Hintergründe Interview — 04 April 2012

Interview mit Lars Hedegaard über das Dänemark nach den Mohammed-Karikaturen, die neue Regierung und eine Million Euro

Lars Hedegaard, Vorsitzender der International Free Press Society (Bild: Free Press Society)

Dänemark ist als kleines Land nicht besonders einflussreich in der Europäischen Union. Doch spätestens, seitdem Ende 2005 dort die Mohammed-Karikaturen erschienen, rückte das Land in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Für blu-News sprach Felix Strüning mit dem Dänen Lars Hedegaard, Vorsitzender der International Free Press Society (IFPS) über die Entwicklungen in seinem Land, die Chancen einer friedlichen Lösung des Islam-Problems und darüber, was er mit einer Million Euro tun würde (englisches Original bei Citizen Times). 

blu-News: Herr Hedegaard, vor sechs Jahren veröffentlichte die dänische Tageszeitung Jyllands-Posten die berühmten zwölf Mohammed-Karikaturen. Kurt Westergaard, einer der Künstler, lebt wegen der Morddrohungen seitens der Islamisten noch heute mit Personenschutz. Wie hat sich die Stimmung denn allgemein in Dänemark entwickelt?

Lars Hedegaard: Es gibt so einige Anzeichen, dass Teile der Bevölkerung müde werden und gerne wieder einen „normalen“ Zustand erreichen würden. Anfang März behauptete die führende politisch-korrekte Zeitung Politiken sogar, dass die Debatte über den Islam und Zuwanderung vorüber sei – genau das, was die Zeitung gerne hätte.

Wie auch immer, sie werden ihren gemütlichen und warmen Wohlfahrtstaat von vor ein paar Jahrzehnten höchstwahrscheinlich nie wiederbekommen. Und das hat nur wenig damit zu tun, was wir Dänen sagen oder tun. Wie Bernard Lewis, einer der weltweit angesehensten Islamwissenschaftler schon im Jahr 2006 sagte, beweist der höllische Aufruhr von islamischen Staaten und Fanatikern auf der ganzen Welt über ein paar Zeichnungen, dass sie Dänemark bereits als dar al-Islam verstehen, also als Teil der Welt, in dem die Scharia, das islamische Recht gilt.

Sie betrachten uns als erobertes Land und diejenigen von uns, die diese neuen Umstände nicht akzeptieren wollen, werden als Widerständler gegen die von ihnen geplanten theokratischen Gesetze aufgefasst. Für eine gewisse Zeit könnten die Leute zu müde sein, um über den Islam und die demografische Veränderungen in unserem Land zu diskutieren. Aber diese Debatte wird mit umso größerer Macht zurückkommen, je mehr Menschen verstehen, was in unserem Land passiert.

Seit Oktober 2011 haben Sie eine neue Regierung aus Sozialdemokraten und Sozialisten. Spüren Sie bereits Änderungen im Verhältnis zu den zehn Jahren erfolgreicher Politik unter Premier Rasmussen?

Lars Hedegaard: Ja, einige Veränderungen sind offensichtlich. Vor der Wahl versprachen die linken Parteien, die die Wahl gewonnen haben, dass sie die Zuwanderungspolitik der vorherigen Mitte-Rechts-Regierung nicht ändern werden. Sie brachen dieses Versprechen – so wie sie praktisch jedes Wahlversprechen gebrochen haben.

Nun haben wir realistisch gesehen wieder eine unkontrollierte Zuwanderung. Und gleichzeitig macht es die sozialistische Regierung für Migranten lukrativer, Transferleistungen zu beziehen, anstatt zu arbeiten.

Sie sind der Vorsitzende der International Free Press Society und vernetzt mit Politikern wie dem Niederländer Geert Wilders, mit Aktivisten wie der Österreicherin Elisabeth Sabaditsch-Wolff und Organisationen wie dem US-amerikanischen Middle East Forum von Daniel Pipes. Was macht die IFPS konkret und welche Rolle spielen Sie persönlich?

