Wolfgang Hübner: Euro-„Rettung“ um jeden Preis?

Der Euro ist gescheitert, meint Wolfgang Hübner (Bild: Gerd Altmann; Quelle: pixelio.de)

Am deutschen Wesen ist die Welt bekanntlich nicht genesen, am aller-wenigsten Deutschland selbst. Das ist eine historische Erkenntnis, die selbst bei oberflächlicher Durchsicht des Geschehens im vergangenen 20. Jahr-hundert leicht zu gewinnen ist. Und wie oft und wie penetrant wurde es den Nachgeborenen der nationalen Schande von 1933 bis 1945 eingeimpft, aus der Geschichte die richtigen Lehren zu ziehen. Und wie lange schon bemühen sich die Deutschen, nach all dem Grauen wieder in aller Welt respektiert, geachtet und sogar geliebt zu werden – übrigens mit großem Erfolg.

Seitdem es jedoch unablässig und mit ständig steigender Intensität den Euro-zu „retten“ gilt, weil „wir“ doch alle von Flensburg bis Konstanz angeblich so sehr von dieser Währung profitieren – seitdem macht sich ein absurder, ja geradezu perverser neuer Nationalismus breit, der drauf und dran ist, in weiten Teilen Europas Deutschland und die Deutschen erneut in Verruf zu bringen. Da sich unser Volk vor etlichen Jahrzehnten zu schwach und zu spät gegen die falsche Führung gewehrt hat und dafür einen schrecklichen Preis zahlen musste, ist es notwendig, diesmal noch rechtzeitig zu reagieren und Merkel, Schäuble, Steinmeier, Schulz und anderen so kräftig auf die Finger zu klopfen, dass ihnen ein für allemal die Lust vergeht, die Deutschen abermals zum internationalen Hassobjekt zu machen.

Wenn uns das wichtig ist, dann bedarf es einer unzweideutigen Feststellung: Die Euro-Währung in ihrer jetzigen Verbreitungsform und Verfassung ist gescheitert. Eine Währung, die permanent „gerettet“ werden muss, ist schon keine mehr, sondern nur noch ein Notbehelf als Zahlungsmittel. Es bedarf keines Studiums der Volkswirtschaften und schon gar nicht eines der Politologie, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Schon etwas schwieriger ist es, daraus die notwendigen, vor allem aber richtigen Erkenntnisse zu ziehen.

Und ganz sicher werden diese für uns alle unbequem, teuer und schmerzlich sein. Aber billiger ist kein Entkommen mehr möglich aus dem Desaster, das – zum Teil aus durchaus ehrenwerten Motiven – die politische, wirtschaftliche und mediale Elite nicht nur in Deutschland angerichtet hat.

Mit diesem Entkommen wird unvermeidlich eine umfassende Abrechnung mit denjenigen Kräften und Personen verbunden sein, die für das Scheitern der Euro-Währung in ihrer jetzigen Form verantwortlich sind. Und davor haben die Betroffenen Angst, begründete Angst. Deshalb wollen sie um keinen Preis ihr Scheitern eingestehen, was verständlich, aber nicht hinnehmbar ist. Denn wenn Politiker wie Herr Kauder (CDU) und Herr Schulz (SPD) in ihrer nackten Not nun gar schon andere Nationen unter die Aufsicht von Sparkommissaren im deutschen Interesse stellen wollen und demnächst sicher auch noch das viele Bibliotheksbände umfassende deutsche Steuer(un)recht nach Athen, Lissabon und anderswo zwangsexportieren möchten – dann zeigen all diese Herrschaften und die Dame im Kanzleramt, dass sie in keiner Weise begriffen haben, auf welchen Abgrund sie Deutschland und die Deutschen zusteuern.

Natürlich werden sich Kauder, Schulz und all die anderen einheimischen Euro-„Retter“ energisch dagegen verwahren, auch nur den Anflug nationalistischer Neigungen zu verspüren, geschweige denn entsprechend zu handeln. Tatsächlich ist es ja auch kein traditioneller Nationalismus mit der bekannt gefährlichen Mischung aus wahrhaftiger Heimatliebe und überheblichem Größenwahn. Vielmehr ist dieser neue Nationalismus eine abstoßende Missgeburt aus der Paarung von tiefer Identitätsschwäche und rücksichtslosem ökonomischen Vorteilsstreben.

Es wird weltweit bewundert und anerkannt, dass und wie sich die Deutschen der düstersten Periode ihrer Nationalgeschichte gestellt haben. Aber es wird auch ungläubig darüber gestaunt und gelästert, wie sehr die notorisch überfleißigen Deutschen respektive ihre veröffentliche Meinung inzwischen geradezu vernarrt in eine Art Schuldstolz sind nach dem Motto: „Wenn wir schon die beiden Kriege verloren haben, sind wir doch die bösesten Kriegsverbrecher und Völkermörder von allen gewesen“.

Der ehemalige Grünen-Einpeitscher Josef Fischer hat diese Entwicklung vor einigen Jahren gekrönt, als er die militärisch und völkerrechtlich mehr als fragwürdige Intervention im Kosovo mit „Auschwitz“ zu rechtfertigen suchte.

Es ist eigentlich verwunderlich, dass die finanziell ungeheuerlich hohen Bürgschaftszusagen Deutschlands für die vielen Euro-Rettungsschirme nicht schon längst auch wieder mit „Auschwitz“ begründet wurden oder werden. Offenbar haben aber diese Verpflichtungen der politischen Elite zu Lasten und zum Risiko des Volkes mittlerweile zu unabsehbare, zu unkalkulierbare Ausmaße angenommen, um noch mit dieser so oft missbrauchten Moralkeule mit Aussicht auf Erfolg durchgesetzt werden zu können.

Wer aber die Selbstverachtung nicht mehr nach innen wenden kann, der muss ganz folgerichtig aggressiv nach außen werden. Es ist zweifellos eine Aggressionshandlung, einem anderen Staat, einer anderen Nation, einem anderen Volk mit der Entsendung von „Sparkommissaren“ zu drohen. Umso mehr, als nicht zuletzt auf deutschen Druck hin sowohl in Griechenland wie in Italien Regierungschefs installiert wurden, die von keinerlei demokratischer Wahl legitimiert wurden. Um eine Währung zu retten, die in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung nie wollte, deren Ansehen rapide geschwunden ist und weiter schwindet – um diesen Euro zu „retten“, führt sich die politische Elite Deutschlands als Möchtegern-Besatzer neuen Typs auf. Sie schadet damit unserem Volk, unserem Ansehen und unserer Zukunft.

Es ist keine Entschuldigung, dass diese bankrotte Elite sich letztlich aus Schwäche und großer Ratlosigkeit so aufführt. Deshalb wird es Zeit, diesen neuen Größenwahn der Kauders, Schulzes und Co. zu beenden und diese Herrschaften samt der Dame im Kanzleramt aus ihren Ämtern und ihrer Verantwortung zu jagen. Danach werden sich Deutsche und Griechen bei Ouzo und Bommerlunder nach einem guten Essen darüber unterhalten, wie es weiter geht – ehrlich, aber ganz bestimmt ohne Sparkommissar.

Zum Autor: Wolfgang Hübner ist Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Frankfurter Stadtparlament “Römer”.

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  1. Toll, dass hier regelmaessig soviel geschrieben wird.

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