Frank-Furter Schnauze: Wer die EM 2012 boykottieren will, muss auch die WM 2022 kritisieren

Hier soll das Finale der EM 2012 stattfinden: Das Nationalstadion in Kiew (Bild: Football.ua; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe unten)

Ja, es ist wahr. Eine Europameisterschaft in einem Land, in dem Zustände herrschen wie in der Ukraine, ist im Grunde nicht akzeptabel. Wer jedoch nun wie SPD-Chef Sigmar Gabriel nach Boykott ruft, sollte wenigstens so ehrlich sein, sich selbst (und gegenüber der Öffentlichkeit) einzugestehen, dass es noch bis vor Kurzem politisch außerordentlich gern gesehen war, Veranstaltungen wie diese in Ländern wie diesem durchzuführen. Und gerade die Sozialdemokraten, denen die Öffnung Europas nach Osten (und sonstwo hin) in der Regel gar nicht schnell genug gehen kann, sollten sich hier mit Kritik lieber zurück halten.

Verräterische Doppelmoral

Was die Ukraine für die UEFA und Europa ist, das ist Katar für die FIFA und die Welt. Dort, im Sand der arabischen Wüste, soll 2022 eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden. Und nicht nur aus klimatischen und organisatorischen Gründen erscheint diese Entscheidung höchst fragwürdig. Denn im Vergleich zu Katar ist die Ukraine in Punkto Menschenrechte ein Musterknabe. In arabischen Emiraten herrscht vornehmlich der Wahhabismus, Frauen sind nicht gleichberechtigt, Nicht-Muslime rechtlich schlechter gestellt, Willkür-Justiz (manche sagen auch „Scharia“ dazu) ist an der Tagesordnung.

Die Menschenrechtsorganisation Freedom House bewertet die Lage in Katar laut Wikipedia wie folgt: „Auf einer Skala der politischen Rechte und Freiheitsrechte von 1 (größte Freiheit) bis 7 (geringste Freiheit) wird Katar im Bericht ‘Freedom in the World’ als nicht frei (6) bezüglich politischer Rechte und nicht frei (5) bezüglich Freiheitsrechte eingestuft.“ Und Amnesty International, weiß Gott nicht als islamkritische Vorzeige-Organisation bekannt, listete in ihrem Jahresbericht 2010 zahlreiche Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen im Emirat Katar auf.

Kurzum: Wer die Europameisterschaft 2012 in der Ukraine boykottieren will, muss konsequenterweise auch die Entscheidung für eine Weltmeisterschaft in Katar 2022 kritisieren. Alles andere wäre eine verräterische Doppelmoral.

Das ist ein anderes Kaliber

Doch bezeichnenderweise ist genau das der Fall: Kein Wort der Kritik an Katar 2022, auch nicht jetzt, wo sich eine Debatte zu dem Thema angesichts der Entwicklungen in der Ukraine geradezu aufzwängt. Vielleicht ist man ja in Kreisen der SPD-Führung (und andernorts) der (naiven!) Meinung, die Dinge würden sich in Katar bis dahin schon nach westlichem Gusto entwickeln!? Ein realistischer Blick auf die „Arabellion“ und den Siegeszug islamistischer Kräfte in Nordafrika lässt eher das (traurige!) Gegenteil vermuten.

Die Wahrheit ist: Den „bösen Russen“, beziehungsweise dessen ukrainischen Verwandten, kann man auch heuer noch recht unbescholten kritisieren. Wer das tut, ist nicht gleich ein „Nazi“, sondern gegebenenfalls nur ein gutmütiger, um Menschenrechte, Freiheit und Demokratie besorgter SPD-Chef. Glücklicherweise gibt es auch keinen Zentralrat der Ukrainer in Deutschland, dessen Vorsitzender sich medial höchst wirksam über diesen unkontrollierten Ausbruch von „Slawophobie“ zu echauffieren wüsste.

Wer jedoch die Lage in Katar kritisiert, kommt um eine kritische Auseinandersetzung mit der dortigen politischen Ideologie, dem Islam archaischer Prägung, nicht umher. Das ist schon ein anderes Kaliber, da schaut es sich freilich besser weg. Und wer weiß, wer in zehn Jahren SPD-Chef ist?

Menschenrechte, Freiheit und Demokratie…

Ein anderes Land, das bereits angekündigt hat, gerne eine Fußball-Europameisterschaft ausrichten zu wollen, ist die Türkei. Auch dort ist es um die Lage der Minderheiten alles andere als gut bestellt. Auch dort sind Menschenrechte, Freiheit und Demokratie eine Farce. Und auch dort wird es nicht besser, sondern schlimmer. Doch mutmaßlich wird sich auch dort niemand daran stören. Denn auch dort ist der Islam der Grund für die Missstände. Die Türken werden ihre EM bekommen. Da ist von auszugehen.

Allerdings frühestens im Jahr 2020. Denn 2016 sind erst einmal die Franzosen an der Reihe. Und wenigstens in Frankreich hat es noch Menschenrechte, Freiheit und Demokratie. So wie hierzulande. So wie überall in der Brüsseler Zentral-Dikta… ‘tschuldigung, der Europäischen Union! Oder?

