Causa Wulff Innenpolitik News — 09 März 2012

Christian Wulff und das Bedauern seiner türkischen Community

Großer Zapfenstreich (Bild: MSGT JOHN P. SNOW, USAF; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

In seiner knapp zweijährigen Amtszeit ist Christian Wulff wohl kaum jemandem so sehr ans Herz gewachsen wie den Türkischen Gemeinden in Deutschland.

Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde attestiert Wulff, dass dieser wie kein anderer vor ihm das Thema Integration als zentrales Zukunftsthema für Deutschland definiert habe und ferner sich immer wieder für den EU-Beitritt der Türkei ausgesprochen hat. “Das ist die Messlatte für den künftigen Bundespräsidenten”, betonte Kolat. Für einen Nachfolger “mit Migrationshintergrund sei die Zeit aber noch nicht reif: “Das ist zu früh”. Solange die Zeit für einen Bundespräsidenten mit Migrationshintergund noch nicht gekommen ist, erwartet Kolat vom designierten Nachfolger Joachim Gauck, dass dieser als gutes Zeichen für unser Land, Menschen mit Migrationshintergrund empfangen solle, so Kolat.

Trübsinnige Stimmung

Und dementsprechend trübsinnig dürfte dann heute Abend die Stimmung bei Kolat und den muslimischen Verbänden in Deutschland sein, wenn Christian Wulff beim hart erkämpften, großen Zapfenstreich verabschiedet wird. Mehr als 160 Gäste werden heute dieser Verabschiedung beiwohnen. Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland ebenso wie Bekir Alboga, Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., erweisen ihrem geistigen Mäzen die Ehre. Ebenso sind Botschafter aus Kuwait, Katar, Oman und Afghanistan unter den geladen Gästen zu finden.

Der feierlichen Verabschiedung im Garten des Schlosses Bellevue bleiben aber, wie in der Presse bereits mehrfach erwähnt, zahlreiche Spitzenpolitiker fern. Keiner seiner Amtsvorgänger wird an dem großen Zapfenstreich teilnehmen. Auch Wulffs mutmaßlicher Nachfolger Joachim Gauck ist bei der feierlichen Verabschiedung nicht dabei. Dies bestätigte ein Sprecher Gaucks, so Welt Online.

Man nimmt seine Verantwortung wahr – fertig

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die meisten ihrer Minister hingegen werden anwesend sein. Horst Seehofer (CSU), der bayerische Ministerpräsident ist als Vertreter des Bundespräsidenten Gastgeber der Feier. Am Mittwoch sagte er in München: „Man nimmt seine Verantwortung wahr. Fertig. (…) Ich habe jetzt mit dem Termin keine Belastung.“

Christian Wulff nimmt heute Abend sein Recht auf einen „großen Zapfenstreich“ in Anspruch, ebenso wünscht er sich als erster Bundespräsident vier statt der üblichen drei Lieder. Es darf davon ausgegangen werden, dass viele der Beteiligten, bei der Feierlichkeit anwesend oder nicht, froh sein werden, dieses Kapitel dann heute Abend abschließen zu dürfen. Einige wenige werden, wie bei Kolat zu vermuten, dies mit tränenverhangenen Augen tun. (BS)

Update:

Während des Aufmarsches der Marinesoldaten wurde das Abschiedszeremoniell bereits von Protestrufen begleitet. Nachdem die geladenen Gäste gegen 18:45 Uhr erschienen waren, wurde der Staatsakt zur Verabschiedung Christian Wulffs unter der Beschallung durch Trompeten, Trillerpfeifen und Vuvuzelas begangen. Die von Wulff gewünschten Lieder wie „Over the Rainbow” oder Ode „An die Freude” von Ludwig van Beethoven wurden zeitweilig durch die Rufe und die Beschallung seitens der Protestierer übertönt. Da waren auch die verstärkten Anstrengungen der Bundeswehrmusikanten und der Sänger kein ausreichendes Gegenmittel.

Wulff beschwörte in seiner Abschiedsrede einmal mehr den “Dialog der Kulturen”. Schweigen hingegen zu den Umständen, welche zu seinem frühen Rücktritt führten. Zur Kritik an dem ihm bewilligten Ehrensold kam ebenfalls keine Stellungnahme. Bezug nahm er kurz auf die heutige Veranstaltung mit den Worten: „Diesen Anlass hatte ich mir für das Jahr 2015 vorstellen können. Nun ist es anders gekommen“, zitiert ihn die Frankfurter Allgemeine. Nach einer guten Stunde war dann auch für die erschienen Gäste der große Zapfenstreich geblasen und der Garten des ehemaligen Wohnsitzes von Christian und Bettina wurde geräumt. (BS)

Artikelbild: Großer Zapfenstreich  (Bild: MSGT JOHN P. SNOW, USAF; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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(2) Readers Comments

  1. Der als “Bürger-Präsident” bekannt gewordene Amtsvorgänger von Wulff, Gustav Heinemann, verzichtete beim Ende seiner Amtszeit 1974 freiwillig auf den “Zapfenstreich”, weil er solch militärisches Zeremoniell im demokratischen Staat nicht mehr für zeitgemäß hielt. Aber gut, andere Staaten verabschieden ihre gewählten Staatsoberhäupter nach Ablauf ihrer Amtszeit auch mit militärischem Zeremoniell in den Ruhestand (da ist Deutschland im Vergleich etwa zu romanischen Staaten eher noch zurückhaltend und schlicht), dann brauchen wir es eben auch. Hätte Wulff einen Sinn für Stil, hätte er von sich aus auf den Zapfenstreich verzichtet. Aber genau dieser Sinn fehlt ja unserem (gewesenen) “Urlaubs- und Kreditpräsidenten”.

    Aber – soll er doch seinen abendlichen Fackelaufzug zum Abschied haben; wem es nicht gefällt, braucht ja nicht hinzugehen, oder es sich anzusehen.

    Mich stört viel mehr, dass Wulff nicht nur den sog. “Ehrensold” in Höhe von 200.000 € jährlich erhält, sondern dazu noch Fahrer, Sekretärin und Büro auf Staatskosten auf Lebenszeit. Wulff musste zurücktreten, nachdem die Staatsanwaltschaft beim Bundestag die Aufhebung seiner Immunität beantragt hatte wegen des konkreten Anfangsverdachts einer Straftat. Spätestens, wenn Wulff rechtskräftig verurteilt werden sollte, wird die Inanspruchnahme der Privilegien unerträglich. Kriminelles Verhalten darf nicht auch noch in dieser Weise belohnt werden.

  2. Ha-Ha-Ha-Ha *lach* :D
    Danke für diesen großartigen ironisch-sarkastischen, süffisanten Artikel! Der Schuß ging voll ins Schwarze!

    Ja genau… Zapfenstreich der Tränen… aber nur für die üblichen Verdächtigen!

    Für bestimmt weit über 90 % des deutschen Volkes nicht! ;-)

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