Lars Hedegaard: Die IFPS ist eine kleine Gruppe von Menschen, die andere politisch berät. Wir sind in Kontakt mit Gleichgesinnten in der ganzen westlichen Welt, also Menschen die bereit sind, für die Freiheit und insbesondere die Meinungsfreiheit einzustehen. Meine Aufgabe ist es vor allem, die Danish Free Press Society zu leiten, die seit mehr als acht Jahren existiert. Wir sind ein Verein mit einem Vorstand und dem alleinigen Zweck der Verteidigung der Redefreiheit. Unsere Mitglieder können ihre eigene Meinung vertreten, solange sie nicht Gewalt oder Totalitarismus befürworten. Bei uns sind Menschen aller Religionen und politischen Richtungen willkommen.

Mal ganz allgemein: Wie können wir denn die Situation der islamischen Zuwanderer in Europa lösen?

Lars Hedegaard: Die wichtigste Aufgabe ist es, dass die Menschen verstehen, was der Islam alles bedeutet. Dass er keine Religion gemäß unserem traditionellen Verständnis darstellt. Er entspricht mehr einer politischen Ideologie, die absolut fremdartig und gegensätzlich zu den Lehren der westlichen Zivilisation ist. Bis wir das wirklich verstanden haben, werden wir keine Idee haben, wie wir muslimischen Zuwanderern helfen können, sich zu integrieren und sich sogar in den Ländern, die sie aufgenommen haben, zu assimilieren.

War denn die Zuwanderungspolitik der letzten dänischen Regierung ein Vorbild für die Europäische Union?

Lars Hedegaard: Nein. Die Zuwanderungspolitik unserer früheren Regierung wurde weithin als sehr rigide angesehen. Aber das war nicht der Fall. Auf lange Sicht haben sie gerademal eine kleine Delle in der Veränderung unserer Gesellschaft hinterlassen, die zu immer mehr migrantischen Parallelgesellschaften, mehr oder weniger außerhalb der dänischen Gesellschaft, führt.

Die meisten unserer Politiker scheint das nicht zu stören.

Angenommen, die IFPS würde eine Spende in Höhe von einer Million Euro erhalten. Was würden Sie damit machen?

Lars Hedegaard: Ich würde alles in eine altmodische, gedruckte Zeitung investieren. Ich glaube, dass das gedruckte Wort mehr Einfluss hat, als das Internet. Unglücklicherweise haben wir keine seriösen Zeitungen mehr, die ihren Zweck darin sehen, echte Informationen zu den Menschen zu bringen. Die meisten Journalisten bevorzugen es, ihre Leser zu belehren und darauf zu achten, dass die Bevölkerung den tugendhaften Pfad des Multikulturalismus und des Kulturrelativismus nicht verlässt.

Wir brauchen eine echte Presse!

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Felix Strüning

(4) Readers Comments

  1. Wir brauchen mehr Menschen wie Sie, Herr Hedegaard !!! Und Danke an Herrn Strüning! Wichtig, solchen mutigen Menschen wie Herrn Hedegaard so oft als möglich eine Stimme zu geben!

  2. Günter Grass : Du hast nicht gesagt
    http://www.box.com/s/27b5b91595cfea5fff05
    …………………………………………………..
    Myriam Monsonego : Der Tod der Blume
    http://www.box.com/s/eb129fe54f357c14b6d2
    ……………………………………………………
    Katajun Amirpur und Navid Kermani :
    Die fanatischen Mohammedaner und Antiiraner
    http://www.box.com/s/5p47gk5xonfdhc7cirut

  3. Pingback: “We hebben een echte pers nodig!” | E.J. Bron

  4. Übringens der freie Journalist Udo Wolter aus Berlin, der seit den 90igern lesenswerte islamkritische Artikel in der linksextremen Wochenzeitschrift Jungle Word geschrieben hat ist seit 2 Jahren nur noch vereinzelt in der Jungle Word zu finden und seit Juli letzten Jahres gab es keinen Artikel mehr von ihm. Islamkritik wurde immer weniger links… Hier ein Klassiker zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:
    Die Würde des Islam ist unantastbar:
    http://jungle-world.com/artikel/2008/32/22381.html

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