Gesellschaft News Titel — 31 März 2012

Nach tödlichen Schüssen auf einen Schwarzen setzt "New Black Panther" Partei Kopfgeld auf Latino aus

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Zimmermans Festnahme (Bild: Screenshot)

Am 17. Februar erschoss der Latino George Zimmerman den schwarzen Trayvon Martin. Zimmerman gehört einer Bürgerwehr an, die die Kriminalität im eigenen Viertel in dem Ort Sanford im Bundesstaat Florida bekämpfen will. Nachdem Zimmerman durch die Polizei vernommen worden war, wurde er entlassen. Die Gesetzeshüter hielten seine Behauptung, gegenüber dem unbewaffneten Martin in Notwehr gehandelt zu haben, für glaubhaft. Doch mittlerweile ist ein heftiger Streit um den Tathergang entbrannt. Dabei schrecken manche Medien vor Fälschungen nicht zurück. Nun wurde seitens der „New Black Panter Party“ ein Kopfgeld auf den Schützen ausgesetzt.

Kriminlitätsfall wird für eigene Agenda genutzt

Als der 28-jährige Zimmerman in seinem erst kurz zuvor mit Kriminalität bedachten Viertel auf den 17-jährigen Martin stieß, trug dieser ein Kapuzenshirt. Ein Kleidungsstück, das nun zum Symbol für diesen Fall geworden ist. Sehr bald schon wurden die Umstände der Tötung des 17-jährigen Trayvon zum Streitfall. Die einen wollen ein rassistisches Motiv bei Zimmerman ausgemacht haben und sehen zudem die Gelegenheit, das Recht auf Tragen von Waffen einzuschränken.

In dem Sonnenstaat gilt das “Stand your Ground” (Bleibe standhaft) Gesetz, das das Tragen von Waffen rechtlich ermöglicht. Florida war 2005 der erste Staat, in dem das Gesetz verabschiedet wurde. Die Kriminalitätsrate ist seit dem sehr stark gefallen. Allerdings machen Kritiker geltend, dass die Zahlen schon zuvor gefallen waren. Jedoch lässt dies unberücksichtigt, dass die erste Lockerung des Waffenrechts in Florida schon 1987 mit demselben Effekt erfolgte.

Meist – wie auch in der Berichterstattung durch Spiegel Online – wird dabei verschwiegen, dass sich der Schütze aber nicht nur beim Schutz seines Viertels engagierte, sondern auch jungen Schwarzen Nachhilfe gab. Die in dem Artikel des Hamburger Magazins aufgezeigte Anzahl von 46 Anrufen seit Jahresbeginn bei der Polizei ist nicht wie von dem Autor dargestellt, ein Anzeichen für Übereifer, sondern hat damit zu tun, dass Zimmerman als Angehöriger der Bürgerwehr mit der Polizei Kontakt aufzunehmen hat.

Fakten werden verdreht

Was genau in dieser Nacht geschah, ist mehr als umstritten. Der Angehörige der Bürgerwehr teilte der Notrufzentrale mit, ihm sei ein Verdächtiger aufgefallen. Martin hatte den Verdacht Zimmermans erregt, da er bei Regen durch das Viertel lief und sich nach dessen Eindruck dort „umzuschauen schien“. Schon der Rückruf bei der Polizei durch Zimmerman hat zu heftigen Kontroversen geführt. Dies auch deshalb, da der Sender NBC diesen verkürzt wiedergab. Laut NBC teilte er der Polizei mit: „Dieser Typ macht den Eindruck als hätte er nichts Gutes vor. Es scheint ein Schwarzer zu sein.“

Doch das Gespräch lief tatsächlich anders ab:

Zimmerman: „Dieser Typ macht den Eindruck als hätte er nichts Gutes vor oder dass er unter dem Einfluss von Drogen steht. Es regnet und er läuft umher; sieht sich um.“

Nachfrage der Notrufzentrale: „Ok, dieser Typ; ist er weiß, schwarz oder hispanisch?“

Zimmerman: „Es scheint ein Schwarzer zu sein.“

Trotz des Hinweises der Notrufzentrale, er müsse der beschriebenen Person nicht folgen, stieg der Latino aus seinem Auto aus.

Umstrittener Ablauf

Was dann geschah ist mehr als umstritten. Schon die Frage, wer der Angreifer war und wer der Angegriffene, ist unklar. Zimmerman gibt an, schon wieder auf dem Weg zu seinem Auto gewesen zu sein, als ihn der 17-Jährige angriff, der sich womöglich seinerseits durch Zimmerman bedroht gefühlt hatte. Auch die 16-jährige Freundin Martins behauptet, mit diesem unmittelbar während des Vorfalls telefoniert zu haben. Martin habe dabei geäußert, dass er sich von Zimmerman beobachtete fühle.

