Frankfurt Regional — 04 April 2012

Flughafenausbau bestätigt, Nachtflüge verboten

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Der mit Abstand größte deutsche Flughafen: der RheinMain-Flughafen in Frankfurt. Hier im Jahr 2010, die neue Landebahn-Nord oben rechts im Bau (Bild: Schtone; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat erwartungsgemäß für den Frankfurter Flughafen ein Nachtflugverbot erteilt. Zukünftig dürfen an Deutschlands größtem Flughafen zwischen 23 Uhr und 5 Uhr keine Flugzeuge starten und landen.

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts kam nicht überraschend. Im Verlauf des Prozesses sowie im Urteil der Vorinstanz wurde die Tendenz in Richtung eines Nachtflugverbotes deutlich. Die ursprüngliche Planung sah vor, dass zwischen 23 Uhr und 5 Uhr 17 Maschinen starten und landen durften. Tatsächlich ging damit bereits eine Reduzierung der Nachtflüge um mehr als 50 Prozent im Vergleich zur Zeit vor dem Flughafenausbau einher. Dennoch schloss sich das Bundesverwaltungsgericht der Sichtweise der Anwohner an und schätzte deren Interessen höher ein als die Interessen der Luftfahrt.

Den Charakter eines absehbaren Kompromisses

Andererseits bestätigte das Gericht grundsätzlich die Rechtmäßigkeit des Flughafenausbaus. In diesem Punkt unterlagen die Ausbaugegner, die mitunter sogar die Stilllegung der im November eröffneten neuen Landebahn-Nordwest forderten. Zumindest dahin gehend bleibt Flughafenbetreiber Fraport, gleichwohl der hessischen Landesregierung, ein Fiasko erspart. Das Urteil hat somit den Charakter eines absehbaren Kompromisses.

Durchaus dramatische Folgen könnte das Nachtflugverbot allerdings für Luftfracht-Unternehmen haben. Firmen wie Lufthansa-Cargo haben in den vergangenen Jahren Millionensummen in den Standort Frankfurt investiert. Rund um den Flughafen wuchs mit der Cargo-City-Nord und der Cargo-City-Süd eines der größten Luftfrachtzentren Europas. Für diese Unternehmen wäre schon die Anzahl von 17 Starts und Landungen schwer zu bewältigen gewesen. Ein völliges Nachtflugverbot stellt die Branche vor große Probleme.

Ein gewichtiges Argument für Frankfurter Konkurrenten

Die geplante Zahl der Nachtflüge scheint zwar sehr gering, beinahe maginal zu sein, war jedoch gerade für Luftfrachtunternehmen von großer Bedeutung. Denn für dringende, interkontinentale Über-Nach-Sendungen sind diese Flüge notwendig, um noch am selben Tag lokale Anschlussflüge an den Zielorten zu erreichen. In Folge des Nachtflugverbots wäre es nun denkbar, dass Frachtflüge zwischen 22 Uhr und 23 Uhr von Frankfurt aus starten, in Köln oder Leipzip zwischenlanden und von dortaus weiter fliegen, was aus ökologischer Sicht widersinnig erscheint. Doch die völlige Verlagerung des Frachtverkehrs an andere Standorte ist schon deswegen nicht ohne Weiteres möglich, da insbesondere die lokale Zu- und Weiterlieferung kontinentaler Sendungen zumeist über Passagierflugzeuge abgewickelt wird. Genau deswegen hatten sich die Luftfracht-Anbieter am Drehkreuz Frankfurt niedergelassen. Lufthansa-Cargo beispielsweise wickelt über 50 Prozent der Luftfrachten über Passagierflugzeuge der Lufthansa ab.

Auf lange Sicht wäre daher durchaus möglich, dass sich Unternehmen der Luftfrachtbranche von Frankfurt verabschieden. Die Flughäfen in München und Amsterdam werben seit Jahren darum, Unternehmen aus Frankfurt weg zu locken. Mit dem Nachtflugverbot hat das Bundesverwaltungsgericht den Frankfurter Konkurrenten ein gewichtiges Argument geliefert.

Derweil kündigten die Flughafenausbau-Gegner an, ihren Protest gegen den Flughafen fortzusetzen. Trotz der Entscheidung der Leipziger Richter fordern sie auch weiterhin die Stilllegung der jüngst eröffneten neuen Start- und Landebahn. In der Frankfurter Bevölkerung haben die Ausbaugegner allerdings keine Mehrheit. Umfragen zeigten, dass nach wie vor über die Hälfte der Bürger für den Ausbau des Flufghafens ist. (ME)

Artikelbild: Der RheinMain-Flughafen in Frankfurt (Bild: Schtone; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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(2) Readers Comments

  1. Ich finde ein Nachtflugverbot richtig, man braucht seinen Schlaf.
    Ich wäre sogar dafür das man zwischen 22-6 Uhr keinerlei Starts und Landungen erlaubt, im gegenzug muss natürlich ein weiterer Ausbau sein um in den verbleibenden Stunden die verlorengegangene Zeit und damit die Flüge die man nicht abwickeln kann eben abzuwickeln!!!

    Es sei aber auch gesagt, dass Stadtkämmerer von umliegenden Städten(Kelsterbach, Hochheim, Hofheim, etc.) die von den Ausbauplänen wussten(sowas wird ja nicht über Nacht erstellt, sondern erfordert jahrelange Planungs, Planfeststellungs-und Genehmigungsverfahren) noch schnell diverse Baugebiete in der/den Einflugschneisen ausgewiesen haben und die Grundstücke dort schnell verkauft haben um nachher nicht auf dem Brachland sitzen zu bleiben.

  2. Gleiches Spielchen überall – In Augsburg klagten die Anwohner des Flughafens ebenfalls gegen Fluglärm – Das Obskure an der Sache: Die Anwohner hatten vorher das Bauland billig erworben, da es in der Nähe des Flughafen liegt. Das war klar und unmissverständlich komuniziert worden. Trotzdem konnte der Ausbau des Flughafens verhindert werden – Nimby-Gesellschaft vom Feinsten!!!!

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