohne eine medizinische Notwendigkeit ist Körperverletzung.”

Und sollte dieser Kampf für die körperliche Unversehrtheit von Kindern und gegen religöse Dogmen gewonnen werden, dann könnte man sich um die nächsten Opfer der allumfassenden Religionsfreiheit kümmern. Um die geschächteten Tiere.

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(61) Readers Comments

  1. Frau Kelek findet mal wieder die richtigen Worte für diesen abartigen Brauch:

    Die Beschneidung – ein unnützes Opfer für Allah:
    Die Beschneidung muslimischer Jungen ist eine ebenso abscheuliche archaische Sitte wie die Genitalverstümmelung bei kleinen Mädchen. Sie ist ein Unterdrückungsinstrument und gehört geächtet.

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article107288230/Die-Beschneidung-ein-unnuetzes-Opfer-fuer-Allah.html

  2. “Genau das sahen die Richter auch so. Denn, so weiter in der Urteilsbegründung, laufe die Beschneidung dem Interesse des Kindes zuwider, später selbst über seine Religionszugehörigkeit zu entscheiden.”

    Soweit ich weiß, ist es auch beschnittenen Männern (den jüdischen mehr, den islamischen weniger, dies hat allerdings nicht die Beschneidung zum Grund) durchaus möglich, sich in mündigem Alter ihre Religion auszusuchen und ggf. zu konvertieren.

    Das Argument, die Beschneidung greife in die vorweggenommene Religionsfreiheit des Kindes ein, verfängt daher allenfalls stark humpelnd.

    Stärker wiegt das Argument, die Beschneidung sei als “medizinisch nicht notwendige” Operation Körperverletzung.

    Insgesamt empfinde ich das Urteil dennoch als wenig sinnvoll für die Kinder, die die Richter eigentlich schützen wollten.

    Es dürfte klar sein, dass die Beschneidungen jetzt nicht aufhören, nur weil ein Gericht diese jahrtausendealte religiöse Tradition verbietet. Die bislang (wie auch in dem zu Grunde liegenden Verfahren) medizinisch einwandfrei durchgeführten Operationen verlagern sich nun einfach in weniger sterile Umgebungen oder zu weniger gut ausgebildeten Operateuren.

    Dieses Urteil daher als Meilenstein für die Entfaltung freien Lebens zu feiern, ist aus meiner Sicht ein wenig zu kurz gesprungen.

  3. “…sich in mündigem Alter ihre Religion auszusuchen und ggf. zu konvertieren.” – das geht bestimmt auch ohne Vorhaut, da haben Sie recht. Aber warum nehmen sich Menschen das Recht herraus, einem Kind unwiederbringlich etwas wegzuschneiden, nur um einen Religionsmarker zu setzen? Das ist doch nicht “in Ordung”.
    “Es dürfte klar sein, dass die Beschneidungen jetzt nicht aufhören, nur weil ein Gericht diese jahrtausendealte religiöse Tradition verbietet.” – auch diese Argumentation hinkt m.E.. Das trifft auf so gut wie jede abgeschaffte religiöse Handlung zu – Mittlerweile verbrennt man in Indien nur noch selten die übriggebliebene Witwe, mag sein, dass hie und da noch eine in Flammen aufgehen muss, aber im grossen und ganzen wurde dieser religiöse “Brauch” abgeschafft, weil verboten. Irgendwann muss irgendwer anfangen, unmenschliche Dinge zu bennen und zu ächten – Diesem “Jemand” fällt man gehörig in den Rücken, wenn mann ständig Rechtfertigungen, Verharmlosungen oder “das funktioniert ja dochnicht-Reden” daherbringt. Und daher ist dieses Urteil m.E. sehr wohl ein Meilenstein zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit.

  4. Klasse Jungs. Unser lieber Staat beschneidet jeden von uns, auch mit dieser Entscheidung, seiner Grundrechte.
    Es wird die männliche Beschneidung mit der weiblichen gleichgesetzt, ja sogar Vergleiche zu Tötungen gesucht. Vom Thema selbst hat jedenfalls keiner eine Ahnung. Die Vor-und Nachteile einer Beschneidung werden nicht genannt, es geht lediglich um Phrasendreschen.

  5. Sie haben nicht wirklich verstanden um was es geht, oder? Es kann keine Vor- oder Nachteile für diejenigen geben , denen man ungefragt einen Teil seines Körpers wegschneidet. Hier geht es um den prinzipiellen Respekt vor der Selbstbestimmung des Anderen und dessen unumstößliches Recht auf körperliche Unversehrtheit. Und ja- wenns ganz blöd läuft, kann dieses Geschnippel zum Tode führen – aber da steht ja ihrer Ansicht nach ein Grundrecht der Eltern dagegen, am Geschlecht ihrer Kinder rumzuschnippeln.

  6. Das ist also harmlos und Phrasendrescherei?:
    (Quelle: http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/maennliche-beschneidung.html)
    Post-operative Komplikationen der Beschneidung

    Die sofortigen postoperativen Komplikationen der Beschneidung können unterteilt werden in: Harnverhaltung, Meatitis, Meatusulzeration, Meatusstenose, Hautfetzen, Verwachsungen, Hautbrücken, begrabener Penis, Phimose, und sonstige Komplikationen. Diese Komplikationen sind iatrogen [durch ärztliche Behandlung verursacht].

    Harnverhaltung
    Die Beschneidung führt manchmal zur Harnverhaltung[1]mit möglicher obstruktiven Uropathie.[2]Bandagen, wie sie bei rituellen Beschneidungen verwendet werden, können Harnverhaltung verursachen.[3,4] Der Plastikring- Abschnitt der Plastibell®-Vorrichtung kann auch eine Harnverhaltung verursachen,[5] die wiederum zu Blasenruptur,[6] Nierenversagen,[7] oder zur Unterbrechung der Blutzirkulation in den unteren Extremitäten führen kann.[8,9] Harnverhaltung war die Ursache anderer Komplikationen, die in einem dokumentierten Fall zum Tod führten.[10] Harnverhaltung tritt bei nicht-beschnittenen, intakten Jungen nicht auf.

    Verwachsungen und Hautbrücken
    Der erste Schritt bei der genitalen Beschneidung kleiner Jungen ist die Trennung der Oberfläche der inneren Vorhaut von der Eichel des Penis, mit welcher sie bei der Geburt verklebt ist. Dieses Abreisen, das Gracely-Kilgore (1984) mit der “Häutung eines Eichhörnchens” verglich [11], lässt die Eichel und das innere Vorhautblatt wund und blutig zurück. Beim Neugeborenen werden die Beschneidungswunden nicht vernäht, sodass der Vorhautrest an der Stelle verheilt, wo auch immer dieser sich gerade auch befindet. Der Vorhautrest kann während der Abheilung mit der Eichel verwachsen, wodurch sich Hautbrücken bilden können [11, 12]. Gracely-Kilgore berichtet, dass 15 Prozent der Jungen, der in ihrer Praxis vorgestellt wurden, Verwachsungen hatten und drei Prozent einer operativen Korrektur bedurften.[11] Verwachsungen können eine operative Durchtrennung durch einen urologischen Spezialisten notwendig machen.[13] Verwachsungen treten bei nicht-beschnittenen, intakten Jungen nicht auf.

    Meatale Komplikationen
    Meatitis, Meatusulzerationen, und Meatusstenose sind Krankheiten, die nur bei beschnittenen Jungen beobachtet werden, denen ihre schützenden Vorhaut genommen wurde. Der Zusammenhang zwischen Zirkumzision und diesen iatrogenen Pathologien mindestens seit 1921 bekannt.[14] Das Ausgesetzsein der ungeschützten Eichel gegenüber dem Amoniak in den Windeln wird generell als Ursache der Entzündung und Geschwürbildung angesehen.[14,15] Persad et al.(1995), verwiesen aber darauf, dass Ischämie [Mangeldurchblutung] der Eichel, verursacht durch die Durchtrennung der Frenulumsarterie bei der Beschneidung, vielleicht der ätiologische Faktor ist.[16] Die Ulzeration [Geschwürbildung] kann schließlich die Bildung von Narbengewebe verursachen, welches die Öffnung der Harnröhre beengt. Leitch (1970) beschrieb 8 Fälle von Meatusulzeration und 3 Fälle von Meatusstenose in einer Serie von 200 Beschneidungen, was einer Häufigkeit von 5,5 Prozent entspricht.[17] Eine Meatotomie kann zur Weitung der Harnröhre erforderlich sein.[18-19] Meatale Komplikationen treten bei nicht-beschnittenen, intakten Jungen nicht auf.

