Fragen an den Blauen Doc: Zufrieden ohne Marihuana-Freigabe: Die Kalifonier

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“Weiche” Drogen sollen nach dem Willen mancher legalisiert werden (Bild: Henning Hraban Ramm; Quelle: pixelio.de)

Um ehrlich zu sein: hier spricht der Blinde von der Farbe. Ich habe nie geraucht, weder mit Krümeln im Tabak noch ohne. Die Aufklärungsmaßnahmen in der Schule (ca. 1980) gegen Alkohol und Drogen erschienen mir wie bemühte Versuche der Erwachsenenwelt, die Jugendlichen von etwas abhalten zu wollen, was ohnehin niemand ernsthaft machen würde. Und ich nehme an, mindestens der halben Klasse ging es ebenso.

Tempi passati. Der Zeitgeist steht auf Liberalität? Ach wenn es doch bloß so wäre! Von der Arbeitswelt über die Vorratsdatenspeicherung bis hin zum Gesundheitswesen bestimmen Reglementierungen das Bild. Selbst eine „Rechtschreibreform“ haben wir uns aufs Auge drücken lassen (ich folge hier nur der Heyse’schen ß-Regel, um zu verschleiern, dass ich ansonsten renitent bin). Wie schön, dass nun der unausgelastete liberale Zeitgeist doch noch ein Feld gefunden hat, wo er sich ausspuken kann. Das Schlagwort lautet: Legalize – Aufheben des gesetzlichen Banns gegen Cannabis-Produkte.

Als Liberaler wird man natürlich schon etwas unruhig, wenn man vor der Frage steht, ob man den Menschen ein Stück Freiheit zurückgeben soll oder ob man besser dem deutlichen Empfinden folgt, dass das an dieser Stelle irgendwie nicht richtig ist. Und dieses Bauchgefühl ist überwältigend. Jetzt mag man einwenden, ein Bauchgefühl hat uns gerade eine untaugliche Energiewende beschert, und ein Bauchgefühl hat uns auch das Anwachsen der Eurozone eingebrockt. Es gibt sicher noch mehr Beispiele, bei denen man sich ein Kopfgefühl, also messbare und nachprüfbare Argumente, wünschte. Es ist klar: so billig kommt man als Befürworter der strengen Cannabisreglementierung nicht davon.

Auch der Verweis auf den Ausgang eines Volksentscheids Ende 2010 im Sonnenstaat Kalifornien genügt nicht. Dort wollte man in der Absicht, die Jugendkriminalität zurückzudrängen, die Drogenmafia zu schädigen und die Steuereinnahmen aufzubessern (!), älteren Erwachsenen ab 21 Jahren erlauben, geringe Mengen Marihuana zu besitzen und an nichtöffentlichen Plätzen zu konsumieren, falls keine Kinder in der Nähe sind. Die Kalifornier haben sich dagegen ausgesprochen.

Welche Grundlage hat nun das mit den Kaliforniern geteilte Bauchgefühl? In seinen eigenen vier Wänden kann ein erwachsener Mensch machen, was er will. Sollte dazu nicht auch gehören, sich zu berauschen oder zu betäuben? Beim Alkohol ist das doch auch erlaubt! Sollte dazu nicht auch gehören, sich in Gefahr zu bringen? Auf den Straßen und auf den Sportplätzen geschieht das doch ebenfalls!

Jeder wird zustimmen, dass Vertrieb und Gebrauch sehr harter Drogen definitiv nicht unter das Liberalitätsgebot fallen dürfen. Wo die Grenze zu ziehen ist, das ist dann ein stückweit beliebig. Sicher soll durch den Gebrauch kein Dritter gefährdet werden. Auch sollte die Substanz nicht eindeutig und unmittelbar gesundheitsschädlich sein. Die akuten Gefahren von Cannabis halten sich beim Erwachsenen offenbar in Grenzen. Wer Cannabis verbietet, muss sich fragen lassen, warum Alkohol weiter geduldet werden soll.

