Frage an den blauen Doc Meinungen — 30 Januar 2012

Frage an den blauen Doc: Warum engagieren sich so wenige durchschnittliche Menschen in Parteien?

Kein Platz mehr für Normalos? Der deutsche Bundestag (Bild: Furcas; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe unten)

Keine Angst, ich werde nicht den nächsten Vortrag über die Parteienverdrossenheit halten. Im Gegenteil. Die Behauptung, es wären die Parteien gewesen, die die Menschen verdrießlich gemacht haben, ist eine prima Ausrede für persönliche Passivität.

Dabei ist die Antwort so einfach. Der Normalo mit Beruf, Familie und Steckenpferd müsste in mindestens einem dieser drei Felder zurückstecken, wenn er sich in einer Partei engagieren wollte. Das führt dazu, dass wir in der Politik bestimmte Spezies besonders häufig antreffen:

  • Langzeitberufspolitiker, denn diese müssen für ihr Engagement nicht beruflich zurückstecken, sie sind bereits Profi-Engagierte und
  • Kinderlose (z. B. Angela Merkel, Claudia Roth, Reiner Brüderle), Homosexuelle (z. B. Guido Westerwelle, Klaus Wowereit, Volker Beck) oder Unikate mit mehr Exfrauen als Kindern (z. B. Gerhard Schröder, Joschka Fischer), denn diese haben – was sie vielleicht selbst bedauern – keine eigene Familie oder sie sind immun gegen den Trennungsschmerz bei intensivem aushäusigem Engagement.

Wer bleibt also von den Otto-Normalos (oder den Lieschen-Müllers, soviel PC muss sein) übrig? Am Ende sind es nur diejenigen, die die Politik zu ihrem einzigen mit gewissem Zeitaufwand verbundenen Hobby machen wollen. Schachclub, Band und Fußballverein gucken in die Röhre, Kino- oder Theaterbesuche werden noch seltener, was ein Tatort ist, hat man vergessen. Gottschalk? Meinen Sie Schalck-Golodkowski?

Man sieht: Für den Normalo ist die Eintrittsschwelle für politisches Engagement sehr hoch. Extravaganz oder zumindest die Bereitschaft, sich zum Sonderling zu machen, sind hilfreich und daher stark in den Parteien vertreten. Ist es da ein Wunder, dass nach so einem Casting keiner von diesen Superstars noch Politik für Normalos machen kann?

Bild: Der deutsche Bundestag (Bild: Furcas; Quelle: Wikipedia; Rechte: siehe Link)

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Thomas Frieling

Für den Physiker ist klar: Demokratie ist keine exakte Wissenschaft, und Politik ist es ebensowenig. Tagesaktuelle Themen und solche, die immer wieder für Aufmerksamkeit sorgen, stellt er - in blu-News als der Blaue Doc - aus unüblichen Blickwinkeln dar, manchmal eher nüchtern, manchmal satirisch aber niemals nur aus Spaß.

(2) Readers Comments

  1. Ich denke, da kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Aufrichtigkeit. Die Bürger glauben den linksorientierten Hauptstromparteien nicht mehr vorbehaltlos.
    Habe kürzlich in einem Blog, leider vergessen wo, dazu gelesen, das nach einer Umfrage Politiker im ansehen noch unter Prostituierten stehen.
    Ich denke, Politik und Politiker haben im Ansehen der “rechtschaffenden” Bürger, ich meine damit den unbescholtenen Otto Normal der seine Steuern zahlt und sich auch sonst genauso verhält wie es von einem guten Bürger erwartet wird, etwas dubioses.
    Was dort abgeht, kann der Bürger oftmals nicht mehr nachvollziehen und es deckt sich nicht mehr mit der Realität.
    Auch gehen viele Entscheidungen am gesunden Menschenverstand vorbei, will meinen der Bürger sieht, diese oder jene Entscheidung, ist ganz sicher nicht gut für unseren Staat und seine Bürger.
    Ist meiner Meinung nach nicht verwunderlich, das man da eher weniger mit zutun haben will.
    Der PC sei es dann noch gedankt, das sich kaum jemand bei den etablierten besudeln will, sieht man ja auch an den Austrittszahlen bei den “Großen”.
    Alle kleinen die nicht PC versuchen Themen anzusprechen, bekommen direkt die “Nazikeule” übergezogen, das schreckt dann auch ab.
    Es gibt keine ergebnisorientierte Politikkultur mehr in diesem Land.
    Solange diese, sorry unsägliche linksversiffte 68er Meinungsdiktatur die veröffentlichte Meinung (nicht die öffentliche Meinung) vorgibt, sehe ich da auch echt schwarz.

  2. Politische Korrektheit ist für viele eine regelrechte Zwangshandlung geworden. Wer sich nun politisch betätigt, sollte meines Erachtens zweierlei beachten: erstens darf er nicht selbst darin verfallen und Korrektheit mit Diplomatie verwechseln. Und zweitens darf er nicht ins Gegenteil verfallen und Unkorrektheit mit Aufrichtigkeit verwechseln.

    Manch einer ist geradezu abhängig von dem Gefühl, ungerechtfertigt in der Kritik der Meinungsmacher zu stehen. Für eine poitische Bewegung taugt das nicht. Es ist wichtig, cool das richtige zu tun und sich nicht in gerechtem Zorn zu echauffieren.

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