    Harntraktinfektionen
    Zahlreiche Studien belegen, dass mehr als 50 Prozent aller Harntraktinfektion innerhalb 12-14 Tagen nach den rituellen Beschneidungen auftreten.[20-22]

    Post-Zirkumzision Phimose
    Seltsamerweise ist die Beschneidung, von der behauptet wird, dass sie der Phimose vor beuge, in Wirklichkeit eine Ursache von Phimose.[22, 23] Wenn sich die Beschneidungsnarbe hinter der Eichel bildet, entsteht ein phimotischer Ring, der Phimose verursacht. Blalock et al.(2003) wiesen eine Häufigkeit von 2.9 Prozent bei beschnittenen Jungen nach.[23] Leich gab an, dass 11 aus 200 einer Rezirkumzision bedurften um eine Post-Zirkumzision-Phimose zu korrigieren.[17]

    Unauffällig Begrabener, Gefangener, oder Verborgener Penis
    Diese iatrogene Erkrankung tritt nach einer Beschneidung auf. [24-30] Eine zweite Operation ist gewöhnlich zur Reparatur dieser Komplikation notwendig.[28-30]

    Keloidbildung
    Keloiden sind wucherndes Narbengewebe. Keloiden infolge der Beschneidung sind dokumentiert.[31-33] Keloiden erfodern einer operativen Entfernung und Reparatur.[31-33]

    Zirkulationsprobleme, Ischämie, Nekrose und Gangrän
    Die Beschneidung durchtrennt Arterien und Venen einschließlich der Frenulumsarterie, die die Eichel des Penis versorgt,[16] so dass es nicht überraschend ist, dass nach der Beschneidung Zirkulationsprobleme auftreten können. Gangrän [Wunbrand] des Penis [34-36] und der Eichel [37, 38] wurden ebenfalls beschrieben.

    Sonstige Komplikationen
    Sonstige postoperative Komplikationen umfassen Krümmungen des Penis,[39] Inklusionszysten,[40, 41] Lymphödeme,[40, 41] Neurome [schmerzhafte Nervengeschwulste],[42] subkutane Masse,[43] und Krebs.[44]

    Äusserliche Komplikationen:
    Hautbrücken (“skin-bridges”)
    Eine Hautbrücke bildet sich, wenn die wunde Narbe der Penis-Resthaut, wo die Vorhaut abgeschnitten wurde, an die wunde Oberfläche der Eichel anhaftet und beim Abheilungsvorgang mit dieser stellenweise zusammenwächst. Dieses Geschehen geht vor sich, nachdem der/ die beschneidende Arzt/Ärztin das Interesse an dem “abgeschlossenen” Fall verloren hat. Die Mutter, die dahingehend belehrt wurde, der Penis ihres Sohnes wäre nun “pflegeleicht” und keine Ahnung davon hat, wie das neue Penisdesign aussehen “sollte”, bemerkt die sich einstellende, weitere Fehlentwicklung nicht.

    Hautbrücken sind nicht nur unansehnlich, sondern sie schaffen einen Ort, wo Smegma leicht stecken bleiben kann und -anders als unter einer intakten Vorhaut- nicht einfach ohne Weiteres gereinigt werden kann.

    Hautlappen (“skin-tags”)
    Ein Hautlappen ist ein unregelmäßiges Überbleibsel der Vorhaut, das nach der Beschneidung frei herumhängt. Kleine “Schönheitsfehler” wie diese werden offiziell nicht als Nachteile der Beschneidung angerechnet. Man könnte vermuten, gerade dieser Lappen würde den Partner beim Geschlechtsverkehr “noch mehr” stimulieren. Dieser Logik folgend ist zu fragen, um wieviel mehr erst eine ganze, vollständige Vorhaut die beiden Kopulierenden zu stimulieren vermag.

    Vernarbung
    Im Vergleich zu einem chirurgisch unberührten, vollständigen Penis mit viel und vor allem äußerlich homogenem, optisch einwandfreiem Hautgewebe, entsteht bei der Abtragung der Vorhaut in jedem einzelnen Fall eine Narbe. Das Fehlen der Vorhaut hinterlässt Ränder zweier völlig unterschiedlicher Hauttypen, welche überhaupt erst miteinander verbunden werden müssen. Diese sind die körperfarbene Schafthaut des Penis, sowie das restliche innere Vorhautblatt, eine ganz anders beschaffene Schleimhaut. Eine weitere Herausforderung für die/ den Operateur/in ist das Frenulum (Lustbändchen), das jeder Beschneidung im Wege steht. Einschneiden oder ganz herausschneiden dieses Hauptlustzentrums ist eine Entscheidung, die praktisch immer über den Kopf des Betroffenen hinweg entschieden wird. Das aus Vor-Internet-Zeiten stammende Motto dürfte sein, dass doch ohnehin kaum ein Mann die genaue Anatomie des gesunden, intakten Penis kennt, auf die er sich berufen könnte.

    Im besten Fall ist die Beschneidungsnarbe bei den meisten Beschnittenen sofort als brauner Ring um den Penis zu erkennen, der entweder weiter an der Eichel oder enger am Hodensack den Schaft umschließt. Diese ringförmige Narbe grenzt mittels einer braunen Trennlinie den körperhautfarbenen Schaffteil des Penis von der stets andersfarbigen, gehäuteten Penisspitze ab.

    Je nach “Beschneidungsglück” kann diese braune Narbe stellenweise breiter, sowie unsymmetrisch ausfallen, auch der notwendige Abheilungsvorgang kann verzögert werden durch sich wiederholt öffnende Narben. Wundinfektionen und damit noch stärkere Narbenbildung können die Folge sein.

    Ungleichmäßigkeit
    Ungleichmäßigkeiten sind ein Beschneidungsschaden, der noch am wenigsten schwerwiegend ist, da er keine noch weitergehende Auswirkung auf die Sexualität oder die Gesundheit hat, abgesehen von den ohnehin bereits durch die Beschneidung erlittenen Einbußen. Diese unvermeidlichen Unregelmäßigkeiten entlarven vereinzelte Behauptungen, ein beschnittener Penis “sehe besser aus” und wirke erotischer.

    Übermäßige Hautentfernung
    An dem Fingergeschick, sowie der Beschneidungslaune der jeweiligen Operateurin, des jeweiligen Operateurs, liegt es, ob sie/ er “sparsam” von der hocherogenen Vorhaut abträgt. Diese große Bandbreite an Beschneidungsergebnissen ist durchaus mit einem Lotteriespiel zu vergleichen, dessen Spielergenis nicht vor Vollendung der Pubertät feststeht.

    Im letzteren Fall kommt es dazu, das während der Erektion behaartes Hodensackgewebe den Schafft hinaufgezogen wird. Bei Eingriffen vor der Pubertät ist die Gefahr eines solchen Ergebnisses besonders hoch, da sich noch nicht abzeichnet, wie der Penis letzendlich aussehen wird. Einerseits wird dadurch bei dem Opfer in den kommenden Jahren der Schamhaarwuchs bei der Erektion, sofern diese möglich ist, bis an die Eichel reichen, andererseits ist durch die Hautknappheit das Peniswachstum überhaupt eingeschränkt, was kaum jemand wünschen dürfte.

    Eine übermäßige Hautentfernung kann zu Schmerzen bei der Erektion führen und in schweren Fällen eine Erektion ganz unmöglich machen.

