Die Rechten im Walde

Tim Homuth: Über freiheitlich-konservative Kleinparteien im wiedervereinigten Deutschland

blu-news

Rechts verboten, ausgenommen: Kleinstpartei (Bild: Henning Hraban Ramm; Quelle: pixelio.de)

Der Humorist Ralf Husmann schrieb vor einigen Monaten im „Kulturspiegel“ der SPD ein nicht all zu ernst zu nehmendes „Strategiepapier“. Ernst nehmen muss der heutige Konservative und freiheitlich gesinnten Wähler (oder auch oft Nichtmehrwähler) aber Sätze wie diesen: „Der Antichrist-Demokrat ist schon da: die Kanzlerin selbst. Seitdem wird es links ziemlich eng, denn da sind ja neben der CDU auch noch die Grünen, die Linken und die Piraten. Rechts dagegen ist alles frei! Vergesst deshalb nicht: Sarrazin ist immer noch einer von uns! Wenn der Euro erst mal hin ist, gibt es viel Platz für Populismus.“

Auch in der ultralinken Frankfurter Rundschau durfte man schon 2008 vom Untergang alles Konservativen lesen: „Ohne Extreme bleibt die Mitte, mag sie sich noch so sehr in unideologischer Unschuld ergehen, leer. Mehr noch, die Sozialdemokratisierung der CDU hat, wie von der Leyen und Wulff beweisen, alle konservativen und neoliberalen Extreme wie dumme Flausen aus der Partei vertrieben. Was aber soll dann noch konservativ heißen?“

„Mein rechter, rechter Platz ist frei“ rufen so die letzen konservativen Indianer nach der sozialdemokratischen Bändigung der CDU unter Merkel in den Wald hinein. Und spätestens seit den späten 60er Jahren gab es immer wieder Bestrebungen, eine sogenannte „vierte Partei“ zu etablieren und diesen Platz zu besetzen. Sieht man jedoch von wenigen punktuellen zeitweilligen Erfolgen von Rechtsaußen-Parteien wie den „Republikanern“ und Neonazigruppierungen à la DVU und NPD ab, gab es nur noch die Partei Rechtsstaatliche Offensive , besser bekannt als „Schill Partei“. Und aktuell die Bürger in Wut, die sich zweimal mit Hilfe des speziellen Bremer Wahlverfahrens auf Landesebene etablieren konnten. Ansonsten hört der heutige Konservative Indianer nur noch das Rauschen des Waldes und vernimmt zeitweise, wenn er denn gewillt ist, genau hinzuhören, das eifrige Bemühen von konservativen Klein- und Kleinstparteien, sich aus diesem Wald freizukämpfen.

Jedem dieser letzten tapferen idealistischen oder manchmal leider auch Karriereversessenen konservativen Kleinstparteien-Indianern möchte man als Rüstzeug das 2009 erschienene Buch Freiheitlich-konservative Kleinparteien im wiedervereinigten Deutschland vom Autoren André Freudenberg mitgeben. Der Autor und Politikwissenschaftler Freudenberg hat auf 382 äußerst detailliert und lebhaft verfassten Seiten ein in Deutschland einzigartiges Werk geschrieben. Anhand der vier Kleinparteien Bund Freier Bürger, Deutsche Partei, Deutsche Soziale Union, und der Partei Rechtsstaatliche Offensive beschreibt Freudenberg das Aufstreben und Scheitern von konservativen Neugründungen in Deutschland seit der Wiedervereinigung.

Im ersten Teil des Buches wird die jeweilige Parteigeschichte, die Parteiprogrammatik sowie die Organisation und Struktur äußerst kenntnisreich geschildert. Schnell merkt hier der Leser, dass alle Parteien leider sehr oft die gleichen Fehler gemacht haben. Diese Fehler werden im späteren Verlauf des Buches ausführlich behandelt und einer detailierten Analyse unterzogen. Seien es die immer wieder auftretenden Quertreiber innerhalb einer Partei, die jede vernünftige Parteiarbeit unterbinden, zu viel oder zu wenig Führung eines Bundesvorstandes, zu schnelles Wachstum einer Neugründung oder eine zu schlechte innere Parteiorganisation, Freudenberg beschreibt die Fehler des jeweiligen Scheiterns sehr aufschlussreich. In weiteren Kapiteln geht es unter anderem um Fusionsbestrebungen der Parteien untereinander, die anvisierte Zusammenarbeit mit der Österreichischen FPÖ, Kontaktanbahnungen zu Rechtaußen- und Neonaziparteien sowie um das immer leidige Thema der Finanzen.

Sehr angenehm ist, dass der Autor Freudenberg diesen Versuchen trotz ihres Scheiterns sehr sympathisch gegenüber steht und im letzten Teil des Buches auch Vorschläge unterbreitet, wie denn eine erfolgreiche Neugründung einer konservativen Kraft aussehen könnte. Freudenberg sieht nur dann eine Chance, wenn sich aus einer etablierten Partei „echte“ Persönlichkeiten zu einer Parteineugründung entschließen oder sich einer solchen anschließen. Existierende andere konservative Kleinstparteien müssten sich dieser dann ebenfalls anschließen. Die letzten konservativen Indianer jedoch harren schon lange dieser Option und wurden bislang diesbezüglich immer nur enttäuscht. Ein Roland Koch, ein Friedrich Merz, gleichwohl aktuell ein Frank Schäffler, konnten sich zu diesem Schritt nie entschließen. Hoffnung sollte aber den letzen tapferen konservativen Indianern die bedrückende Zukunft rund um den Euro und die immer zentralistischer regierende Europäische Union machen. Freiheitliche Themen sind aktuell wie nie. Der undurchdringliche Wald wird eines Tages mit Sicherheit gerodet werden!

 Buchempfehung:  Freiheitlich-konservative Kleinparteien im wiedervereinigten Deutschland

Ähnliche Artikel

Share

Über den Autor

Gastautor

(5) Leserkommentare

  1. Danke dem Rezensenten! Dann werde ich mir mal Freudenberg zu Gemüte führen.

  2. Gerne. Das Buch ist wirklich sehr lesenswert. Wünsch viel Spaß bei der Lektüre !!
    LG, Tim Homuth

  3. Noch ein kleiner Hinweis: André Freudenberg, der Autor des oben diskutierten Buches hat in unserem Partnermagazin Citizen Times zwei Analysen zur bürgerlich-liberalen Parteienlandschaft bzw. konkret zur Chance der Freien Wähler, eine entsprechende politische Alternative zu sein, veröffentlicht. Sie finden beide im entsprechenden CT-Schwerpunkt.

  4. Pingback: Experten-Interview mit André Freudenberg über die Chance einer freiheitlich-konservativen Parteigründung in Deutschland | Die Freiheit Niedersachsen

  5. Wenn eine Fußballmanschaft mehrmals in der 2. Bundesliga am Aufstieg gescheitert ist, darf sie es dann nicht wieder in der neuen Saison versuchen?

    Oft helfen ein paar Verstärkungen, meist ein neuer Trainer oder Vorstand :-)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>