Meinungen Münchner Freiheit Titel — 30 Januar 2012

Münchner Freiheit: Die Betreiber der Sozialindustrie und ihre wahren Motive

Der Münchhausen der deutschen Linken (Bild: Sebastian Schöningh, Rechte: siehe unten)

Der am längsten von den USA ausgefochtene Krieg ist der gegen die Armut. Der „War on poverty“ wurde am 08. Juni 1964 von Lyndon B. Johnson ausgerufen. Doch für keinen ist dieses in allen westlichen Ländern endlos geführte Gefecht so wichtig für die eigene Existenz, wie für die Kriegsgewinnler des Kreuzzuges zur Eroberung des sozialen Paradieses. Dabei geht die Armee der Gutmenschen wie jene Eltern vor, die ihre eigenen Kinder in Krankheit halten, um sie im Anschluss zu „retten“. Ganz wie es das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom beschreibt.

Das Krankheitsbild dieses Syndroms bedeutet die Symptome des Erfindens, Übersteigerns oder Herbeiführens von Krankheiten Dritter. Ziel ist es, die Empathie für seine Opfer und zugleich die Bewunderung für die scheinbare Rettung dieser auf sich selbst zu lenken. Ein Phänomen, wie es aus der Politik – wenn auch nicht bewusst – bekannt ist, und auf dem sich ganze Weltanschauungen und Karrieren aufbauen.

Die Hilflosigkeit der anderen befördern, um sie daraus zu „retten“

Ähnlich wie Eltern, die ihre Kinder vernachlässigen, verletzen, oder in Gefahr bringen, um sie anschließend zu „retten“, so setzen sich auch die sozial bewegten Gutmenschen für andere ein, um letztlich aber nur einer Person zu dienen: sich selbst.

Dazu ist es notwendig, die Empfänger der „Hilfe“ möglichst in der eigenen Hilflosigkeit gefangen zu halten. Eine Familie, die nunmehr in der dritten Generation von Sozialhilfe, von pädagogischer Betreuung, von Familienhilfe, schlicht vom „Amt“ und damit letztlich vom Staat abhängt, ist das Familienidyll der Ritter für die soziale Gerechtigkeit. In diesem Ideal ihrer Vorstellung eines Lebensentwurfes gedeihen ihre vermeintliche Unentbehrlichkeit und ihre eigene staatliche Versorgung.

Mit neuen staatlichen Programmen die alten (gescheiterten) reparieren

Und so verdingt sich der Gutmensch mit eigener Versorgungssehnsucht als Sozialarbeiter, Streetworker, Mitarbeiter eines Ausländerhilfsvereins oder eines Verbandes der Wohlfahrtsindustrie und auch als Politiker. Gerade letztere bilden als Lobby der Sozialindustrie in allen Parlamenten über alle relevanten Parteigrenzen hinweg die unbestritten größte Fraktion.

Die alldeutsche Sozialistenfraktion reagiert und regiert von dort aus auf Zuruf aus der Zunft der außerparlamentarischen Versorgungsschaffenden. Diese treten als Fachleute und Vertreter der Fachverbände der Sozialindustrie in parlamentarischen Anhörungen und – noch viel wichtiger – in den diversen Medien auf. Hier dürfen sie dann den Weg ins Paradies der Versorgung weisen. Gerne zeigen sie dabei auf, welch schlimme Ausmaße die Kinderarmut, die Langzeitarbeitslosigkeit, die frühkindlichen Fehlentwicklung aufgrund mangelnder sozialer Betreuung angenommen hat. Ohne Atempause wird dann ein Programm, oder mehr Geld für ein bestehendes Programm gefordert. Ein Programm, um die durch ein staatliches Programm hervorgerufene Fehlentwicklungen wieder zu reparieren. Wobei sie selbstlos ihre Dienste anbieten.

Wie alle Süchtigen, so bedarf es auch bei den Junkies der Fürsorgesucht einer immer höheren Dosis. So wie die unter Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidende Mutter immer häufiger mit ihrem kranken Kind auf dem Arm in der Notaufnahme erscheint, so legen die Sozialisten immer neue Programme auf. Doch gleichzeitig muss für eine Wirkung die Dosis immer weiter erhöht werden.