    Verästelte Venen
    Sobald durch die Beschneidung die oberflächlichen Venen des Penis durchtrennt werden, suchen sie sich den nächstbesten Weg um sich wieder zu verbinden. (Die Fotoreihe, aus der dieses Bild stammt, hatte den Titel “Makellos”)

    Nekrotisierende Fasziitis
    Bei der nekrotisierenden Fasziitis handelt es sich um eine durch Streptokokken oder Mischinfektionen ausgelöste, fulminant verlaufende Infektionskrankheit der Haut und Unterhaut. Die Eintrittspforte für die Erreger können kleinste Hautverletzungen sein. Die nekrotisierende Fasziitis beginnt mit unspezifischen Krankheitszeichen, wie starken örtlichen Schmerzen und Fieber. Innerhalb kurzer Zeit schwellen die betroffenen Stellen an, werden heiß, rot und werfen Blasen. Später kann es in diesen Bereichen zu einem vollständigen Absterben der Haut und Unterhaut kommen. Das infizierte Gewebe muss schnellstmöglich – noch vor dem Erregernachweis – vollständig operativ entfernt werden, ansonsten kann die Erkrankung innerhalb kurzer Zeit zu großflächigen Hautverlusten, ja zum Tod führen. Eine Sonderform ist die Fournier-Gangrän als fieberhafte Gangrän der Leistenregion und Genitalregion, die vor allem bei Männern auftritt. (zit. nach “Wikipedia”)

    Verdrehung
    Infolge der Durchtrennung und Neuzusammenfügung von penisbedeckendem Gewebe resutiert daraus eine Verdrehung des Schaftes in Bezug auf die Eichel.

    Buried penis (Begrabener Penis)
    Dieses Penisschicksal kann zwar in seltenen Fällen die Folge einer abnormal großen Fettschicht über den Leistenknochen sein, häufiger aber ist es die Folge einer exzessiven Entfernung von Haut im Rahmen einer radikalen Beschneidung, sodass es dann als “iatrogenisch [von Arzt verursachter] begrabener Penis” zu bezeichen ist. Der Schaft des Penis wird dabei unter der Oberfläche der Schamhaut gleichsam “begraben”.

    Ein typischer Anblick beim Erwachsenen ist eine schrumpelig-rosafarbene Eichel, die punktförmig im Schamhaarwald, ohne sichtbaren Schaft, sitzt. (vgl. auch mit Abschnitt “Haariger Schaft”)

    Haariger Schaft
    Der Schaft des Penis normalerweise haarlos, aber die Erektion eines straff beschnittenen Penis kann haarige skrotale Haut den Schaft hinauf ziehen, was zu Unbehagen beim Geschlechtsverkehr führt. Abgesehen von dem optisch wenig ansprechenden Penisdesign.

    Meatus-Stenose (=Verengung der Harnröhrenmündung)
    Die Meatusstenose kann zwar sehr selten angeboren, vielmehr aber durch Verletzungen wie eine Beschneidung, sowie nachfolgende Entzündungen erworben sein. Hauptsymptom ist ein abgeschwächter Harnstrahl. Darüber hinaus können eine unzureichende Blasenentleerung, Harnwegsinfektionen, schmerzhaftes Wasserlassen und ein gedrehter oder gespaltener Harnstrahl die weitere Folge sein. Leider ist in schweren Fällen eine weitere Operation schwer zu umgehen, da andere Verfahren keine langfristigen Erfolge gezeigt haben. Häufig ist eine Schlitzung (Meatotomie) erforderlich. Bei höhergradigen oder komplizierten Verengungen kann sogar eine Rekonstruktion der Harnröhrenmündung, die sogenannte Meatusplastik, notwendig sein.

    Rund 10% aller Beschneidungen haben eine mehr oder weniger ausgeprägte Meatusstenose zur Folge!

    HARMLOS??????

  7. Die WItwenverbrennung wurde 1829 von den Briten verboten und wird heute dennoch “gelegentlich” durchgeführt… 183 Jahre nach dem Verbot wird die Witwenverbrennung also immer noch praktiziert. Nur “gelegentlich” zwar, aber immerhin.

    Ich sehe übrigens einen kleinen Unterschied zwischen den britischen Methoden und Möglichkeiten der Verbotsdurchsetzung im Jahre 1829 und unserer Justiz. Sie auch?

    Mal abgesehen davon sind zumindest unsere mohammedanischen Mitbewohner nicht unbedingt dafür bekannt, sich an ihnen unliebsames Recht zu halten. Insofern wäre ich nicht so sicher, dass dieses Urteil weitere Beschneidungen verhindern wird. Eher wird es die Beschneidung in Hinterzimmer oder nach Anatolien verlagern.

    Ich will mich aber auch gar nicht streiten. Ich halte das Urteil durchaus für eine richtige Entscheidung aus dem Gesichtspunkt der Körperverletzung.

    Bedenken werde ich aber dennoch äußern dürfen, oder?

    (Wenn hier Jubelperser gesucht sind, bin ich hier leider falsch.)

  8. strg + c
    strg + v
    Mal ganz ehrlich, was davon haben Sie verstanden?
    Wer die verzerrende Intention des durch Sie ausgewählten Textes nicht erkennt, der schließt sich dieser Intention entweder bewußt an, oder er hat eben keine Ahnung.
    Benutzen Sie eione Suchmaschine Ihrer Wahl, und informieren Sie sich zB zum Thema sexuell übertragbare Krankheiten, va HIV.
    Bei Ihnen klemmt sowohl die Großschreibtaste als auch die mit dem Fragezeichen.

    @ Tränchen: Prinzipielle Selbstbestimmung bei Säuglingen und Kleinkindern ist mir ein wenig zu gaga.
    Die Unterstellung, man würde den Kindern aus Jux und Dollerei am Geschlecht rumschnippeln, ist mindestens bösartig. Und doch, ich habe verstanden worum es Ihnen geht. Nur sehe ich das anders. Das verstehen Sie wiederum nicht.

  9. Ja klar! – strg + c – strg + v – oder hätt ich´s abschreiben sollen?
    Nein – im Detail habe ich die unnötigen Komplikationen durch Beschneidungen (aus religiösen Gründen) nicht verstanden – ausser, dass mir dabei schlechtg wird. Und selbst wenn es keinerlei Komplikationen geben würde – NIEMAND hat das Recht, aus irgendeinem Grund einem anderen, in diesem Falle am Geschlecht rumzuschnippeln. Und weshalb soll ich mich jetzt über HIV und Co. informieren? Spannen Sie bei diesem Thema einen allumfassenden Bogen über jedes halbwegs themenverwandte Gebiet? Was soll das denn???

  10. “Und weshalb soll ich mich jetzt über HIV und Co. informieren? Spannen Sie bei diesem Thema einen allumfassenden Bogen über jedes halbwegs themenverwandte Gebiet?”
    Sie müssen sich nicht informieren. Aber reden müssen Sie offensichtlich schon darüber. Ich glaub Ihre Ignoranz hält mich von weiteren Antworten ab.

  11. Ich vermute mal, bei dem Suchtipp “HIV” gings eher darum, dass man im WWW zu jedem Thema (zB eben HIV) Texte, Untersuchungen und Meinungen findet, die ganz unterschiedlichen Intentionen folgen, man daher bei aus dem Netz kopierten Texten immer die Intention des Autors beachten soll, da dieser natürlich seine “Missionsabsicht” mit in den Text einfließen lassen dürfte, der Text daher vielleicht nicht ganz objektiv ist.

    zB ist Herr Edwin Manfred Reichhart – der für die von Ihnen zitierte Internetseite verantwortlich zeichnet – generell sehr kritisch gegenüber Beschneidungen (auch wenn diese wegen Phimosen oÄ medizinisch begründet werden).