Artikelbild: Das Nationalstadion in Kiew (Bild: Football.ua; Quelle: Wikipedia; Rechte: Siehe Link)

Share

About Author

Marco Pino

(7) Readers Comments

  1. Ist doch viel einfacher und naheliegender (auch im geographischen Sinn), die Ukraine zu bashen. Und es ist doch nicht im deutschen Interesse, die katarischen Geldgeber zu verprellen, wo es doch in Deutschland so viel zu kaufen, äh, zu sponsern gibt.

  2. Ich war eigentlich auch fest überzeugt davon, dass die Türkei die EM kriegt. Das passt einfach zu gut in die Vergabepolitik der Verbände, politisch “stabil genug” gewordenen Gebiete wann immer möglich zu erschließen.
    Was bei der UEFA mMn vor allem auf Politik innerhalb des Verbands zurückzuführen ist (Platini will die Stimmen der ost- und südosteuropäischen Länder, s. auch CL-Teilnahmeveränderungen) wohingegen es bei der Platterschen FIFA ums Geschäft geht. Und da ist man, wie auch die Formel 1, noch rücksichtsloser.

    Bei der UEFA konnte man nun aber in Presseberichten vor einigen Wochen schon vom großen Murren der Funktionäre lesen, Tenor: Sowas machen wir nicht noch einmal. Damals ging es um Korruption und Mafia, die den ohnehin in Verzug geratenen Stadionbau behinderte (mittlerweile auf Kosten des ukrainischen Steuerzahlers gelöst) und die Unterbringung der Fans teuer und kaum mehr planbar macht (immer noch ein Riesen-Problem).
    Und nun auch noch diese politische Dimension. Vielleicht ist man ja wirklich lernfähig…

    Die FIFA sicher nicht. Aber die äußere Kritik hinsichtlich Katar unterscheidet sich in meinen Augen nicht sonderlich von der bzgl. der Ukraine, sondern ist eher zeitlich zu erklären:
    Erste Kritik gibt es zum Zeitpunkt der Vergabe, damals bei Ukraine genauso wie nun bei Katar (und hier sogar heftiger). Es folgt eine Ruhephase (der Ohnmacht?), in der ab und zu Berichte zum Thema stattfinden. Zur EM ging es vor allem um den stockenden Stadionbau, zu Katar geht es ums Klima und für die Fans um Fragen wie “Darf im und/oder außerhalb des Stadions Alkohol getrunken werden?”. Je näher das Turnier rückt, desto häufiger werden solche Überlegungen kommen. Was machen die Kataris z.B. mit üblichen WM-Erscheinungen wie halbnackten weiblichen Brasilianerinnen ;) oder ganz nackten männlichen Briten :o
    Und wie die Region politisch in zehn Jahren aussieht lässt sich tatsächlich nicht sagen. Atomares Wettrüsten mit Iran? Unruhen? Musterdemokratie *hüstl?

    Und vielleicht muss man der FIFA ja auch dankbar sein, dass sie relativ zeitnah die Unterschiede westlicher Kultur (Feier-WM in Brasilien) und islamischer Kultur (Bart-WM? in Katar) einem Milliardenpublikum derart sichtbar gegenüberstellen wird.

  3. test

  4. Wie wär es einfach mal mit Fußball spielen?

  5. Fritze Walter: Ich gucke UEFA-Turniere nicht wegen der Politik sondern wegen dem Fußball.
    Natürlich drängeln sich jetzt wegen dem zahlreichen Publikum die Politiker nach vorn. Bei mir können sie da nichts gewinnen. Jeden Politiker, der mir die Freude am Fußball vergällt, schreibe ich in mein Tagebuch. Und dann wird er niedergemacht bis er nicht mehr öffentlich in Erscheinung tritt. Da kenne ich kein Pardon.

  6. Man hat dem Kind für sein Artigsein etwas versprochen und freut sich mittlerweile selbst so sehr auf das Geschenk, daß man es nicht übers Herz bring, die Konsequnz zu ziehen, wenn es dann doch nicht artig ist. Die Eisenbahn (oder Playstation) gibt es dann trotzdem. Und die EM/WM/olympischen Spiele ebenfalls.

  7. Sinn und Zweck dieser Propaganda Übung ist doch letztendlich.
    Der Bürger soll begreifen: Entscheidungen „unserer Volksführer“ sind sakrosankt.
    Eine nachträgliche Haftung (wie bei Timoschenko), muss definitiv ausgeschlossen werden.
    Mann stelle sich vor, in Deutschland würden Politiker (egal welcher Couleur),
    für die Schuldenmacherei (ESM usw.), zulasten des Deutschen Volkes, haftbar gemacht werden.
    Das dafür das Ukrainische Volk, mit dem Verlust, der z.T. mit vielen persönlichen Opfern geförderten EM,
    jetzt herhalten muss, ist mehr als traurig.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>