Der „Schutz“ der Hilflosen ist der Schutz vor Kritik

Leise Zweifel hinsichtlich der Wirksam- und Finanzierbarkeit werden mit dem Verweis auf die Notleidenden als Sozialdarwinismus und soziale Kälte niedergeschrien.  Die Schutzbefohlenen wie Kinder oder sozial Schwache verleihen den Münchhausens dieser Welt die moralische Übrelegenheit. Es wird deshalb als verwerflich dargestellt, die Ehrhaftigkeit der Motive der Belegschaft der Sozialkonzerne anzuzweifeln. Wer hat den Mut zu denken, ganz zu schweigen zu sagen, dass die scheinbar so fürsorgliche und selbstlose Mutter die Verletzungen und die Hilflosigkeit ihrer eigenen Kinder selbst herbeiführt? Wie die Kinder so sind die die ach so sozial Versorgten ebenfalls Opfer der Junkies der Fürsorgesucht – und zugleich auch noch ihr Schutzpanzer, ihr Harnisch. In ihrer schimmernden Rüstung gegen Kritik wird jeder Angreifer als eine hässliche Fratze, als Monster, schlicht als Unmensch gespiegelt. Wer würde es da schon wagen, den hilflosen Kindern und in der Folge auch den bedürftigen Empfängern sozialer Segnungen die Hilfe zu nehmen?

Sich darauf zu konzentrieren, wirklich Hilfsbedürftige wieder zu einem durch eigene Leistung ermöglichten Leben zu ermutigen, wird – so überhaupt – dann nur zum Schein als eigene Prämisse ausgegeben. Schließlich würde die Sozialindustrie sonst selbst für eine Verkleinerung ihres Kundenkreises sorgen. Und soweit hat man dann die Marktwirtschaft schon begriffen, dass man um die Eigeninteressen schädigende Tendenz dieses Ansatzes weiß.

Nationale und internationale Sozialisten

In Österreich wurde vor Kurzem eine Plakataktion gestartet. Auf den Werbeflächen war zu lesen, es gebe viele Länder in denen ein warmes Bett keine Selbstverständlichkeit sei. Die wenige überraschende Pointe war, dass zu jenen sozial kalten Ländern auch Österreich gehöre. Der Gedanke, es könne möglicherweise in keinem einzigen Land der Welt ein warmes Bett eine Selbstverständlichkeit sein, ist den Machern dieser Kampagne mit Sicherheit nicht gekommen. Selbstverständlich im ursprünglichen Wortsinne ist jedoch vielmehr, dass jedes warme Bett nur – und einzig nur – durch Arbeit, durch Wertschöpfung ermöglicht wird.
Aber diesen Zusammenhang zu sehen, würde auch bedeuten, die weiteren Opfer der Münchhausens des Sozialkrieges ins Auge zu fassen. Das sind diejenigen, die all diese so großzügig verteilten Leistungen zu erbringen haben. Das sind diejenigen, durch deren harte Arbeit über den Umweg des Staates das Geld für ebenjenes warme Bett finanziert wird, in das sich andere hinein bequemen.

Und da derzeit nicht die nationalen Sozialisten, sondern die internationalen Kollektivisten den Ton angeben, wird das Angebot auch noch als ein Einwanderungsanreiz gesetzt. So ergibt sich, dass von den drei Millionen Ausländern im Jahr 1970 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren. Die Zahl von 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtigen Ausländern konnte man bis zum Jahr 2003 stabil halten. Freilich befanden sich zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits 7,3 Millionen Ausländer in Deutschland.

Leistungserbringer und Leistungsempfänger

Doch manchmal liegen die Leistungserbringer auch selbst in jenem Bett. Ein Bett, das sie über ein staatliches Familienprogramm und damit mit staatlicher Hilfe finanziert haben. Mit eben jenem Geld, das sie zuvor an den Staat abgetreten haben. Nur ist die Summe, die für das Bett aufgebracht wurde, nicht mehr so groß. Denn auf dem Weg von der eigenen Lohntüte zurück ins heimische Schlafzimmer unterlag der Betrag einer Schrumpfkur. Schließlich musste der Antrag ja noch von der ein oder anderen Behörde bearbeitet werden. Ohne eine ausgeklügelte Administratrion lässt sich freilich kaum entscheiden, wer welches Bett bekommt und welchen Zuschuss für ebenjenes erhält. Und so schläft manch beglückter „Bürger“ voll Dankbarkeit gegenüber “seinem” Staat ein, der ihm mit seinem Geld ein Bett gekauft hat. Ein Bett, das deutlich größer, komfortabler und individueller sein könnte. Aber dafür natürlich nicht mit so viel sozialer Wärme angefüllt, die sich zwischen den billigen Daunen als heiße Luft so angenehm bemerkbar macht.

Der Gedanke, vom Staat keinen Zuschuss mehr zu bekommen, hieße dann auf kurze Sicht, kein Bett zu haben. So wird die vermeintliche Not und folglich die Unterstützung für den Sozialstaat immer größer.