    Ich denke mal, dass das krokodil das meinte…. :-)

  12. “Jubelperser”! – Köstlich! – Nein , Entschuldigung, falls meine Argumentation zu harsch ausgefallen ist, Sorry hierfür!. Natürlich dürfen Sie Bedenken anmelden – noch ist das ein freies Land :) – Und wahrscheinlich haben Sie Recht, wenn Sie argumentieren, dass dann die Beschneidungen im Hinterzimmer durchgeführt werden – das ist das Gleiche, wie mit den Schächtungen – Aber, das kann kein Grund sein, sich öffentlich nicht dagegen auszusprechen – da sind wir uns ja einig. Wenn man dem Argument folgt, dass solche Handlungen dann in Grauzonen abwandern, und deshalb dies lieber geduldet werden sollte, dann wird es keine Änderung geben, weder im öffentlichen Bewußtsein, noch in diesen Grauzonen.

  13. Die ganze medizinische Diskussion ist hier fehl am Platz. Es geht bei dem Urteil einzig darum, ob Eltern ihren Kindern eine Körperverletzung zufügen dürfen aus religiösen Gründen. Wenn Eltern es für medizinisch gerechtfertigt halten, dann können sie ja weiter beschneiden lassen.

    Bei uns dürfen Eltern ihre Kinder nicht schlagen. Das gibt das Erziehungsrecht der Eltern nicht her. Eine echte Körperverletzung doch noch viel weniger. Und ein Recht auf Körperverletzung aus dem “Selbstbestimmungsrecht der Religionsgemeinschaften” abzuleiten, wie vom Zentralrat der Juden, das ist ganz daneben.

  14. DANKE DANKE DANKE! Das ist es – nicht mehr und nicht weniger! Darum geht es!

  15. Wer hätte gedacht, dass gerade ein Stück Vorhaut das schaffen würde was kein Grass mit Gedichten oder sonstige Kritiker schaffen würden.
    Sogar die sonst so tief in Ärsche kriechenden Islamophoben legen sich nun mit den Juden an.
    Faszinierend.

  16. Bei diesen vielen Komplikationen könnte man das Ganze ja auch als Geburtenkontrolle einstufen.

  17. Dann sind wir uns ja einig.
    :-)

  18. Dass die Beschneidung als darwinistisches Experiment angelegt ist, halte ich jetzt für doch ein wenig weit hergeholt.

  19. Wenn nun einer kommt und mir meine Vorhaut gegen meinen freien Willen entfernt und ich ihn dann Anzeige, wird er selbstverständlich wegen Körperverletzung verurteilt (vermutlich 6 Monate auf Bewährung) und zivilrechtlich werde ich wohl Schmerzengeld (vermutlich 3.000 €) einklagen können! Und alle werden es für richtig halten… Nun gut, ich bin 45 und Christ…

    Warum muslimische und jüdische Kinder hier rechtlich schlechter gestellt werden sollten, konnte mir bisher noch keiner erklären…

  20. Die Materie ist heikel.

    Sicherlich wird durch die Beschneidung von Kindern n deren körperliche Integrität eingegriffen.

    Andererseits haben die Eltern nach dem Grundgesetz das Recht zur Erziehung ihrer Kinder auch in religiösen Dingen, und wird – solange die Kinder noch unmündig sind – deren Einwilligung durch die der Eltern ersetzt. Das passiert etwa auch, wenn Eltern ihre Kinder zum Zahnarzt in die Behandlung schicken.

    Die Beschneidung hat als Aufnahme-Ritual für Juden und Moslems eine vergleichbare Bedeutung wie für Christen die Taufe. Nach christlicher Lehre wird durch die Taufe auch eine unumkehrbare Tatsache geschaffen. Müsste man dann nicht unter Berufung auf das Recht des Kindes auf religiöse Selbstbestimmung auch die Praxis der Säuglingstaufe verbieten?

  21. Und bei der Taufe, erhält das Kind durch das Weihwasser ein körperliches unumkehrbares Stigmata…???

    Oh, oh… da wäre aber was los…

    Ich frage mich eh wo manchmal der Verstand bleibt…??? Ein paar Tropfen Wasser mit (medizinisch unnötiger und in der Regel fragwürdiger) Beschneidung oder nem Zahnarztbesuch zu vergleichen… da fällt mir auch nix mehr zu ein…

  22. Herr Neumann, wo wäre bei Ihnen die Grenze des elterlichen Rechts auf religiöse Erziehung des Kindes inkl. Körperverletzung? Vorhaut abschneiden – das scheint ok zu sein, zumindest wägt man da zwischen Körperverletzung und religiösen Erziehungshoheiten ab. Weibliche Beschneidung? – also wegschneiden der kleinen Schamlippen oder bei pharaonischer Bescheidung tabula rasa – alles weg- auch noch ok? Oder, nur mal angedacht – aus religiösen Gründen das erste Glied des kleinen Finger – kann man wunderbar ohne leben- auch noch ok? Herr Neumann – es wäre m.E. ein wunderbarer Schritt in eine zivilisierte Welt, wenn man sich darauf einigen könnte NIEMANDEM aus welchen Gründen auch immer IRDENGWAS unwiederbringbar von seinem Körper wegzuschneiden – und damit sind nicht Fußnägel oder Haare gemeint, auch nicht das Weihwasser, welches weggewischt werden kann.

  23. Um es vorweg klarzustellen:

    Ich bin für einen laizistisch-säkularen Staat; ginge es nach mir, könnte getrost auf jede Form von religiösem Obskurantismus verzichtet werden.

    Das darf aber nicht den Blick dafür verstellen, dass es in unserer Gesellschaft auch religiöse Menschen gibt, und dass das Grundgesetz die Freiheit der Religionsausübung gewährleistet (Art. 4 Abs. 2 GG).

    Hier gilt es, Kompromisse zu finden und abzuwägen.

    In letzter Zeit wird doch verstärkt auf die christlich-jüdischen Wurzeln unserer Kultur hingewiesen. Der Schriftsteller Navid Kermani hat in der Süddeutschen Zeitung vom 30.06.12 unter dem Titel “Ein Triumph des Vulgärrationalismus” einen beachtenswerten Essay verfasst, aus dem ich auszugsweise zitiere:

    “Aber die frappante Verständnislosigkeit für alles, was sich aus anderen als diesseitigen Beweggründen herleitet, ist nicht nur asthetisch verheerend, insoweit sie etwa den Zugang zu weiten Teilen der menschlichen, damit auch der abendländischen und noch der modernen deutschen Kunst- und Literaturgeschichte verbarrikadiert. Die religiöse Unmusikalität, die in der Regel mit einer Unkenntnis der je eigenen Tradition einhergeht, wirft auch für den Zusammenhalt der Gesellschaft gravierende Probleme auf, solange Gott noch nicht allen Bürgern und Bevölkerungsteilen gleichgültig ist. Denn was gerne Indifferenz genannt wird, ist es ja gerade nicht, sondern häufig höchst fundamentalistisch gegenüber denen, die die Welt nicht so indifferent sehen. Das Urteil des Kölner Landgeichts, das die Beschneidung von jüdischen und muslimischen Kindern verbietet, weil sie diese ausschließlich für Körperverletzung hält, ist hierfür das jüngste Beispiel.

    Natürlich: Wenn man die Wirklichkeit des Glaubens, der Tradition, der für heilig gehaltenen Schriften, des vorgeschichtlichen Rituals und des religiösen Gesetzes einmal außer Acht lässt, die Angelegenheit also rein vom Hier und Jetzt mit der Ratio jenes Menschenverstandes betrachtet, der sich selbst für gesund hält und dabei auch die Geschichte des Antisemitismus nicht kennt, für die das Verbot der Beschneidung zentral ist, kann man, muss man vielleicht sogar in dem hochheiligen Akt nur eine Körperverletzung und einen unzulässigen Eingriff in die Autonomie des Kindes sehen. Wenn ein Gottesgebot nur Hokuspokus ist und jedweder Ritus sich an dem Anspruch des aktuell herrschenden Common Sende messen lassen muss, wird die Anmaßung eines deutschen Landgerichts erklärbar, mal eben, so im Handstreich viertausend Jahre Religionsgeschichte für obsolet zu erklären.”