Allerdings gibt es eine Augenzeugin, die Zimmerman am Boden gesehen haben will, während Martin auf im saß und seinen Kopf wiederholt gegen den Boden schlug. Der auf den Bändern der Notrufzentrale zu hörende Hilferuf kann nicht zugeordnet werden. Daher ist nun eine Diskussion entbrannt, ob Zimmerman tatsächlich eine gebrochene Nase hatte oder nicht, da dies seine Darstellung stützen würde.

Ein Kriminalfall wird politisiert

Doch längst hat der Fall den Bereich einer normalen Debatte verlassen. Das liegt auch daran, dass die Tragödie sofort unter der Überschrift des Rassismus ins Fahrwasser emotionaler Auseinandersetzung geraten ist. Dazu trug auch Präsident Obama bei, der sich ohne jede Sachkenntnis zu dem Fall äußerte und meinte, wenn er einen Sohn hätte, würde dieser aussehen wie Trayvon. Die Botschaft des in Umfragen weit zurückliegenden Präsidenten war klar: Der Fall macht sich am Aussehen, an der Rasse des Getöteten fest.

Obama sollte es mittlerweile besser wissen. Ist er doch schon zuvor mit allzu schnellen Schlussfolgerungen ins Fettnäpfchen getreten. Als der weiße Polizist James Crowley im Sommer 2009 den schwarzen Universitätsprofessor Henry Louis Gates verhaftet hatte, kritisierte Obama den Ordnungshüter als jemanden, der dümmlich gehandelt habe. Obama verwies dabei auf die überproportional hohe Anzahl von Polizeikontrollen hispanischer und schwarzer Bürger in den USA. Besonders damalige Obamas Einleitung, er kenne nicht alle Fakten, bevor seine Kritik los wurde, brachte ihm Spott ein.

Später musste Obama kräftig zurückrudern. Der Polizist, der in seiner Freizeit Schwarze betreute, wurde zusammen mit dem festgenommenen Professor von Obama in den Rosengarten des Weißen Hauses zu einem als „Bier Gipfel” bekannt gewordenen Treffen geladen.

Ob sich Zimmerman als bessere Zielscheibe für die Anklage eignet, ein Rassist zu sein, wird sich zeigen. Dabei dürfte – traurig genug – auch eine Rolle spielen, dass nach Darstellung seiner Familie er selbst nicht nur hispanische, sondern auch schwarze Vorfahren hat. Aber natürlich wird es auch davon abhängen, was die weiteren Ergebnisse der Untersuchung ergeben.

Kopfgeld für Zimmermanns Ergreifung

Doch so lange wollen manche nicht warten. Und so hat die „New Black Panther Party“, eine rassistische Organisation schwarzer Amerikaner, in der Weiße gerne als „Cracker“, dem Gegenstück zu „Nigger“, bezeichnet werden, ein Kopfgeld auf die Ergreifung Zimmermans ausgesetzt. Welcher Zweck das Kopfgeld von 10.000 Dollar hat, wird aus der Erklärung des Führers der „New Black Panther Party“ in Florida deutlich. Laut Mikhail Muhammad müsse gelten: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Laut dem Aufruf des Parteifunktionärs, solllen 5.000 Schwarze Zimmerman ergreifen.

In den Medien haben die Aussetzung des Kopfgeldes und auch der Aufruf kein großes Echo gefunden. Bislang haben sich keine rechtlichen Konsequenzen wegen des Aufrufes zur Selbst- und Privatjustiz durch die „New Black Panther Party“ ergeben. Doch mit ernstzunehmenden rechtlichen Konsequenzen rechnen viele ohnehin nicht.

Obamas Justizminister Eric Holder hatte 2009 ein Verfahren gegen die „Black Panther“ einstellen lassen, obwohl diese weiße Wähler mit Einschüchterung bei der Präsidentschaftswahl vom Wählen abgehalten hatten. Das ursprünglich zum Schutz schwarzer Wähler eingeführte Gesetz kam so nicht zur Geltung. Der deswegen von seinem Posten im Justizministerium zurückgetretene Chris Christie sagte später vor einem Ausschuss des Parlaments aus, man habe ihm mitgeteilt, dass Schwarze nicht verfolgt werden.

Im Falle George Zimmermans ist die Justiz jedoch dem Verlangen der Straße nachgekommen. Nachdem die Staatsanwaltschaft zunächst nicht gegen Zimmerman ermitteln wollte, leitete sie nun nach Protesten ein Verfahren ein. Ob Anklage erhoben wird, entscheidet nun ein Geschworenengericht. Vielen ist auch das nicht ausreichend. Sie bestehen auf eine Festnahme Zimmermans. (CJ)

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