News Wirtschaft — 13 April 2012

Schariagemäße Geldanlagen haben ein übermäßige Nachfrage ausgelöst und sind dennoch ein Nischenprodukt

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Weil es im Koran so steht: Sure 2, Vers 275 verbietet Zinsen (Bild: blu-News)

Laut einer Meldung des Finanzmagazins Cash nahm das Volumen der korankonform emittierten Finanzprodukte 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent zu. Die gesteigerte Nachfrage soll auf die konservativere Strategie der Anleger zurückgehen, die nach der Finanzkrise im besonderen Maße Vertrauen auslösen würde.

Nach der Scharia ist die Erhebung von Zinsen verboten. Allerdings ist bei den von Allah erlaubten Geldgeschäften eine Gewinnverteilung möglich. Bei näherer Betrachtung der Sukuk genannten schariakonformen Finanzprodukte lässt sich allerdings feststellen, dass die Zinsen, die keine sein sollen, nur nicht so benannt werden dürfen.

Kapitalkosten, die angeblich keine Zinsen sind

Denn letztlich werden in einem Dreiecksverhältnis nur die Rollen getauscht. Anstatt dem Käufer eines 30.000 € teuren Autos 35.000 € zu leihen, und somit über die Laufzeit 5.000 Zinsen zu verlangen, kauft die Bank das Auto. Das für 30.000 € erworbene Gefährt “verkauft” die Bank nun für 35.000 € an den Bankkunden.

Allerdings sind solche in diesem Beispiel leicht simplifizierten Anleihen schwerer zu gestalten und müssen zudem von islamischen Rechtsgelehrten abgenickt werden. Daher dürfte es kein Wunder sein, dass trotz der Zunahme der Volumina um 150 Prozent in den letzten 5 Jahren die Sukuks bislang lediglich ein Prozent des Gesamtmarktes ausmachen.

Sachsen Anhalt legte Scharia Anleihe auf

Es geht so manchem wohl auch um den Werbeeffekt, den man mit diesen Sukuks erreichen kann. So legte das Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2004 eine solche Anleihe auf. Dass das Land daher heute noch auf jeder Islamic Bank Conference erwähnt werde, freut Edgar Kresin, der im Finanzministerium in Magdeburg für Anleihen zuständig ist. “Das Land kann sich damit als weltoffen zeigen”, meint Kresin.

Sich als weltoffen zu verstehen, weil man einem Rechtssystem Vorschub leistet, das auch Hände abhacken und Steinigen vorsieht, dürfte die Geldgeber freuen. Daher ist solcherart angelegtes Geld aus Sicht der Anleger aus solchen Staaten wie Saudi Arabien und Katar eine gute Investition – denn es bringt in ihrem Sinne gute Erträge. Nur Zins darf es keiner sein. (CJ)

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