München Regional — 05 Juni 2012

Innenminister Joachim Herrmann: Sarrazin gilt nicht für Bayern

 

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Bayern Innenminister macht überraschende Beobachtung. Joachim Herrmann mit dem türkischen Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu (Bild: Bayerisches Staatsministerium des Inneren, Esin Tekige)

Durch das den Raum München und Augsburg abdeckende Magazin Ari wird eine Art Pressekonferenz des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann wiedergegeben, die der CSU-Politikers im Rahmen eines Geschäftsessens gab. Unter der eher sperrigen und sprachlich eigenwilligen Überschrift, Minister Joachim Herrmann: „In Bayern war bis heute kein Fall des Terrorismus zu verzeichnen, an der ein türkischer Mitbürger beteiligt war“, gibt der CSU-Politiker nach Angaben von Ari überraschende Einsichten von sich.

Das nach eigener Darstellung deutsch-türkische Magazin Ari gibt in seiner Ausgabe März bis Mai 2012 Herrmann mit der Einsicht wieder, im Gegensatz zu Berlin oder Frankreich hätten die Muslime in Bayern in Hinsicht auf ihre Integration weniger Probleme als das sonst der Fall sei. Die durch Thilo Sarrazzin in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” aufgestellten, gerade in Bezug auf muslimische Zuwanderer kritischen Thesen, würden auf die Muslime in Bayern auf keinen Fall zutreffen.

Multikulti-Paradies Bayern?

Und, so wird Herrmann weiter wiedergegeben, Bayern sei ein Land der verschiedenen Kulturen, in dem kein Raum für die Entstehung von Parallelgesellschaften sei.

Der Innenpolitiker klingt gegenüber der deutschen Presse – im Gegensatz zur deutsch-türkischen – doch gänzlich anders. So berichtet das Migrantenmagazin Migazin im April 2012 in dessen Pressespiegel, in dem die Inhalte deutscher Medien wiedergegeben werden, der bayerische Innenminister habe zu Muslimverbänden und Integration eine eher kritische Sichtweise zu erkennen gegeben: Joachim Herrmann wirft muslimischen Verbänden in Deutschland mangelnden Einsatz für die Integration von Zuwanderern vor. Zum Thema Leitkultur sagte der CSU-Politiker: “Multi-Kulti ist gescheitert.”

Dies dürfte keine Sichtweise sein, die Herrmann in der letzten Zeit entwickelt hat und damit nach der von Ari dargestellten Pressekonferenz. So hatte der gelernte Jurist im Zusammenhang mit der Forderung des Vorsitzenden der türkischen Gemeinde, Kenan Kolat, nach einem Integrationsministerium Anfang 2011 gegenüber Focus noch auf die positiven Aspekte der durch Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab” ausgelösten Debatte verwiesen.

Sarrazin nach Ansicht von Herrmann hilfreich

So verteidigte Herrmann im Januar 2011 in der damals noch hysterischen Atmosphäre und Diskussion den ehemaligen Bundesbanker: „Bei aller Kritik an einzelnen Passagen des Buches: Sarrazin hat mit Fakten belegt, dass Multi-Kulti unsere Gesellschaft in die Sackgasse führt.“ Sarrazin habe „den Finger in die Wunde gelegt, dass es viele Zuwanderer gibt, die nicht integrationswillig sind“. Zudem, so der CSU-Politiker weiter, habe das SPD-Mitglied aufgezeigt, dass „große Teile der Politik das Thema tabuisieren“. Daher könne man es „als Fortschritt ansehen, dass Sarrazin mit seinem Buch Bewegung in die Debatte gebracht hat, die wir in der CSU schon lange führen“.

Die Debatte führte anscheinend zu dem Ergebnis, dass es mit den Zuwanderern – zumindest den türkischen – in Bayern keine Probleme gibt. Wo bei solchen Einsichten Herrmann eine „Bewegung in der Debatte” ausgemacht haben will, wird allerdings sein Geheimnis bleiben. (CJ)

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