    Dieses Zitat gibt die Meinung des Autors des Essays wieder. Es enthält aber Gedanken, die es wert sind, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Solange Juden in Deutschland leben, also seit der Römerzeit, war ihnen noch nie die Beschneidung ihrer Kinder verboten, und wurde sie deswegen nicht strafverfolgt. Auch vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte ist mir nicht wohl bei der Vorstellung, dass Juden, die ihre Religion praktizieren, deswegen in Deutschland wieder systematisch strafverfolgt werden könnten.

  24. Juden wurden nicht deshalb verfolgt, weil sie ihre Religion praktizierten, sonder deshalb weil sie Juden waren. (Broder). Da kann keine Rede von “wieder” sein. Und weil man seit Jahrtausenden etwas getan hat, kann es kein Grund sein, wenn es falsch und menschenunwürdig ist, es weiterhin zu tun. Dieses Argument trifft auf die weibliche Beschneidung auch zu – das wurde und wird auch seit Jahrhunderten getan – aber sie wollen doch jetzt nicht allen Ernst das als Grund anführen , es weiterhin zu dulden. Ich gehe hier keinen Millimeter von meiner Meinung ab – es ist nicht rechtens jemandem aus religiösen Gründen ein Stück seines Körpers wegzuschneiden – und das ganze Gejammer von jüdischer und muslimischer Seite interessiert hier nicht – wenn es nur um den besagten Bund mit deren Gott geht, dann kann der auch selbstverantwortlich und mit Einwilligung des Betreffenden eingegangen werden – im geschäftsfähigem Alter, dann wenn der Betreffende ja oder nein dazu sagen kann.

  25. Darf ich meinem Kind die Ohren abschneiden?

    Eine polemische Antwort auf die Ausreden Argumentation der religiösen Zirkumzision-Befürworter

    Hygiene

    Aus hygienischen Gründen spricht nichts dagegen, seinem Kind die Ohren abzuschneiden. Was nicht mehr existiert, kann auch nicht mehr schmutzig werden. Das sollte einleuchten. Ohrenverschmutzungen sollen Studien zufolge durch Ohrenbeschneidung um 100% abgenommen haben! Na, wenn das nicht überzeugt.

    Sicherheit

    Und außerdem bleibt da nicht immer der Pullover an den Ohren hängen, was ja durchaus Verletzungen hervorrufen kann (Risse mit Blutungen und diese führen gerne zu Entzündungen). Ungeduldig wie unsere Kinder sind, quängeln sie sich da hastig durch die Kleidung und gehen dabei mit ihren Ohren ein unnötiges Risiko ein.

    Gesundheit

    Auch die Gesundheit des Kindes wird dadurch gewährleistet. Da kein Ohr, sind auch keine Ohrringe mehr möglich. Die gestochenen Löcher können Infektionen nach sich ziehen, die nicht ohne weiteres verheilen. Als Eltern bleibt uns stundenlanges jammern und betteln des Nachwuchses nach Ohrringen erspart, da Kinder nun keine mehr brauchen (gut für unsere eigene psychische Gesundheit).

    Selbstbewusstsein

    Zudem wirkt sich Ohrlosigkeit gut in der Entwicklung des Kindes aus. Es wird selbstbewusster in der Schule. Weil es nicht mehr ständig die Angst haben muss, dass der Lehrer das Kind am Ohr schnappt, wenn es unbeirrt die (Schul)Welt zu erforschen wagt. So kann es erst richtig aus sich herauskommen und sich ungestört entfalten.

    Besseres Gehör

    Die Ohrmuschel mag Schallwellen zwar besser einfangen und für ein besseres Gehör sorgen. Aber man sollte nie vergessen, dass junge Menschen gerne zu viel und zu laut Musik hören. In der Regel wenn sie unterwegs sind und Kopfhörer bei sich haben. Die fehlende Ohrmuschel sorgt nun dafür, dass das Gehör unserer Kinder geschont wird. Sie sich nun den wirklich wichtigen Dingen des Alltags widmen können. Zum Beispiel dem beruhigenden Straßenlärm lauschen.

    Jugendschutz

    Außerdem gibt es so vieles, das unsere Kinder ohnehin nicht hören sollten. Wir müssen sie nicht mehr auf ihr Zimmer schicken, sie sind durch Ohrlosigkeit bestens geschützt und hören es einfach nicht mehr (so gut).

    http://www.humanist-news.com/darf-ich-meinem-kind-die-ohren-abschneiden/

  26. Was in einer Gesellschaft als strafwürdig erachtet wird, kann nicht völlig losgelöst vom historisch-kulturellen Kontext betrachtet werden. Seit mind. 3000 Jahren wird das Ritual der Beschneidung an Jungen praktiziert, ohne dass dies bisher als strafwürdiges Unrecht angesehen wurde – auch nicht in Deutschland.

    Warum soll dies auf einmal anders sein?

    Es drängt sich der Eindruck auf, dass es hier nur um einen wohlfeilen Vorwand geht, nicht-christliche religiöse Minderheiten, deren Religionsausübung bestimmten Kreisen nicht passt, schikanieren zu können.

    “Menschenunwürdig” – das ist doch nun wirklich starker Tobak. Eine Beschneidung an Jungen ist vergleichbar (oder sogar weniger einschneidend) als das Ziehen eines Zahnes oder die Entfernung des Blinddarms oder der Mandeln. Treffen in solchen Fällen Eltern die Entscheidung zu einem Eingriff, redet auch niemand von “menschenunwürdig” oder meint, Kinder vor ihren Eltern “beschützen” zu müssen.

    Verbot der Vorhaut-Beschneidung? – Einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass als Junktim auch die christliche Säuglingstaufe verboten und unter Strafe gestellt wird, damit “der Betreffende im geschäftsfähigen Alter ja oder nein dazu sagen kann” – und zwar ohne “Rücksicht” auf christllches “Gejammer”. (Die Anführungsstriche habe ich gesetzt, um deutlich zu machen, dass ich hier lediglich den Sprach- und Argumentationsstil eines anderen Kommentators – bezogen auf christliche Bräuche – parodiere.)

  27. grins

  28. Und warum Zwangsbeschnitte (EX-Muslime oder Ex-Juden oder Ex-68er) hier nicht Klagen, liegt wohl nur daran, das keiner gerne seine Eltern verklagt…

  29. Doppelpostig (Anmerk. Admin)

  30. Verbot der Taufe? Eine heimliche Taufe bliebe auf ewig nicht nachweisbar. Der Vergleich mit der Beschneidung ist doch eine Kasperei!

  31. “Eine Beschneidung an Jungen ist vergleichbar (oder sogar weniger einschneidend) als das Ziehen eines Zahnes oder die Entfernung des Blinddarms oder der Mandeln. ”
    Keiner der genannten Eingriffe, abgesehen von der Beschneidung, erfolgt aufgrund einer elterlichen Anordnung/Wunsches, es liegt bei diesen medizinischen Eingriffen immer eine Indikation vor, teilweise (Blinddarmentzündung) geht es sogar um Leben und Tod des Kindes. Diese Art der Argumentation und derartige Vergleiche passen nicht zu ihren bisherigen meist sehr fundierten und sachlichen Ausführungen zu verschiedensten Themen. Ausschlagebend sollte doch in der ganzen aufgeladenen Diskussion die medizinische Bewertung des Eingriffs sein, wird dieser als nicht zumutbar (da ohne Narkose), oder sogar als medizinisch bedenklich (da gesundheitsschädlich), eingestuft, brauchts keine weiteren Diskussionen. Dann gehört die Beschneidung zu überholten Bräuchen (egal wieviel tausende von Jahren alt), die wie viele alte Bräuche und Traditionen abgeschafft werden müssen. Denn folgt man dem Gedanken, es handle sich um uralte Rituale und kulturelle, sowie religiös tief verankerte Gebräuche, dann dürfte sich z.B. auch niemand über die elterlich angeordnete Zwangsheirat erregen.

