München Regional — 28 Juni 2012

Spiegel Autor zeigt der Union deutlich ihre Schwachstellen auf

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Hat der CSU einiges über die Auseinandersetzung mit Linken zu sagen: Jan Fleischhauer (Bild: Michael Thurm; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Während am Münchner Himmel sich ein Gewitter zusammenbraute schwitzte im klassisch gehaltenen Saal des Künstlerhauses nahe des Münchner Stachus und damit inmitten der rot-grün regierten bayerischen Landeshauptstadt die CSU in ihrem eigenen selbstherrlichen Saft. Der Spiegel Autor Jan Fleischhauer referierte am Dienstag vor einer Woche auf Einladung der Jungen Union und der CSU-Mittelstandsvereinigung über die politische Moralisierung des Lebens.

Der souverän und unterhaltsam gehaltene Vortrag wurde mit Videoeinspielungen visuell untermalt. Fleischhauer zeigte exemplarisch Ausschnitte aus der Doku zu seinem Bestseller „Unter Linken – von einem, der aus Versehen konservativ wurde“. Anhand seiner im Rahmen dieser Dokumentation geführten Gespräche mit Claus Peymann, Hans Christian Ströbele und Dieter Hildebrandt zeigte er wie die Linke mit Humor in ihrer Borniert- und Saturiertheit vorgeführt und entlarvt werden kann.

Fleischhauer und die linke CDU

Jedoch ebenso entlarvend war die Reaktion auf das per Video vorgeführte Interview des Autors der Spiegel-Kolumne „Der schwarze Kanal“ mit Dieter Hildebrandt, in dem der Spiegel-Autor anmerkte, die CDU sei doch auch eine linke Partei. Die Erwiderung des Kabarettisten Hildebrandt, die Union würde sich lediglich als linke Partei geben, wurde von wenigen im Publikum mit Schmunzeln zur Kenntnis genommen und von der schwarzen Nomenklatura großzügig überhört.

Als Fleischhauer den typischen Konservativen als einen in sein Rotweinglas heulenden Waschlappen beschrieb, der sich in Hinterzimmergesprächen ob der Behandlung durch Mutti beklagt, waren zwar viele angesprochen aber nur wenige im Saal sahen sich selbst addressiert. Dies verwundert angesichts dessen, dass man seites der CSU in München selbst dieses Geflenne schließlich schon durch die Schaffung einer angeblichen „Großstadtpartei” institutionalisiert hat.

Diese Diskrepanz wurde in der Fragerunde durch die Anmerkung weiter verdeutlicht, als danach gefragt wurde, ob etwa eine Union, die für die Abschaffung der Wehrpflicht, den Ausstieg aus der Kernenergie und weiterer seit Jahrzehnten von Linken erträumten politischer Maßnahmen oder wie die Münchner CSU, welche sich explizit für eine Großmoschee einsetzt, überhaupt noch als konservativ bezeichnet werden kann.

Was zu tun ist – oder vielmehr wäre

Weniger aufschlussreich als Fleischhauers Antwort war der auf die Frage folgende Applaus, der in Teilen des Publikums frenetisch und bei manchen Granden der CSU eher unterkühlt ausfiel.
Doch es wurde nicht nur Kritik geäußert, sondern auch konkrete Handlungsmöglichkeiten diskutiert. Auf die Frage, wie die Republikaner in den USA die Meinungshoheit zurückeroberten, ging Fleischhauer auf die Graswurzelphilosophie der amerikanischen Konservativen ein. So hätten vermögende Konservative wie William F. Buckley, etwa Zeitschriften wie die National Review ins Leben gerufen und auf ihrem Weg ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit begleitet. Insbesondere Think Thanks wie die Heritage Foundation hätten zur intellektuellen Strahlkraft und in Teilen sogar Überlegenheit des konservativen Lagers beigetragen.

Ob allerdings eine satte und in weiten Teilen erlahmte, antriebslose und opportunistische Union die Kraft aufbringt, derartiges aufzubauen oder zumindest zu unterstützten, darf angesichts der nunmehr fast 40-jährigen weitgehenden Untätigkeit auf diesen Gebieten bezweifelt werden. (FG)

Artikelbild: Hat der CSU einiges über die Auseinandersetzung mit Linken zu sagen: Jan Fleischhauer (Bild: Michael Thurm; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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