Und genau dort liegt der Hase im Pfeffer: Anders als beim Genuss von Alkohol, der niemals als Alkohol sondern immer als aromatisches Getränk konsumiert wird, geht es beim Gebrauch von Cannabis um nichts anderes, als das Herbeiführen des Rausches. Er ist der einzige Zweck der Übung. Das verbindet Cannabis mit allen noch härteren Drogen, und genau daher ist es unbedingt sinnvoll, die Grenze genau an dieser Stelle zu ziehen. Auch ein liberaler Staat darf und sollte  eindeutig Position beziehen und nicht ein Geschäftsmodell zulassen, dessen einziger Zweck die absichtlich herbeigeführte Besinnungslosigkeit ist. Der schnelle Rausch als gesetzlich sanktioniertes Angebot, quasi die Glückspille für Jung und Alt – das ist kein Fortschritt sondern Element von Endzeit-Visionen wie Huxleys Brave New World.

Hinzu kommt, dass der Cannabis-Konsum in der Regel in gesellschaftlichen Gruppen erfolgt. Sich dort in freier Selbstbestimmung dem Zugehörigkeitszwang zu entziehen, gelingt vielleicht manchem Erwachsenen. Für Jugendliche ist die Entscheidung, nicht mitzumachen, sich gegen die anderen zu stellen, erheblich schwerer. Dass Nutzung durch und Verkauf an Minderjährige weiter verboten bleiben soll, ist ein schwaches Argument. Ist der Damm der gesetzlichen Ächtung erst einmal gebrochen, dann wird sich Cannabis auch bei Jugendlichen verbreiten, so wie es heute bereits bei hochprozentigen alkoholischen Getränken der Fall ist. Überwachung, Kontrollen, Fahndung wegen der Weitergabe von Cannabis an Jugendliche hätte kaum geringere Ausmaße, als die heutigen behördlichen Maßnahmen rund um das Hanfprodukt.

Wenn der Vertrieb gesetzlich geduldet,die Beschaffung staatlich organisiert und der Genuss politisch idealisiert, geradezu glorifiziert wird, sollte dem wirtschaftlichen Erfolg des Produkts Cannabis nichts im Wege stehen. Auch die letzten Schüler müssten einsehen, dass sie mit ihrer ewig gestrigen Haltung, ohne Rausch geht’s auch, den gesellschaftlichen Anschluss verpassen werden.

Das kann man wollen, muss man aber nicht.

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Thomas Frieling

Für den Physiker ist klar: Demokratie ist keine exakte Wissenschaft, und Politik ist es ebensowenig. Tagesaktuelle Themen und solche, die immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen, stellt er - in blu-News als der Blaue Doc - aus unüblichen Blickwinkeln dar, manchmal eher nüchtern, manchmal satirisch aber niemals nur aus Spaß.

(12) Readers Comments

  1. Genauso könnte man behaupten, anders als beim Genuss von Cannabis, das niemals als reines THC sondern immer als aromatisches Kraut konsumiert werde, ginge es beim Gebrauch von Alkohol um nichts anderes, als das Herbeiführen des Rausches.

    Es gibt nur den feinen Unterschied, daß legal verkaufter Alkohol einen garantierten Wirkstoffanteil hat, also für den Nutzer besser zu dosieren ist, als verbotene Rauschmittel.

    Die Prohibition in den USA und der Drogenkrieg in Mexiko zeigen, daß derartige Verbote lediglich ein Konjukturprogramm für das organisierte Verbrechen sind.

  2. Am schlimmsten ist, das die meisten die hier Deutschland Cannabis konsumieren, In sehr vielen Fällen verunreinigtes Material rauchen. Der Schwarzmarkt will profitieren und da ist ihm jedes Mittel recht. Cannabis wird häufig mit Sand, Blei, Zucker, Haarspray oder Brix gestreckt um die die Gewinspanne zu maximieren. Diese Streckmittel sind schädlicher als die “Droge” selbst. Es ist von der Politik eine Schweinerei zuzusehen wie jetzt gerade in dieser Sekunde Menschen sich schädigen, obwohl sie eigendlich nur entspannen wollen.

    http://hanfverband.de/index.php/themen/streckmittel

  3. Das legalisieren von Cannabis Produkten hat noch einen schönen Nebeneffekt.
    Der Staat hat noch mehr Steuereinnahmen, die Zöllner können sich eher auf
    illegale Einwanderer als auf Kleinstschmuggler konzentrieren, die deutsche
    Justiz hat mehr Zeit für relevantere Geschichten und an der Konsti quatscht
    Dich endlich keiner mehr an !

