Außenpolitik News — 15 Februar 2012

Assad droht dem Westen mit der Freilassung eines Dschihadisten

Der mittlerweile getötete Al-Qaida Anführer Osama Bin Laden bei einem Interview dem Journalisten Hamid Mir (Bild: Hamid Mir; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Abu Musab al-Suri wird als Architekt des globalen Dschihad bezeichnet und ist eine lebende Legende. Bisher war er in Syrien inhaftiert. Jetzt soll ihn laut Welt Online das Assad-Regime freigelassen haben

In der westlichen Welt soll der syrische Islamist bisher nicht bekannt sein. Der 53 jährige Syrer gilt als einer der einflussreichsten Ideologen des internationalen Dschihadismus, sogar als geistiger Wegbereiter der Terrorstrategie von al-Qaida. Al-Suri besitzt sowohl die syrische als auch die spanische Staatsbürgerschaft, da er mit einer Spanierin verheiratet war. Wie Welt Online berichtet, „wurde er 2005 in Pakistan verhaftet und in einem syrischen Gefängnis eingekerkert“ . Dies sei jedoch nie offiziell bestätigt worden.

Freilassung des islamistischen Ideologen als warnende Geste an den Westen

Da das syrische Regime al-Suri nun offenbar freigelassen hat, wird von Experten als Warnung gegen den Westen interpretiert. Der Islamist war Mitglied der syrischen Muslimbruderschaft, lernte den Palästinenser Dr. Abdallah Azzam und Osama Bin Laden , die wichtigsten Akteure des afghanischen Dschihad kennen. Er arbeitete als Propagandist für islamistische Magazine, schloss sich dann Ende der 90er-Jahre der al-Qaida von Bin Laden an und wurde dessen Medienbeauftragter.

2004 erschienenen sein Werk “Aufruf zum weltweiten islamischen Widerstand”. Darin zeigt al-Suri umfangreiche Strategien für den Kampf gegen den Westen auf. Noch heute dienen seine Werke als Anleitung zur Organisation und Umsetzung von Terroranschlägen. Seine Kernthese lautet: „ System statt Organisation“. Damit liefert er das ideologische Rüstzeug für „moderne Gotteskrieger“, die ohne feste Organisation in losen Terrorzellen agieren. Nach seiner Festnahme 2005 übergaben die Amerikaner al-Suri an das Assad Regime, die den „hochkarätigen Dschihad-Ideologen“ als Staatsfeind inhaftierten.

Frohe Botschaft der Freilassung“

Arabischen Medienberichten zufolge hat das Regime in Damaskus al-Suri aus der Haft entlassen. Er war nie offiziell verurteilt worden und sei nun ein freier Mann. Die Online-Gemeinde der Dschihadisten reagierte mit Freude und spricht von der „frohen Botschaft der Freilassung“. Westliche Geheimdienste sehen in der Aktion vor allem eines: „Ein Risiko und ein klares Zeichen des Assad-Regimes“.

Ein Analyst des israelischen Geheimdienstes erklärte: „Eine Entlassung al-Suris aus einem syrischen Gefängnis könne nur als Botschaft des syrischen Regimes an den Westen verstanden werden. Das Regime von Präsident Assad will zeigen, dass es die Zusammenarbeit mit dem Westen gegen Dschihad-Terroristen nicht mehr fortsetzen wird. Wie fast alle Regime in der arabischen Welt will auch Assad den Eindruck erwecken, die Alternative zum herrschenden System sei al-Qaida.”

Mudschaheddin nach Syrien gekommen

Der deutsche Politologe und Islamismus-Forscher Dirk Baehr bezeichnet die Rückkehr des Terror–Ideologen in die Reihen der al-Qaida als fatal. Demnach spricht al-Suri vier bis fünf Sprachen und es bestehe die Gefahr, dass sich seine Ideologie vom individuellen Dschihad im Internet wieder verbreitet, so Baehr. Der Experte hält es für wahrscheinlich, „dass al-Suri eine ähnliche Rolle spielen wird, wie der inzwischen getötete US-jemenitische Prediger Anwar al-Awlaki.“

Aktuell häufen sich Berichte, laut denen Mudschaheddin aus dem Irak und anderen Ländern nach Syrien gekommen seinen um das Volk vom Assad-Regime zu befreien und die Scharia zu etablieren. Einige von ihnen dürften in al- Suri ihren Lehrmeister haben. (BB)

Atikelbild: Der mittlerweile getötete Al-Qaida Anführer Osama Bin Laden bei einem Interview dem Journalisten Hamid Mir (Bild: Hamid Mir; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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blu-News

(1) Reader Comment

  1. “… um das Volk vom Assad-Regime zu befreien und die Scharia zu etablieren.”

    Das ist wohl ungefähr so, als wolle man einen Patienten von seinem Schnupfen befreien, indem man ihn mit HIV infiziert.

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