  32. “Es drängt sich der Eindruck auf, dass es hier nur um einen wohlfeilen Vorwand geht, nicht-christliche religiöse Minderheiten, deren Religionsausübung bestimmten Kreisen nicht passt, schikanieren zu können.”
    Und immer, wirklich immer wird die Rassisten-Keule, ausgepackt, besonders von Herrn Neumann enttäuscht mich das zutiefst! Keine Religionsgruppe wird in Deutschland derart kritisiert und unter die Lupe genommen wie die katholische Kirche und das mit gutem Recht. Aber auch andere Religionen und deren Ausübung muss man auf den Prüfstand stellen dürfen ohne dass einem – wieder mal – sofort niedrige Beweggründe unterstellt werden.
    “Verbot der Vorhaut-Beschneidung? – Einverstanden, aber nur unter der Bedingung, dass als Junktim auch die christliche Säuglingstaufe verboten und unter Strafe gestellt wird,(..)”
    Und auch das tropft nur noch vor Polemik………was ist denn nu passiert? Kasperltheater triffts punktgenau!

  33. Das ist doch ganz einfach: “Wir werden aufhören Fleisch zu essen”:

    Ein Verbot der rituellen Schlachtung von Tieren hindert Juden oder Muslime jedoch nicht an der Ausübung ihrer Religion. Während der Debatten über die Initiative der Partei für die Tiere hat sich der Oberrabbiner der Niederlande, Rabbi Binyomin Jacobs, gegenüber dem Parlament wie folgt geäußert: “Wenn wir in den Niederlanden keine rituellen Schlachtungen mehr durchführen können, werden wir aufhören Fleisch zu essen.” Und das ist selbstverständlich das, was man tun sollte, wenn man sich zu einer Religion bekennt, die verlangt, dass Tiere auf eine weniger tiergerechte Art und Weise geschlachtet werden als es durch moderne Methoden möglich ist.
    http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article107626857/Die-Religionsfreiheit-wird-fortlaufend-(missbraucht.html)

  34. Das Grundgesetz garantiert vorbehaltlos das Recht der Religionsausübung (Art. 4 Abs. 2 GG). Es garantiert auch das Recht der elterlichen Personensorge (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG). Kommt es hier zur Kollision mit anderen Grundrechten, dann muss – auch unter Berücksichtigung (vor-konstitutioneller) Traditionen – eine Abwägung stattfinden. Nach meiner Auffassung kann die Vorhaut-Beschneidung hingenommen werden. Sie ist ein zentraler Bestandteil der jüdischen Religion und hat für diese eine vergleichbare Bedeutung wie für die Christen die Taufe. Verbietet man die Beschneidung, kann nicht mehr von freier Religionsausübung gesprochen werden. In keinem westlichen Staat gibt es ein Beschneidungsverbot (von Jungen).

    Ich habe nirgendwo “die Rassistenkeule ausgepackt”. Mit “bestimmten Kreisen” habe ich vielmehr jene Sorte intoleranter katholischer Eiferer gemeint, die vornehmlich auf islamkritischen Blogs dadurch auffallen, dass sie bei jeder Gelegenheit Andersgläubige und Atheisten aggressiv beschimpfen.

    Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde hier über das Tanzverbot am Karfreitag diskutiert. Auch hierbei handelt es sich um irrationalen religiösen Obskurantismus, durch den in Grundrechte Dritter eingegriffen wird. Und genau dieselben Kreise, die jetzt ein Beschneidungsverbot fordern, vertraten dort den Standpunkt, der Grundrechtseingriff beim Tanzverbot müsse aus kulturell-historischen Gründen von Dritten hingenommen werden. Was für die Christen gilt (oder in Anspruch genommen wird), muss im Grundsatz aber auch für die Anhänger anderer Religionen gelten. Das gebietet die religiöse Neutralitätsverpflichtung des Staates.

  35. Um bei Ihrem Vergleich zu bleiben: Stellen Sie sich vor, sie möchten am Karfreitag einen Tanzschuppen betreten, und am Eingang werden Sie informiert: heute bleibt die Plattenküche kalt. Sie schimpfen (vielleicht zu recht) und ziehen von dannen. Stellen Sie sich nun zum Vergleich vor, anstelle des Verweises auf den Karfreitag legte Sie der Rausschmeißer auf den Tisch und schnitte Ihnen etwas ab.

  36. Mein lieber Herr Neumann, eben solche Pauschalurteile finde ich sehr problematisch und völlig unangebracht. Ich denke nicht, dass es sich um “bestimmte Kreise” handelt. Dies tut auch nichts zur Sache. Die freie Religionsausübung wird doch toleriert, ob aber auch jegliche Rituale toleriert werden müssen, steht auf einem anderen Blatt. Das Tanzverbot am Karfreitag hat was mit einer Beschneidung gemein??? Nix. Kann aber meiner Ansicht nach natürlich aufgehoben werden, da andere nicht durch die Religionsausübung einer Gruppe beeinträchtigt werden dürfen. Glaube und Religion ist Privatsache. Ob ein Eingriff wie die Beschneidung eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte von Kindern bedeutet, oder gesundheitlich bedenklich ist, wage ich gar nicht zu beurteilen, aber in Frage stellen darf man das schon. Denn die Beschneidung von Frauen wird beispielsweise auch nicht toleriert, ist vielleicht aber auch nicht ganz vergleichbar. Ob die “elterliche Personensorge” immer mit den Interessen des Kinders vereinbar ist, lasse ich mal dahingestellt.

  37. Ich verstehe Sie nicht. Was machen Sie, wenn eine Religionsgemeinschaft daher kommt und deren “zentraler Bestandteil ” ist das Entfernen von – suchen Sie sich irgend was an dem menschlichen Körper aus, was man ohne allzugroße Komplikationen wegschneiden kann. Fällt ihnen nicht auf, dass man sich als Religionsgemeinschaft nicht per se auf Religionsrechte berufen kann und das als Grundlage verwendet, anderen Menschen was WEGZUSCHNEIDEN oder anderen Lebewesen unnötiges Leid anzutun! Auch wenn Ihrer Ansicht nach die Beschneidung hingenommen werden kann – darum geht es nicht. Es geht um das anmaßende und falsche Rechtsempfinden, einem anderen Menschen unwiederbringlich etwas ABZUSCHNEIDEN zu drüfen, nur weil man “Religionsfreiheit” brüllt. Und Ihr Tanzverbot hinkt genauso, wie ihr vorheriger Versuch, diesen babarischen Blödsinn zu rechtferigen oder mit etwas gleich zu setzen, was nicht den Kern des Problems trifft. Ich verzweifle langsam an meinen ach so aufgeklärten Mitmenschen. Mir kommt die Weigerung, das Unversehrheitsrecht eines Anderen anzuerkennen und zu schützen so vor, wie die verbockten, alten Mullhas, die an Steinigung, ABSCHNEIDEN von Gliedmaßen usw. auch nichts anstößiges finden können – gehört auch zur Religionsausübung einer bestimmten Ideologie. Aber da ist doch hoffentlich auch für Sie die Grenze erreicht, oder?

  38. Lesen Sie doch einmal das Grundgesetz! Art. 4 Abs. 2 GG lautet:

    “Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.”

    Art. 6 Abs. 2 Satz 1 lautet:

    “Pflege und Erziehung des Kindes sind das natürliche Recht der Eltern (…)”

    Erziehung durch die Eltern bedeutet auch Erziehung des Kindes zur Religion der Eltern. Die Beschneidung von Knaben ist ein Initiationsritual, das in der jüdischen Religion eine zentrale Bedeutung hat, wie es auch ZK-Präsident Graumann nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 02.07.2012 noch einmal bekräftigt hat.

    Die Vorhaut-Beschneidung ist keine “Verstümmelung”, sondern von der Intnsität des Eingriffs her mit, sagen wir, dem Ziehen eines sog. Weißheitszahns vergleichbar. Ich verwahre mich gegen die Unterstellung, das Abschneiden von Händen, Ohren,der Klitoris oder das Steinigen gutzuheißen. Im Rahmen der vorzunehmenden Abwägung kommt es immer auf die Intensität und die Folgen des Eingriffs an.