    P.S.: Ein gutes Gras hat einen ganz feinen Geschmack,wie ein guter Wein eben auch.
    Für mich sind beides Drogen, wobei bei einer noch die Legalisierung kommen muss.

  4. @Volker

    Dies!

    Da kann man nur sekundieren.

    Es gibt auch ein schönes Lied, welches sich jeder mal anhören sollte – aber kennen sie bestimmt?!

    http://www.youtube.com/watch?v=D7kndAi-a3g

  5. Von den beiden einzigen Argumenten in dem Artikel ist das eine – es sei irgendwie weniger akzeptabel, wenn der Rausch gezielt herbeigeführt werde als wenn er nur ein (zufälliges? schon mal was von Komasaufen gehört?) Nebenprodukt sei – ein reines Glaubensbekenntnis und das andere – Cannabis-Konsum erfolge in Gruppen, wodurch der Sozialdruck größer sei – trifft auf Alkohol in mindestens gleicher Weise zu.

  6. nur das man vom häufigen alkohol saufen, magenprobleme wie kotzen und übelkeit als nebenwirkung hat,weils gift ist,legales gift,cannabis ist nicht toxisch und es sind auch keine leute dran verreckt wie an alkohol es millionen tuhen,ja was der dumme bauer nicht kennt,frisst er nicht,cannabis ist geil und ein echtes naturproduckt,die gante verbieterei ist schwachsinnig,typisch konservativ mit schlips und krawatte,die spiessergesellschaft braucht keine gefühle,lieber mit alk das volk dumm halten,traurig das die regierung nichts anderes zu tuhn hat als einem arbeitenden mensch seine feierabendentspannung vorzuschreiben was er darf und was er nicht darf,echt lächerlich auf dauer,unsere drogenbeauftragte frau bätzig hat von der materie 0 ahnung,ist wie eine mariunette der regierung,wenigstens hat die einen gutbezahlten job und braucht sich nicht mit drogen berauschen,weil sie dafür schön urlaub macht,wenn andere schicht arbeit machen müssen. m f g

  7. hallo,und nicht zu vergessen,der kater nach dem saufen,bei cannabis ist der nicht so hart,es sei denn man hat beides intus,dann doch am besten nur kiffen,lasst doch den staat auf seinem alkoholsteuern sitzen.

  8. *** Doppelposting ***

  9. alkies vor,noch ein tor,bürgerlich und spiessig,völlig bescheuert gegen cannabis zu sein,doofe idioten wirds leider gottes immer geben, ,die nit wissen was gut schmeckt?

  10. EINE LEGALIESIERUNG IST BESSER ALS DIE QUÄLEREI DER BESCHAFFUNGSKRIMINALITÄT,ZUDEM IST ES EINE ZUMUTUNG UNTER ANDEREM FÜR HARTZ4 KIFFER 10 EURO FÜR EIN GRAM AUF DEM SCHWARZMARKT BLECHEN ZU MÜSSEN,dann auch noch dreck reingepanscht,KANN MAN NUR ALS UNMENSCHLICHE DROGENPOLITIK ERKENNEN,WENN MAN DIE ALKIES SO VERFOLGEN WÜRDE WIE DIE KIFFER WÄRE DEUTSCHLAND EIN AUSWANDERUNGSLAND,UND GENAU DAS BLEIBT EINEM NUR WENN NICHT ENDLICH EINE KLEINSTMENGE LEGAL IN DER APOTHEKE ZUM BEISPIEL ERHÄLTLICH IST,ABER NEIN DIE KONSERVATIVE CDU FOLTERT NUN MAL GERNE ANDERS DENCKENDE MENSCHEN TRAURIGES GERMANY VON NIX AHNUNG ABER SCHÖN KRIMINALIESIEREN EIN NATÜRLICHES PFLÄNTZCHEN DAS NIEMAND ZU SCHADEN BRINGT,WENNS SO WEITERGEHT BITTE KOFFER PACKEN,ADE DEUTSCHLAND DAS DIE FREIHEIT UNTERDRÜCKT VON CANNABISFREUNDEN,ZUM KOTZEN HIER,KEIN WUNDER DAS MEISTEN HOLLÄNDER NICHT NACH DEUTSCHLAND ZIEHEN WÜRDEN,eher umgekehrt.

  11. warum ist alk ein genussmittel ? UND HANF MICHT?

  12. denn beides sind droge

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