Der Krieg geht weiter

Und so geht der Krieg gegen die Armut weiter – auch in den USA. Dort, so ist bald ein halbes Jahrhundert nach Kriegsbeginn zu lesen, war die Zahl der Empfänger von staatlichen Essenszuschüssen (food stamps) mit über 45 Millionen Amerikanern noch nie so hoch wie unter Präsident Obama. Doch vollkommen unverdrossen will jener die Arbeitslosigkeit nun durch einen Umstieg zu „grüner Energie“ angehen. Im Blick hat er dabei Windmühlen. Auf diese Weise soll sich die amerikanische Wirtschaft am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Artikelbild: blu (Originalbild Lafontaine: Pujanak; Rechte siehe Wikipedia)

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Christian Jung

In seiner Kolumne Münchner Freiheit kommentiert Christian Jung den alltäglichen Wahnsinn in Bayern und dem Rest der Welt. Alle Artikel...

(6) Readers Comments

  1. Fördern durch fordern. Dieser Grundsatz der Pädagogik geht uns zunehmend verloren. Ob lernschwache Kinder oder bildungsferne Migranten – jeder kann etwas leisten, von jedem muss etwas gefordert werden. Unser teils übertriebenes Fördersystem nimmt den Betroffenen die Chance, stolz auf die eigene Leistung zu sein. Und damit ein Stück Menschenwürde.

  2. Passend dazu der Antrag zweier Münchner Stadträte zum Thema Schulverweigerer, hier ein
    Ausschnitt:

    “Leider ist trotz einer Vielzahl pädagogischer und flankierender wie präventiver
    sozialpädagogischer Maßnahmen bis heute nicht zu verhindern, dass es lei-
    der eine Vielzahl von Schulverweigerern und Schulverweigerinnen und auch
    von der Verwaltung vorübergehend vom Unterricht ausgeschlossene Schüle-
    rinnen und Schüler gibt. Hier besteht aus unserer Sicht zunächst Informations-
    bedarf, der als Basis für weitergehende Überlegungen zwingend ist.
    (…)
    3. Welche Maßnahmen wurden in den letzten Jahren ergriffen, um Schul-
    verweigerer anzusprechen und ihnen so durch Hilfestellung den Wie-
    dereinstieg in die Schule zu ermöglichen, in wie vielen Fällen ist das
    gelungen?
    4. Welche begleitenden Angebote werden von welchen Referaten hier al-
    ternativ vorgehalten, da trotz Unterrichtsausschluss die Schulpflicht
    nicht aufgehoben ist? Bei fehlenden Angeboten würden die Schüler/in-
    nen zwangsweise auf der Straße stehen, eine Betreuung durch die Fa-
    milie wird in vielen Fällen nicht möglich sein.”

    Trotz der eingangs im Antrag benannten Mittel und Maßnahmen, ist die Gesellschaft ist verantwortlich, nicht die Verweigerer und auch nicht deren Familien – willkommen in der verkehrten Welt der Münchner CSU.

  3. @Nasreddin
    Fördern durch fordern? Heutzutage gilt ja selbst das schon als Rechtspopulismus… da fehlen einem die Worte. Ja, der Jung hat recht… die linken machen diesen sozi hokuspokus nicht nur aus nächsenliebe, sondern damit sie überhaupt irgendeinen sinn und zweck haben. Ohne Bedürftige bräuchte es auch keine Linken, witzig irgendwie…

  4. Hey Chrissi,

    mir kam der Text so bekannt vor: Und die Linke, die da schreit? Sie schreit nur ihretwegen, wie die Mutter, die am Münchhausenstellvertretersyndrom leidet. Sie möchte etwas. Sie lässt ihr Kind leiden oder sie behauptet es leide, nur um selbst Aufmerksamkeit zu bekommen und im besten Fall noch einen Posten obendrauf.

    dort stehts drin: http://www.pi-news.net/2012/01/von-menschenrechten-und-anderen-schindereien/

    Ich freue mich immer wenn ich Menschen inspirieren kann ;)

  5. Servus Eternia,

    jetzt habe ich wirklich Glück gehabt. Als ich Deinen Kommentar gelesen habe, bin ich ein wenig erschrocken. Aber ich ich habe in mein E-Mail-Fach geschaut. Und siehe da, am 24. Januar – also drei Tage VOR Erscheinen Deines Artikels – mit einem hervorragenden Abschlussgedanken ;-) – habe ich mir selbst (Gott sei Dank) den ersten Entwurf als E-Mail-Anhang geschickt. Darin ist der Grundgedanke festgehalten.

    Diese E-Mail-Adresse leite ich Dir weiter – damit Du Dich selbst überzeugen kannst.

    Daher muss hier wohl gelten: Zwei Irre, ein Gedanke!

    Was aber nicht bedeutet, dass ich mich nicht gerne von Dir inspirieren lasse. ;-)

    Grüße
    Christian Jung

  6. Außerdem wusste ich noch nicht, dass ich einen Spitznamen habe, der Chrissi lautet. Was aber hier natürlich nicht das wesentliche ist.

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