    Nicht-christliche Religionen sind nicht schon deshalb “anmaßend und falsch”, nur weil sie anders sind.

    Gerade der jüdischen Religion haben wir in geistig-kultureller Hinsicht viel zu verdanken.

  39. Nicht alles, was früher so war, ist von vornherein schlecht. Auch als Beschnittener wird man groß. Das hat noch niemandem geschadet. Dasselbe gilt übrigens für eine Tracht Prügel durch den Lehrer.

    Lassen Sie doch bitte der Aufklärung und dem Fortschritt ihren Lauf und erlauben Sie, daß nach der Überwindung der körperlichen Züchtigung (die natürlich immer nur zum “Besten” des Kindes geschah) auch die körperliche Zeichnung überwunden wird.

  40. So, Herr Neumann, jetzt können Sie sich ja für die Beschneidungssache der Juden und Muslime stark machen! Ignorieren Sie weiterhin die Bewertung von Verbänden und Ärzten zur Beschneidung und unterstützen Sie die muslimischen Verbände in ihrem Vorhaben, die Verstümmelung ihrer Söhne vom deutschen Bundestag absegnen zu lassen: http://www.blu-news.org/2012/07/04/muslime-einig-wie-selten/

  41. @Carsten Neumann: Im Alten Testament wird die Züchtigung nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar immer wieder empfohlen: „Wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat.“, „Wer die Rute spart, hasst seinen Sohn, wer ihn liebt, nimmt ihn früh zur Zucht.“ etc. Trotzdem ist die Prügelstrafe inzwischen zurecht verboten. Obwohl die armen Freunde des Alten Testaments jetzt gar nicht mehr ihr Recht auf freie Religionsausübung und auf freie Kindererziehung ausüben können. Sogar zur Schule schicken muß man hierzulande seine Kinder! Ein Skandal.

    Und Sie wollen doch wohl nicht ein paar Tropfen Wasser auf dem Kopf mit der Amputation der Vorhaut (gern auch mal ohne Betäubung, an einer der empfindlichsten Stellen des Körpers!) vergleichen? Vergleichbar wäre es vielleicht noch, wenn die Christen den Kindern ein Kreuz irgendwohin tätowieren würden.

    Das Recht eines Kindes auf körperliche Unversehrtheit ist eine große gesellschaftliche Errungenschaft. Und KEINER Religion sollte es in ihrem spirituellen Wahn gestattet sein, wehrlose Kinder zu verletzen. Und das ist nicht kulturunsensibel, sondern die Konsequenz eines für alle geltenden Rechtsstaats. Und daß die medizinische Empfehlung vergangener Zeiten pro Beschneidung inzwischen überholt ist, ist ein Fakt. Früher hat man Kindern auch die Mandeln gekappt, im Schuhgeschäft die Füße geröntgt und weiteren Blödsinn getrieben, weil man es einfach nicht besser wußte. Wenn man es dann besser weiß, läßt man sowas sein bzw. wird von neuen Gesetzen dazu gezwungen – was ok ist, solange es dem Allgemeinwohl dient.. Oder man erklärt es zu “Religion” und “Kultur” und darf weitermachen.

    Ich hoffe sehr, daß dieses Urteil nicht in der nächsten Instanz wieder kassiert wird.

  42. Komisch,
    einst wollten Eure Opas und Omas uns an die “Eixxr” und nun sorgt Ihr euch um unseren “Rüsxxxl”!
    ist das irgendwie eine Fixe Idee oder was.
    Es gibt ca 15000000 Juden, also in etwas so viele Leute wie in Moskau oder Paris wohnen.
    Ich kenne nicht alle davon, aber ich kenne mehr von meinem Volk als die 3-4 Kostümjuden die man
    aus dem Netz sonst “kennt”.
    Ich bin beschnitten, finde es gut, hygjenisch, leichter zu säubern und hat auch bei den Damen optische und
    technische Vorteile. Ich kenne viele Juden, war zig mal auf Beschneidungen, einige der Jungs sind schon Männer, haben Kinder usw. Ist keine große Sache. manchmal blutet es nicht mal.
    Es ist ein Klaks Beschneidungen rückgängig zu machen, das war schon zu Zeiten der Makabäer (150 bc) möglich und helenistische Juden taten es um sich zu Helenisieren, heute geht die Zahal der Korekturen von Beschnidungen gegen 0, keine Sau verzichtet auf die Vorteile.
    Ihr geht hier nur einigen Schwulenaktivisten auf den Leim, für deren Sexpraktiken eine intakte Forhaut von nöten ist.
    Wir werden weiterhin beschneiden in Deutschland, ob Legal oder Illegal, in Auschwitz war es auch Illegal und
    wir werden es am 8en Tag nach der Geburt tun, so wie es seit Jahrtausenden brauch ist bei uns.
    Es ist auch nichts neues in Deutschland, die deutschen Könige erlaubten es schon im 7-8 jh.
    Kümmert euch um Eure eigenen Sxxxxnze.
    PS:
    Wer einmal im Sandsturm marschieren mußte, kennt die Vorteile einer Beschneidung,
    oder wie wir sagen, Brith Milah.
    _____________
    mfg
    schalomalechem.

  43. @ Kaffeetrinker, Thomas Frieling, Schulterschluss

    Religion ist immer mehr oder weniger irrational, sie ist der Versuch, die Welt auf irrationale Weise zu erklären – “bestenfalls” versucht Religion, gesellschaftliche oder ökonomische Machtinteressen zu verbrämen und metaphysisch zu legitimieren.

    Deswegen ist es unsinnig zu fordern, Religion(en) oder ihre Rituale sollten sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren. Dies muss zwangsläufig zur Auflösung jedweder Religion führen.

    Mir als Atheisten/Agnostiker kann das an sich egal sein.

    Nur: Im Grundgesetz wird nun einmal die ungestörte Religionsausübung – mit allen ihren Ritualen – gewährleistet. Und solange dies so ist, muss man die Rechtsgewährung ernstnehmen. Es ist vielmehr ein typisches Kennzeichen totalitärer Diktaturen, dass die Religionsausübung unterdrückt wird. In einer freiheitlichen Gesellschaft muss man daher auch religiöse Rituale tolerieren, die einem fremd erscheinen oder mit denen man nicht einverstanden ist.

    (P.S.: @ Kaffeetrinker

    Ob das sog. anti-autoritäre Erziehungsmodell der 68er wirklich ein Fortschritt war, da bin ich mir nicht so sicher. Wem als Kind keine Grenzen gesetzt werden, hat es später meist schwerer im Leben.)

  44. Das Argument, es würde dann im Auslsand oder in Hinterzimmern gemacht, lasse ich nicht gelten. Zum Einen kann aufgrund der Vorsorgeuntersuchungen leicht die Unversehrtheit des Kindes nachvollzogen werden. Zum Anderem könnte dann Mord und Vergewaltigung mit der Begründung, dann gehen die Täter eben ins Ausland oder machen es in Hinterzimmern, auch toleriert werden. Der Gesetzgeber darf keinen Fußbreit vor dem Unrecht zurückweichen und muß jede Straftat ahnden!

  45. Im Grundgesetz wird nun einmal die ungestörte Religionsausübung – “mit allen ihren Ritualen” – gewährleistet – Na, das halte ich für sehr optimistisch – selbst unsere “Alle-Welt-Versteher-Justiz” – kennt Grenzen. Wenn diese Rituale Köperverletzung u.Ä. inkludiern, könnte die ungestörte Religionsausübung problematisch werden.

  46. Vollends korrekt. Besser hätte ich es nicht formulieren können. Fort mit dem Steinzeit-Ritus!

  47. schalomalechem
    4. Juli 2012 at 22:51

    Komisch Mike. Du hier?

