Kritik der politischen Vernunft: Wir haben eben doch Volkseigenschaften

Europa aus Sicht der Deutschen - Screenshot der Webseite von Yanko Tsvetkov

Linke Ideologen wollen uns ständig weismachen, dass es keine Völker gibt, sondern nur überall gleiche bzw. gleichere Menschen. Deswegen muss hart erwirtschafteter Wohlstand ja auch umverteilt werden. Und deswegen muss die politische Union Europas auch vorangetrieben werden. Mit allen Mitteln und selbst wenn es auf Kosten der nächsten zehn Generationen ist.

Kürzlich habe ich in der Silvester-Ausgabe des Stern einen herrlichen Artikel gefunden, der konterkariert, was die Linken diebezüglich so von sich geben. Der bulgarische Grafikdesigner Yanko Tsvetkov hat Landkarten erstellt, die die Vorurteile einzelner Völker gegenüber anderen abbilden. Natürlich muss aus wissenschaftlicher Sicht jede Verallgemeinerung bzw. Wahrnehmung von Individuen über ihre Gruppenzugehörigkeit kritisch gesehen werden – aber oft steckt eben auch mehr als ein Funke Wahrheit darin. Und diese Karten sind witzig, polemisch und eben irgendwie auch wahr.

Fast alle Landkarten von Tsvetkov kann man sich auf seiner Webseite ansehen, genug, um zu verstehen, dass er die Charaktere der Völker ganz gut verstanden hat. Da schlichteste Bild von Europa haben z.B. die Amerikaner, was gar nicht einmal so daneben gegriffen sein dürfte. Schön auch der selbstverliebte Blick der Schweizer, für die ihr eigenes Land die Welt bedeutet und der Rest auf seine Funktionalitäten beschränkt ist: Deutschland = Steuern, London = Geld verdienen, Italien = 3. Welt, Türkei = Minarette.

Apropos Tükei: Für die Türken ist Europa entweder Teil ihre Imperiums (Griechenland sowieso, Deutschland als Dönerbuden-Nordtürkei) oder halal, also erlaubt, sprich Frauen (Russland, Finnland) oder haram, also verboten, sprich viel Schweine-Essen in Spanien.

Für die Griechen sieht die Welt genau andersherum aus: Mitteleuropaäer sind einfach Workaholics, die Türkei gehört zu Griechenland und die Italiener haben alles nur abgekupfert. Für uns Deutsche (siehe Screenshot oben) besteht Europa hingegen aus Möbeln im Norden, Schokolade und Schnitzeln im direkten Süden und ansonsten aus kulinarischen Spezialitäten und Hotelarten. Russland liefert Gas und die Türkei Arbeitskräfte. Punkt.

Jeder, der beim Betrachten der Karten schmunzeln muss, ist bereits ertappt. Denn dann hat er seine eigene Vorstellung von bestimmten Volkseigenschaften wiedergefunden. Ist eigentlich auch gar kein Problem, denn Staatsgrenzen sind ja nicht willkürlich entstanden, sondern haben sich in der Geschichte natürlich entwickelt. Übrigens einer der Gründe, warum die Linken Natürlichkeit ablehnen, denn in ihr zeigen sich immer wieder Unterschiede, zwischen Männern und Frauen, zwischen Fleißigen und Faulen und eben zwischen Völkern.

Sich auf ein Volk zu beziehen hat dabei zunächst nichts Abwertendes gegenüber anderen. Es bedeutet nur, dass eine Gruppe von Menschen sich durch Inklusion und Exklusion definiert und eigene Werte definiert. Wer diese Werte nicht haben möchte, muss ja nicht zur Gruppe dazugehören. Wer hingegen die Werte einer anderen Gruppe besser findet, als die der eigenen, kann wechseln und sich in der neuen integrieren. Und genau hier liegt der Unterschied zwischen Rechtsrextremen wie der NPD, die den Volkskörper über das Blut definieren und Integration als Verbrechen bezeichnen und zwischen denen, die eine Integration in das, was man eine Leitkultur nennen könnte, fordern.

Kein Linker konnte bisher wissenschaftlich belegen, warum Multikulti besser sein sollte, als eine Leitkultur. Weil es keinen Beweis gibt. In Unternehmen müssen Mitarbeiter, die ins Ausland wechseln, lange interkulturelle Trainings absolvieren, damit die kulturellen Unterschiedlichkeiten sich nicht negativ aufs Geschäft auswirken. Warum sollte dies bei einer Gesellschaft (oder besser: Gemeinschaft) anders sein? Je unterschiedlicher die Perspektiven, desto mehr Input kann (!) kommen, desto schwieriger wird aber der Einigungsprozess.

Internationale Unternehmen funktionieren nur, wenn sie einer bestimmten Idee folgen, an der sich alle Mitarbeiter orientieren können, egal ob in den USA, in Europa oder in Indien. Und so ist es auch mit Staaten: wer eine gemeinsame Idee verfolgt, kann unterschiedlichen kulturellen Ursprungs sein. Keiner erwartet von Einwanderern ernsthaft, dass sie Bratwurst essen. Auch Weihnachten müssen sie wegen mir nicht feiern. Aber sie müssen die Freiheit und die Menschnwürde als höchstes Gut achten. Wer das nicht zu seinen innersten Werten zählt, der kann nicht zum deutschen Volk gehören. Unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft, Herkunft oder Sprache.

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Felix Strüning

(3) Readers Comments

  1. Kleiner Nachtrag: Wie “echt” bzw. relevant die Übereinstimmung von Bevölkerung und Staat ist, sieht man auch an der Feststellung, dass historisch gesehen sogar von noch kleineren regionalen Einheiten gesprochen werden muss, zumindest wenn man die Entwicklung der Wirtschaft betrachtet. Denn auch innerhalb Deutschlands haben sich die verschiedensten Wirtschaftstraditionen entwickelt, was nur auf regionale Umweltbedingungen und Charaktereigenschaften der dortigen Menschen zurückzuführen ist.

    Michael Hüther, seines Zeichens Chef des Insitituts der deutschen Wirtschaft in Köln (IW), hat dies in seinem Buch Die disziplinierte Freiheit beschrieben, leider ohne den Schluss zu ziehen, dass dann auch der Euro als Gemeinschaftswährung nicht Mittel zum Zweck der politischen Union sein kann, sondern nur die Folge einer (utopischen) wertebasierten europäischen Integration sein könnte. Mehr dazu in meiner Rezension bei Citizen Times.

  2. Haha! Geiles Bild! Hab mich totgelacht!! Gas Vault, Transitland, Vegetables… lol

  3. Jetzt fällt es mir auch auf – Echt witzig! Goulash!!! Besonders gut: “Old Neigbours”!

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