    Aber zu Deinen (hinlänglich bekannten) “Argumenten”:

    Wieviele Sandstürme hast Du in Deutschland schon erlebt?

    Seit Jahrtausenden praktiziert? Ich hatte Dich nicht so rückwärtsgewandt in Erinnerung. Wie ein Turban-Ork. Oder gönnst Du “Euren” Nachkommen nicht den Genuß, der Dir selber zeitlebens entgeht?

    Na und zu Deinem manischen Schwulenhaß möchte ich gar nichts mehr schreiben, das war immer schon zwecklos.

    Grüße, beneluchs

  48. @Carsten Neumann
    4. Juli 2012 at 10:57

    “In keinem westlichen Staat gibt es ein Beschneidungsverbot (von Jungen).”

    Spricht nicht gerade für diese westlichen Staaten, finden Sie nicht?

    Außerdem fordert niemand ein generelles Beschneidungsverbot, sondern nur ein Verbot der Beschneidung Minderjähriger aus religiösen Gründen. Erwachsene Muslime/Juden, die nicht einverstanden sind, können sich hoffentlich ohne weitere Unterstützung den Beschneidern widersetzen.

  49. @Carsten Neumann
    1. Juli 2012 at 19:13

    “Warum soll dies auf einmal anders sein?”

    Das wurde Galileo Galilei sicher auch von den Kirchenoberen gefragt. Die Erde ist doch eine Scheibe, oder? War immer so…

  50. @Carsten Neumann
    4. Juli 2012 at 13:44

    “Gerade der jüdischen Religion haben wir in geistig-kultureller Hinsicht viel zu verdanken.”

    Unzweifelhaft! Aber nicht gerade unumstößliche Erkenntnisse zum Thema religiöse Beschneidung Minderjähriger.

  51. @arik
    Wieviele Sandstürme hast Du in Deutschland schon erlebt?
    die welt ist ein dorf und wenn du die annehmlichkeiten hier als selbstverständlich nimmst,
    kann das leben dir eine letion erteilen.
    du weist, das leben erteilt öfters tödliche lektionen um andere an deinem leid zu erziehen.
    nun mit deinem text, von wegen
    rückwärtsgewandt , Turban-Ork. gönnst Du “Euren” Nachkommen nicht den Genuß, der Dir selber zeitlebens entgeht,, zu Deinem manischen Schwulenhaß.
    machst du mich richtig interessant und disqualifizierst dich selbst, danke für die werbung.
    PS: SO SAUBER WIE EIN RÜSSELLOSER bekommt man einen rüsselträger nur mit hilfe von desinfektion und nur für kurtze zeit!
    also # r.64
    deine jüdische stimme hast du nun.
    scheint hier nicht sehr erwünscht zu sein, fakten stören halt und die 100.000.000 amis lassen ihre
    kids auch nur aus jucks und dollerei zu beschneiden oder? ;)
    -

  52. Es kommt letztlich immer darauf an, welches Rechtsgut man höher bewertet. Gegen irrationale Spiritualität habe ich so lange nichts, wie niemand dabei zu Schaden kommt.

    Und, nein, ich erziehe mein Kind nicht antiautoritär im 68er-Sinne. Die gehen im Grunde genommen genauso gleichgültig und überfordert mit ihren Kindern um wie die Prügler. Ich würde meinen Erziehungsstil mit liebevoll und konsequent umschreiben. Und nein, ich habe mein Kind tatsächlich noch NIE geschlagen – und Kinder können selbstverständlich manchmal bis aufs Blut provozieren, meins auch. Es gibt aber auch andere Wege, Grenzen zu setzen; für die Erwachsenen ist das zwar anstrengender, aber ich denke, daß es sich lohnt.

  53. @Mike:

    Genau. Aus Jux und Dollerei. Welch ein Jux für die Kinder!

    Hundert Millionen beschnittene Amerikaner? Gemessen an der männlichen Gesamteinwohnerzahl und der dortigen massiven Pro-Beschneidungs-Propaganda ist das nicht viel.

  54. Petition gegen Beschneidung
    20. Juli 2012

    Text der Petition

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen, Personensorgeberechtigten jede rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung eines Jungen (Zirkumzision) oder eines Mädchens (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) im Hinblick auf die Verwirklichung der körperlichen Unversehrtheit des Kindes oder Jugendlichen bis zu dessen Volljährigkeit zu untersagen. Um dem Individuum die Option auf ein Leben mit unversehrten Genitalien und mit der Option auf eine selbstgeschriebene Biographie zu ermöglichen, insbesondere im Hinblick auf die Entscheidung, ob eine lebenslange Sexualität mit oder ohne Präputium (Junge) oder Klitorisvorhaut (Mädchen) verwirklicht wird, möge der Bundestag beschließen, in das Bürgerliche Gesetzbuch Buch 4 Familienrecht Abschnitt 2 Verwandtschaft Titel 5 Elterliche Fürsorge § 1631 Inhalt und Grenzen der Personensorge einzufügen:

    § 1631d
    Verbot der rituellen Genitalmutilation

    Die Eltern können nicht in eine rituelle, medizinisch nicht indizierte Beschneidung ihres Sohnes (Zirkumzision) oder ihrer Tochter (nach der Typisierung der World Health Organisation die FGM vom Typ I, II, III, IV) einwilligen. Auch das Kind selbst kann nicht in die Beschneidung einwilligen. § 1909 findet keine Anwendung.

    http://eifelginster.wordpress.com/2012/07/21/297/

  55. “Denn sie wissen nicht, was sie tun…”

    Sie wissen es sehr genau …

  56. Ich halte einen Großteil der Abgeordneten tatsächlich für nicht qualifiziiert genug, um die Tragweite dieser Entscheidung (den Dammbruch, den sie bedeutet) in Gänze abschätzen zu können. Die stimmen doch alles ab, solange ihr Pöstchen gesichert ist, fehlen gern und lesen Tischvorlagen nur gelegentlich.

    Ein klarer Verfassungsbruch ist’s trotzdem. Und es paßt in ein Bild des Umgangs mit dem politichen Islam (z.B. in Hamburg, München, Düsseldorf etc.), das Naivität bei den Verantwortlichen in der Tat immer unwahrscheinlicher werden läßt.

  57. Verfassungswidrig. Ganz klar. Auch hier können die Schreiberlinge anscheinend nicht bis 6 zählen. 2 ist klar vor 4 und 6. Und die Artikel des Grundgesetzes stehen nunmal nicht zufällig in einer bestimmten Reihenfolge. Zur Erinnerung: Art 2, Abs 2 Satz 1 GG: “Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.” Das ist klipp und klar – jede Schnippelei ist verboten. Punkt. Da hilft kein Allah, und kein Jahwe – weil wir unser(!) Gesetz so gemacht haben. Also wird ein Betroffener klagen müssen. Und Recht bekommen. Und die Dilettanten im Bundestag abermals blamieren – was wohl zum endgültigen Aus von SLS in der FDP führen wird. Dann wird Deutschland noch in Straßburg wegen Verletzung der UN-Kinderschutzkonvention Art 19 i.V.m. Art. 24 (3) “(3) Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen” verklagt. Und Schluss ist mit Schnipp-Schnapp. Traurig aber wahr.

  58. Wenn die Verletzung oder Entfernung der Vorhaut eine Menschenrechtsverletzung ist, was ist dann eine Abtreibung, wo der Mensch bevor er sich wehren kann, ermordet wird? Die Kölner Richter hätten im gleichen Atemzug die Abtreibung verbieten müssen, wenn sie weiterhin das Recht haben wollen, Recht zu sprechen.
    Eine heilbare Wunde ist schlimmer als der Tod. Wo sind wir in Deutschland hingekommen?

  59. @Arnulf Berlt,

    da haben Sie vollkommen Recht. Zum Thema Abtreibung, empfehle ich Ihnen folgenden Artikel auf dieser Seite:

    http://www.blu-news.org/2012/11/20/abtreibungspraxis-in-deutschland/

  60. Religion gehört VERBOTEN !!!!!!

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